Sollte es dereinst ein Atomendlager im Aargau geben, dann in der Region Bözberg – das ist seit Donnerstag klar. Zwar liegen auch im Gebiet Nördlich Lägern mit Fisibach, Schneisingen und Siglistorf drei Aargauer Gemeinden, doch von einem Atommülllager wären sie nicht betroffen. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat für Nördlich Lägern sechs Sondierbohrungen beantragt, die Standorte liegen aber allesamt auf Zürcher Boden.

Gesuche wurden eingereicht für je einen Bohrplatz in Eglisau, Bülach, Glattfelden und Weiach, sowie zwei Standorte in Stadel. Damit wird das geologische Standortgebiet, das auch Teile des Zurzibiets umfasste, auf einen deutlich kleineren Lagerperimeter eingeschränkt, der vollständig im Kanton Zürich liegt. Entscheidend dafür sind unter anderem Störungszonen, also Verschiebungen der Gesteinsformationen, welche im Bereich der Aargauer Gemeinden verlaufen.

Gesuch ist nicht gleich Bohrung

An einer Medienkonferenz in Stadel informierten Vertreter der Nagra und des Bundesamts für Energie, welches die Gesuche prüft, über die Sondierbohrungen und den weiteren Verlauf bei der Suche nach einem Endlagerstandort. Gleich wie am Bözberg, wo die Nagra schon letztes Jahr acht Bohrgesuche eingereicht hat, werde auch im Gebiet Nördlich Lägern nicht an allen sechs Plätzen gebohrt. «Für die Erkundung des Standortes werden nicht alle Bohrungen nötig sein», sagte Herwig Müller, Ressortleiter Feldarbeiten.

Ursprünglich wollte die Nagra auf die detaillierte Untersuchung des Gebiets Nördlich Lägern verzichten und nur den Bözberg sowie das Zürcher Weinland als Endlager-Standorte weiterverfolgen. Die Kommission für nationale Sicherheit und die Atomaufsicht Ensi verlangten aber Ende 2016, auch die Verhältnisse im Gebiet Nördlich Lägern vertieft zu untersuchen.
Für die betroffenen Gemeinden sei das Verfahren wie eine Achterbahnfahrt gewesen, sagte Hanspeter Lienhart, Präsident der Regionalkonferenz Nördlich Lägern. Erst sei das Gebiet ein möglicher Lagerstandort gewesen, mit dem Nagra-Vorschlag im Frühling 2015 sei es praktisch ausgeschieden, nun aber doch wieder in der Auswahl.

Wohin kommt die Umladestation?

Marcel Baldinger, Gemeindeammann von Fisibach, relativiert den Entscheid der Nagra. «Für uns ist nicht so entscheidend, ob ein mögliches Tiefenlager unter dem Gemeindegebiet, oder ein paar Kilometer weiter östlich liegt.» Eine mögliche Gefahr gehe weniger vom unterirdischen Lager aus, sondern eher von der Oberflächenanlage, wo die Atommüllbehälter angeliefert und umgeladen werden. «Ein möglicher Standort für diese Anlage ist in unserer Nachbargemeinde Weiach, davon wäre Fisibach betroffen», sagt Baldinger. Mit dem Zwilag Würenlingen gebe es aber heute schon eine solche Anlage in der Region, die problemlos funktioniere.