Lengnau

Anwohner sollen besser geschützt werden: Neues Gesuch für Eventhalle mit Hochzeiten eingereicht

Tahir Fesli (rechts, im Bild mit Schwager Hüseyin Vural) kaufte die ehemalige Lengnauer Tennishalle vor zwei Jahren.

Tahir Fesli (rechts, im Bild mit Schwager Hüseyin Vural) kaufte die ehemalige Lengnauer Tennishalle vor zwei Jahren.

Türkische Hochzeiten statt Sport im Tenniscenter Lengnau. Doch: Auch beim zweiten Versuch gibt es Widerstand. Der Besitzer hat sein Gesuch sistiert und mittlerweile nachgebessert.

Mehr als 20 Jahre ist es her, als sich die damals 16-jährige Weltranglisten-Erste Martina Hingis und Swatch-Gründer Nicolas Hayek in einem Freundschaftsspiel in der Lengnauer Tennishalle duellierten. Tennisbälle fliegen schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr durch die 1984 erstellte Halle, auch die Hundetrainings finden seit längerem nicht mehr statt. Dafür haben seit 2019 grosse Festgesellschaften mit mehreren hundert Gästen in der Halle im Gewerbegebiet Einzug gehalten. Dafür lag kürzlich ein entsprechendes Umnutzungsgesuch der Sport- in eine Eventhalle auf. Dagegen seien Einsprachen eingegangen, sagt Gemeindeschreiber Anselm Rohner auf Anfrage.

Nicolas Hayek und Martina Hingis im Tenniscenter Lengnau, im Juni 1997.

Nicolas Hayek und Martina Hingis im Tenniscenter Lengnau, im Juni 1997.

Das Umnutzungsgesuch wurde nötig, da die Halle nur noch für Hochzeiten und Events genutzt werden soll – früher fanden ab und zu Hochzeiten statt, die Hauptnutzung waren Veranstaltungen der Hündeler. Schon beim ersten Gesuch 2019 gingen mehrere Einsprachen ein, darunter auch eine Sammeleinwendung mit 51 Unterschriften von Anwohnern des Steig-Quartiers. Unterdessen hat der Hallenbesitzer sein erstes Gesuch sistiert, nachgebessert und nochmals eingereicht.

Die Anwohner nervt die «kontinuierliche Beschallung»

Insbesondere für türkische oder tamilische Hochzeiten ist die Eventhalle in Lengnau über die Landesgrenze hinaus bekannt. Seit 2018 gehört das ehemalige Sportcenter dem Fislis­bacher Tahir Fesli, der die Halle weitervermietet. Es finden vor allem Hochzeiten mit mehreren hundert Gästen statt. Geplant sind auch Seminare, Geschäftsanlässe oder Bankette. Nach den zahlreichen Einsprachen im vergangenen Herbst versprach er bautechnische Massnahmen gegen den Lärm. Dass sich die Nachbarn derart stören, damit habe er in einem Industriequartier mit bestem Willen nicht gerechnet, sagte Tahir Fesli damals gegenüber der AZ. Die Anwohner kritisierten dabei nicht unbedingt die Lautstärke, sondern «die kontinuierliche Beschallung über Stunden hinweg durch Bässe und Trommeln», wie es eine Anwohnerin zusammenfasste.

Der Besitzer habe gegenüber dem ersten Gesuch einiges angepasst, sagt Anselm Rohner. «Vorgesehen ist eine komplett neue Gebäudehülle zur energetischen Sanierung, aber auch zur Schallabsorption», ergänzt der Gemeindeschreiber. Der Besitzer habe zusammen mit dem Gesuch auch dementsprechende Berichte zu den Emissionen eingereicht. Dennoch sei zu erwarten gewesen, dass es trotz zahlreicher Änderungen wiederum zu Einsprachen kommen würde.

Wie die Anwohner geschützt werden sollen

Konkret hat Besitzer Tahir Fesli vor, das Dach sowie alle Fensterdichtungen zu ersetzen und die Aussenwände zu sanieren. «Obwohl das bereits eingereichte Schallschutzgutachten aufzeigt, dass die gesetzlichen Vorschriften bereits jetzt grösstenteils eingehalten sind», wie es im Gesuch heisst. Alle Fenster sollen ab 22 Uhr geschlossen bleiben, der Aussenbereich für die Raucher ist auf der Ostseite der Eventhalle geplant, um die Anwohner westlich, also von der Halle in Richtung Schloss, nicht zu stören. Ausserdem sollen anstelle der ursprünglich geplanten 90 Autos in der Nacht nur noch 65 Autos neben der Halle stehen, auf dem benachbarten Domaco-Areal nur 90 anstelle der zuerst vorgesehen 150. Ein Ordnungsdienst soll jeweils dafür sorgen, dass in der Nacht die Autos gestaffelt wegfahren, um den Lärm auf der Surbtalstrasse zu minimieren.

Im Gegenzug möchte der Hallenbesitzer die Betriebszeiten ausdehnen. Im Moment werde die Halle in erster Linie jeweils am Samstag von 16 bis 24 Uhr für Hochzeitsanlässe vermietet, heisst es im Baugesuch. Jedoch möchte der Mieter die Halle auch unter der Woche für Meetings, Messen und Ausstellungen nutzen. Der Hallenbesitzer beantragte im Gesuch folgende Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag, 6 bis 22 Uhr, Freitag, Samstag und Feiertage, 6 bis 00.30 Uhr und Sonntag, 8 bis 22 Uhr. Als nächster Schritt muss Fesli nun Stellung zu den Einsprachen nehmen.

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