Die ABB Turbo Systems schliesst ihren Standort in Klingnau auf Ende 2018. Alle 110 Arbeitnehmer behalten allerdings ihre Stell. "Es kommt zu keinen Kündigungen", unterstreicht ABB-Mediensprecher Lukas Matt. 

Die Klingnauer Angestellten werden ab 2019 am Stammsitz in Baden arbeiten. Dort beschäftigt die ABB Turbo Systems zurzeit rund 650 Mitarbeitende. "Dort haben wir noch Platz", nennt Matt einen wichtigen Grund für die Konzentration. Der zweite ist, dass die Produktion von Turboladern effizienter geworden sei. "Wir brauchen dafür weniger Platz." 

Fünfjähriger Mietvertrag

Die Fabrik in Klingnau hatte die Hiag Immobilien AG erst im Jahr 2008 neu gebaut, mit dem langjährigen Mieter ABB im Rücken. Im selben Jahr nahm die ABB Turbo Systems die Produktion auf. Der Mietvertrag lief fünf Jahre, wurde einmal verlängert und läuft auf Ende 2018 aus, wie Matt sagt. 

2008 platzte der Produktionsstandort in Baden aus allen Nähten. Darum wurde insbesondere der Bereich der Kleinlader nach Klingnau verlegt. Ein erster Dämpfer erfolgte bereits ein Jahr später, als ABB Turbo aufgrund eines massiven Bestellungseingangs total 125 Entlassungen in der Schweiz aussprach. Mitte 2009 hatte die ABB Turbo Systems 1135 Angestellte, Mitte 2013 waren es rund 880. Mitte 2014 wurde der Standort in Deitingen SO geschlossen. 145 Stellen wurden abgebaut, davon in Baden 59 sowie in Klingnau 20.  

Das Werk der ABB Turbo Systems in Baden. (Archivbild)

Das Werk der ABB Turbo Systems in Baden. (Archivbild)

Zum Geschäft der ABB Turbo Systems gehört die Produktion von Turboladern sowie das Servicegeschäft. Die Nachfrage weltweit ist allerdings rückläufig. "Wir sind dem Weltmarkt ausgesetzt", konstatiert Matt. "Wir befinden uns in einer herausfordernden wirtschaftlichen Situation." Gerade in der Frachtschifffahrt, wo die meisten Turbolader der ABB eingesetzt werden, bestehen grosse Überkapazitäten. Gut laufe das Turbolader-Geschäft bei Spezialschiffen wie Kreuzfahrtschiffen und Fähren, Gasmotoren für Kraftwerke sowie das Servicegeschäft generell. 

Ammann bedauert Wegzug

"Wir sind am Dienstag von der Führung der ABB Turbo Systems AG persönlich orientiert worden", sagt der Klingnauer Gemeindeammann Oliver Brun. "Das Gute: Es kommt zu keinen Kündigungen."

Für ihn stehe im Vordergrund, dass die Mitarbeitenden, wovon doch ein Teil aus der Region komme, ihren Arbeitsplatz laut Versprechen der ABB behalten würden. Auch werde der Werkplatz Aargau mit dieser Verlegung nicht beeinträchtigt, ringt Brun dem Wegzug der ABB eine positive Seite ab, um gleich auch die negative Seite anzusprechen: "Es ist natürlich bedauerlich, dass nun im unteren Aaretal wieder Arbeitsplätze verloren gehen." Die Hoffnungen liegen bei der Hiag als Eigentümerin der ABB-Halle. "Ich bin zuversichtlich, dass die Hiag bis Ende 2018 eine Nachmieterin finden wird und damit wieder Arbeitsplätze geschaffen werden", fügt Brun an.

Der Gemeinderat wird laut Brun die Situation analysieren und allenfalls notwendige Schritte in die Wege leiten: "Wir sind bestrebt, Gewerbe und Industrie ansiedeln zu können und werden uns auch dafür einsetzen."

Abgesehen von der «Turbo Systems»-Sparte sind bei der ABB im Unteren Aaretal, sprich in Klingnau und in Kleindöttingen, 100 Mitarbeitende beschäftigt. 

Die Mitarbeitenden sind am Mittwochmorgen informiert worden. "Wir rechnen nicht mit Abgängen aufgrund der Verlagerung nach Baden", sagt Matt. 50 Prozent der Mitarbeiter haben nach dem Umzug einen kürzeren Arbeitsort, weil sie bereits in der Region Baden wohnen. Ein Drittel sind deutsche Grenzgänger. 

Grosse Pläne in Baden

Die ABB Turbo Systems AG hat in Baden grosse Pläne: Die Fabrik im Zentrum der Stadt soll zu einer der besten Produktionsstätten im internationalen Vergleich werden. "Hierfür werden die Produktions- und Arbeitsprozesse weiter optimiert und die Produktivität über die gesamte Wertschöpfungskette gesteigert", sagt Matt.

Die ABB Turbo Systems AG ist laut eigenen Angaben führend in der Entwicklung, Herstellung und Wartung von Turboladern für Diesel- und Gasmotoren von 500 Kilowatt bis über 80 Megawatt. Über 200'000 ABB-Turbolader sind weltweit im Betrieb – auf Schiffen, in Kraftwerken, auf Lokomotiven sowie grossen, geländegängigen Fahrzeugen.

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