«Zum Wohl!» für den Kanton Aargau

Pascal Furer mit 105 Stimmen zum Grossratspräsidenten gewählt.

Raphael Karpf
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Die gestrige erste Sitzung des neuen Grossen Rats war geprägt von Wahlen. Genehmigung des Wahlprotokolls, Inpflichtnahme der Gewählten, Ersatzwahl von Fachrichtern. Höhepunkt war aber die Wahl des neuen Grossratspräsidenten, Pascal Furer (SVP). Normalerweise ist die Wahl des höchsten Aargauers Formsache. Gewählt wird, wer im Vorjahr erster Vizepräsident war. Die Ausgangslage heuer war etwas anders. Der designierte Präsident Pascal Furer war im Herbst ins Kreuzfeuer linker Kritik geraten. Dies, nachdem der SVP-Kantonalsekretär unter anderem sagte, er würde sämtliche Coronamassnahmen sofort abschaffen.

Ein koordinierter Grossangriff von links auf blieb gestern Dienstag aber aus. Pascal Furer wurde mit 105 von 137 möglichen Stimmen klar als neuer Grossratspräsident gewählt. Das Ergebnis ist höchstens ein kleiner Denkzettel von linker Seite: 14 Stimmen gingen an Furers Parteikollegin Michaela Huser, 10 Wahlzettel gingen leer ein. Zur ersten Vizepräsidentin des Grossen Rats wurde gestern Elisabeth Burgener (SP) mit 122 Stimmen gewählt. Zweiter Vizepräsident wurde Lukas Pfisterer (FDP), er holte 117 Stimmen.

Politische Kritik ist okay, aber Anstossen muss sein

Der neu gewählte Grossratspräsident nahm die Ratsmitglieder in seiner Ansprache mit auf eine Zeitreise. Furer blickte in die 1920er-Jahre zurück, das Aargauer Parlament war damals ein erstes Mal per Proporzsystem gewählt worden. Der Umgang der Politiker untereinander sei zu jener Zeit deutlich harscher gewesen, so Furer. «Die härtesten aktuellen Exponenten erscheinen demgegenüber wie unschuldige Waisenknaben.»

Die Lehre daraus: «Streiten gehört zur Politik.» Furer sagte, er habe in seinen 20 Jahren als Politiker schon viele Argumente gehört. Aber eines hätten alle gemein gehabt: Alle Referenten hätten nur das Beste gewollt. Darum sei es wichtig, dass alle Meinungen offen ausgesprochen werden dürften.

Aktuell ziehe sich ein Graben durch die Gesellschaft, quer durch Parteien und Familien, sagte Furer weiter. Er versprach, sein Möglichstes zu tun, diesen Graben zu verkleinern. Aus diesem Grund habe er sich für das Motto «zum Wohl!» entschieden, sagte der Winzer, dessen Saphir Riesling-Sylvaner letztes Jahr zum Aargauer Staatswein gekürt worden war.

Denn egal, wie verschieden die politischen Ansichten seien: Das «zum Wohl!» solle dafür stehen, dass «wir uns auf persönlicher Ebene gut verstehen. Das ist mir wichtig: Dass wir uns trotz aller Differenzen für den Kanton einsetzen», sagte Furer. Wenn jemand ihn politisch hart anpacke, nehme er ihm dies nicht übel. Anders würde dies aussehen, wenn der politische Gegner anschliessend nicht mit ihm anstossen würde.

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