Baldingen

Alarmstufe rot: 50 Fichten fallen dem Borkenkäfer zum Opfer

In Baldingen ist eine Borkenkäfer Invasion rechtzeitig erkannt und gestoppt worden. Die gefällten Bäume haben einen positiven Zweck erfüllt.

Wo sich vor zehn Tagen noch Fichte an Fichte reihten, türmten sich urplötzlich Berge von aufgestapelten Stämmen und übersäten Zapfen, kleine und grosse Nadelästen die Wäge. Sozusagen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte der Baldinger Landwirt und Waldbesitzer Hansjörg Knecht in der vergangenen Woche mehr als 50 seiner Fichten fällen müssen. Schuld war ein kleines Insekt mit riesengrossem Hunger: der Borkenkäfer.

«Die Bäume waren 40 Jahre alt. Ich war noch ein Bub, als mein Vater sie gepflanzt hatte», erinnert sich Knecht. Waldarbeiten mitten im Sommer bedeuten für ihn nebst Milchwirtschaft und Ackerbau einen enormen zeitlichen Mehraufwand, aber Knecht ist ein stets aufgestellter «Chrampfer».

Im Gefolge von Sturm Lothar hatte der Borkenkäfer ab dem Jahre 2000 traurige Berühmtheit erlangt. Zwischendurch war es etwas ruhiger um ihn geworden – doch die Vermehrungsfreude und der Heisshunger der «Borki»-Populationen sind ungestillt. «In den vergangenen zwei, drei Jahren war das Borkenkäfer-Aufkommen stetig am Steigen, bedingt durch die heissen und trockenen Sommer und der dadurch geschwächten Fichten», so Adrian Amsler, Leiter des Forst Surbtal, dem insgesamt 942 Hektaren Wald in Baldingen, Böbikon, Endingen, Rekingen, Tegerfelden sowie Staatswald unterstehen.

Die natürlichen Feinde mögen mit dem Schädling nicht mithalten

Der Borkenkäfer habe zwar zahlreiche natürliche Feinde: «Der Ameisenbuntkäfer, die Schlupfwespe oder der Specht sind einige davon», hält Amsler fest. «Aber mit dem wärmeliebenden Schädling mögen sie derzeit nicht mithalten.» Im April und Mai sowie Juli und August sind die Flugzeiten des Käfers. So richten denn die Förster und Waldbesitzer ihr Augenmerk in diesen Tagen und Wochen besonders aufmerksam auf die Stammfüsse der Fichten.

Erblicken sie dort auf der Rinde, Efeuranken oder dem Blattwerk benachbarter Laubbäume sogenanntes braunes Bohrmehl, herrscht Alarmstufe Rot. «Das Bohrmehl entsteht, wenn die Käfer sich in die Rinde des befallenen Baumes hineinbohren. Danach paaren sie sich. Bereits acht bis zehn Wochen später fliegen die jungen Käfer aus und suchen sich eine neue Fichte», so Förster Amsler.

Trockene Bäume sind anfälliger auf Borkenkäfer

Gesunde Bäume produzieren ausreichend Harz und wehren so die Angriffe ab. Nach Stürmen oder bei langen Trockenphasen wie in den letzten Jahren sind sie dagegen geschwächt und können zu wenig Baumsaft erzeugen. Die Insekten haben dann leichtes Spiel.

Werden die Bohrmehlspuren entdeckt, sofern sie Regen nicht weggeschwemmt haben, ist das ebenso Pech für den Waldbesitzer, wie für die Fichte. Denn: «In dem Fall gibt es nichts anderes, als den Baum raschmöglich zu fällen, will heissen: Besser heute als morgen», betont Amsler. Nur so kann eine weitere Verbreitung wenigstens etwas gebremst werden.

Mit dem Fällen allein sei die Gefahr aber nicht gebannt, warnt Amsler. «Der vom Käfer besiedelte Baum muss auch möglichst schnell abgeführt, entrindet oder zu Holzschnitzel verarbeitet werden.» Aufgrund grosser Käferschäden in ganz Europa sei aber derzeit der Holzmarkt völlig überschwemmt, die Preise am Boden. «Für den Waldbesitzer kann der Borkenkäfer also nicht nur materiellen, sondern auch finanziellen Schaden anrichten.»

Die Baldinger Fichten erfüllen positiven Zweck

Hansjörg Knechts 50 Fichten waren drei Tage nach dem Fällen bereits abgeführt: «Und ich habe dabei nicht nur ein paar Franken verdient – das Holz erfüllt zu guter Letzt im Bezirk einen sehr positiven Zweck: Es wird der Fernwärme von Bad Zurzach zugefügt», freut sich der Baldinger Waldbesitzer.

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