Döttingen

70-Zimmer-Hotel für 12 Millionen geplant – der Bauherr ist kein Unbekannter

Unweit des AKW Beznau soll das Aparthotel gebaut werden.

Unweit des AKW Beznau soll das Aparthotel gebaut werden.

Läuft alles nach Plan, soll in eineinhalb Jahren ein Hotel mit rund 70 Zimmern eröffnen. Neben der grundsätzlichen Frage nach dem Bedarf gibt es auch kritische Stimmen zum Bauherren.

Noch bis Ende Monat liegt in Döttingen ein Baugesuch auf, das im Ort für Gesprächsstoff sorgt. Die Ambassador House Schweiz AG mit Sitz im zürcherischen Unterengstringen plant in der Gemeinde im Unteren Aaretal ein Aparthotel im Mittelklasse-Segment. Die 69 Zimmer teilen sich in Studios, Juniorsuiten und Suiten auf. Vorgesehen ist auch ein Gastronomie-Bereich, in dem ein Restaurant mit Bar und ein À-la-carte-Restaurant die Gäste dereinst verwöhnen soll. Dazu kommen eine Tiefgarage mit 80 Parkplätzen und 20 Aussenparkplätze für Kurzzeitparking.

Im Döttingen kursiert die Frage, warum in einem Ort mit begrenzt touristischer Anziehungskraft ein derartig ambitioniertes Projekt realisiert werden soll. Bauherr und Projektleiter Fritz Kündig erklärt, dass Marktstudien existieren, die ein klares Bedürfnis in der Region für ein Aparthotel nachweisen würden. «In Zeiten politischer Unsicherheiten und Angst vor Pandemien gewinnt der heimische Markt an Bedeutung», so Kündig. Ein wichtiger Faktor sei aber die Nähe zum Paul-Scherrer-Institut in Villigen. «Das PSI beschäftigt rund 2100 Mitarbeiter. Im Jahr 2017 kamen beispielsweise mehr als 2500 Forscher aus über 60 Nationen hierher.» Ausserdem entstünden in den nächsten Jahren temporäre Arbeitsplätze durch den Rückbau des Atomkraftwerks Beznau.

Im Bereich Hotellerie habe das untere Aaretal sicher noch Erweiterungspotenzial und in Anbetracht der Nähe zum PSI und dem Park Innovaare könne das Projekt sicher positiv betrachtet werden, pflichtet Gemeindeammann Peter Hirt Kündig bei.

«Notorischer Pleitier»: Bauherr wehrt sich

Kritische Stimmen gibt es allerdings noch aus einem anderen Grund: Es geht um die Person Fritz Kündig. Der «Beobachter» bezeichnete ihn einst als notorischen Pleitier. Und die «NZZ am Sonntag» schrieb: «Eigentlich sollte man es ja wissen: Projekte des Bauunternehmers Friedrich «Fritz» Kündig stehen selten unter einem guten Stern. Seit über 20 Jahren sorgt er mit Immobilienpleiten für Schlagzeilen.»

Die Liste an Konkursen, in denen der Name Kündig erwähnt wird, reicht bis in die 80er-Jahre zurück. Fritz Kündig erklärt, dass er nichts zu verbergen habe. «Ich kann beweisen, dass von mir kein Eintrag im Strafregister existiert.» Er sei clean. Gegen die Berichterstattung in diversen Medien wehrt er sich auf rechtlichem Weg.

Die Gemeinde Döttingen will sich zu Kündigs Vergangenheit nicht äussern. Da keine entsprechenden Informationen vorliegen, werde man nicht auf angebliche Anschuldigungen antworten, sagt Peter Hirt. Es sei aber so, dass die Eingabe eines Bauvorhabens durch die Gemeinde auf die baurechtlichen Aspekte geprüft werde und zivilrechtliche Aspekte keinen Einfluss haben dürfen.

Finanzierung durch Investor gesichert

Laut Fritz Kündig ist die Finanzierung in Döttingen nach Rechtskraft der Baubewilligung für das Aparthotel durch eine Investorin sichergestellt. Die Baukosten für das Projekt belaufen sich auf rund 12,3 Millionen Franken. Sollte es keine Verzögerungen geben, wäre der Baubeginn im Herbst dieses Jahres vorgesehen. Die Eröffnung des Hotels wäre im Winter 2021/22 geplant.

Würde das Vorhaben umgesetzt, entstünde im Bezirk Zurzach das zweitgrösste Hotel nach dem Parkhotel in Bad Zurzach. Interessantes Detail: Fritz Kündig war beim grössten Hotel im Kanton Aargau mit seinen 175 Zimmern ebenfalls mitbeteiligt – als Generalunternehmer und Miteigentümer.

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Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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