Vor Überschwemmungen kann das Suhrental nicht bewahrt werden. Was der Kanton mit seinem «Hochwasserschutzprojekt Suhrental Suhre» aber zumindest erreichen will, ist, das Schlimmste abzuwenden: Die Schäden, die ein hundertjährliches Hochwasser anrichten würde. Vor allem in Schöftland, Ober- und Unterentfelden, Suhr und Buchs würde bei einem solchen Hochwasserereignis Siedlungsgebiet überschwemmt. Das Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) spricht von «etwa betroffenen 600 Gebäuden und diversen Industrieanlagen» auf einer Gesamtfläche von 45 ha.

Um einen genügenden Hochwasserschutz zu erreichen, plant das BVU mehrere Grossvorhaben: ein aus Dämmen geformtes Hochwasserrückhaltebecken auf Höhe Staffelbach, die Revitalisierung eines Suhre-Abschnitts und Meliorationen in drei Gemeinden (Reitnau, Moosleerau und Staffelbach).

Projekt wird neu aufgegleist

Das BVU präsentierte als erstes Projekt den Bau des Hochwasserrückhaltebeckens, das im Oktober 2017 in die Vernehmlassung geschickt wurde. Die durch die Gestaltung des Beckens reduzierte Kulturlandfläche (Fruchtfolgeflächen) wurde mit 4,9 ha angegeben. Die Reduktion um diese Fläche wäre so in den Richtplan eingetragen worden. Das Gesetz verlangt einen Richtplaneintrag, sobald der Verlust an Fruchtfolgefläche 3 ha übersteigt. Die Vorhaben «Suhre-Revitalisierung» und «Meliorationen» wurden in den Ausführungen als Folgeprojekte deklariert, die zu einem späteren Zeitpunkt in die Vernehmlassung kämen. Es wurde aber bereits erwähnt, wie viele Hektaren an Kulturland dadurch verloren gingen: 2 für die Meliorationen und 2,5 für die Suhre-Revitalisierung.

Ein knappes Jahr ist seit Ende der Vernehmlassung vergangen. Jetzt präsentiert das BVU ein neues Hochwasserschutzprojekt, das das erste ersetzt. Das Vernehmlassungs-/Anhörungs-/Mitwirkungsverfahren startet am Montag und dauert bis zum 13. April. «Die erneute Vernehmlassung erfolgt, weil in der Zwischenzeit wesentliche Änderungen in das Projekt eingeflossen sind», steht in den Ausführungen. 

Teilprojekte zusammengenommen

Vor allem zwei Gründe führten zu diesen Änderungen. Erstens hat man in der Zwischenzeit entschieden, dass die Hochwasserschutzmassnahmen nicht nur zwischen Staffelbach und Attelwil realisiert werden sollen, sondern zusätzlich auf dem Abschnitt von Attelwil bis zur Luzerner Kantonsgrenze. Denn inzwischen hatte der Kanton Aargau mit den Bundesstellen über die Bedingungen für Abgeltungen des Bundes verhandelt: «Es zeichnen sich erhebliche finanzielle Vorteile für die Gemeinden und den Kanton Aargau ab, sofern ein Kombiprojekt Hochwasserschutz und Revitalisierung der Suhre bis zur Kantonsgrenze Aargau–Luzern erstellt wird», schreibt das BVU.

Heisst: Neu stehen mehr Bundesgelder in Aussicht, wenn die Revitalisierung bereits jetzt ins Projekt reingenommen wird und die Hochwasserschutzmassnahmen bis zur Luzerner Kantonsgrenze erweitert werden. Beides ist im vorliegenden Projekt nun vorgesehen.

Zweitens führte die Aufteilung in Teilprojekte im ersten Projekt zu heftiger Kritik, vor allem aus bäuerlichen Kreisen. Die Aufteilung sei intransparent, weil im Richtplan dadurch nicht die Gesamtfläche an geopferter Fruchtfolgefläche eingetragen werde, hiess es vom Bauernverband Aargau. Als Gesamtprojekt aufgegleist, müsste ein Verlust von 9,4 ha an Fruchtfolgefläche eingetragen werden.

Im neuen Projekt sind Rückhaltebecken, Revitalisierung und Meliorationen jetzt als Gesamtprojekt ausgewiesen, in den Richtplan soll neu die Reduktion um 9,4 ha Fruchtfolgefläche eingefügt werden: «Wir berücksichtigen die Kritikpunkten aus dem ersten Vernehmlassungsverfahren», sagt der kantonale Projektleiter Martin Tschannen auf Anfrage. Das erste Projekt hätte 23 Millionen Franken gekostet. Das neue, erweiterte Projekt kommt auf 31 Millionen Franken, getragen von Bund, Kanton und Gemeinden.