Am vergangenen Wochenende ging im Regibad Zurzach die dortige 50-Jahr-Jubiläumsfeier über die Bühne. Die Festsaison der Zurzibieter Schwimmbäder ist damit aber noch nicht beendet: Am kommenden Samstag veranstaltet das Freiluftbad in Klingnau ebenfalls seine Jubiläumsfeier, ebenfalls zum 50-Jährigen – die Badi im Nachbarort wurde im Aufbruchs-Jahr 1969 sogar noch zwei Wochen vor dem Regibad eröffnet.

Bevor die Badeanstalt in Klingnau entstand, badeten die Einwohner in stillen Gewässern in Seitenarmen der Aare. Infolge der Aarekorrektur wurden diese Badeplätze zugeschüttet; eine erste «provisorische» Badeanstalt entstand in Form eines Flussbads bei der Halbbrücke in der Aare – die Bauruine eines ursprünglich geplanten Kraftwerks.

In den 1960ern kamen Freibadeanstalten in Mode, jede Gemeinde wollte ihre eigene Badi. «Auch in Klingnau ist dann der Wunsch nach einer ‹richtigen› Badi gewachsen. Bei der Wintergmeind 1967 wurde schliesslich der Kredit für ein Freiluft- und Hallenbad genehmigt», erklärt Kuno Schumacher, der als Stadtrat in der Schwimmbadkommission sitzt.

Am 21. Juni 1969 wurde der Badkomplex im Grie durch den Stadtammann Niklaus Schleuniger eröffnet. Nebst 50-Meter-Becken und Sprunganlagen im Aussenbereich fanden sich im Innern ein Lehrschwimmbecken und eine Saunalandschaft.

Die Sauna sei damals sehr beliebt bei den Badegästen gewesen, erzählt der ehemalige Badmeister Bernhard Schleuniger (mit dem Alt-Stadtammann ist er nicht verwandt). Der 84-Jährige erinnert sich noch gut: An jenem Samstag in der ersten Wintersaison 1970, als er seine Arbeit als Badmeister aufnahm, stürzte der Swissair-Flug 330 bei Würenlingen ab. In dieser ersten Wintersaison besuchten 15 013 Leute das Hallenbad, in der ersten Sommersaison kamen bereits 42 691 Besucher ins Freiluftbad.

Bevor das Lauchringer Schwimmbad eröffnet wurde, seien viele deutsche Gäste nach Klingnau gekommen, erzählt Schleuniger. Ausserdem kamen Schulklassen aus Koblenz zum Schwimmunterricht. Leider sei während seiner Zeit auch ein Badeunfall passiert, so Schleuniger: «Als ich beim Mittagessen war, kamen fünf Personen ins Bad und sprangen ohne sich abzuduschen ins Becken. Auf einmal hiess es, ich müsse kommen, ein Mann sei am Boden. Ich zog ihn aus dem Wasser und beatmete ihn, aber der Arzt konnte nur noch seinen Tod feststellen.» Schleuniger blieb noch bis 1985 Badmeister und arbeitete danach bis zu seiner Rente in der Kläranlage.

Früher Hallenbad, heute Kino

Das Hallenbad des Schwimmbads ereilte das gleiche Schicksal wie viele seiner Art zu jener Zeit: «Der Betrieb war unrentabel und die Innenanlage musste 1995 schliesslich geschlossen werden», so Schumacher. Heute werden die Räumlichkeiten noch als Lagerräume benutzt; jeweils im Sommer werden im alten Lehrschwimmbecken Kinofilme gezeigt, der Badi-Eintritt gilt auch als Kino-Ticket. Im Anschluss an die Schliessung des Hallenbads konzentrierte sich die Gemeinde auf den Ausbau des Freiluftbads.

Ende der 90er stand zur Debatte, dass es zum Regionalschwimmbad aufgewertet werden soll, die Gespräche verliefen allerdings im Sand. 2004 genehmigte die Gemeindeversammlung einen 2,36 Millionen Franken hohen Kredit zur vollumfänglichen Sanierung des Bads.

Wassertechnik, Beschichtung der Becken, Sprungbucht und Sanitäranlagen wurden nach und nach auf den neusten Stand der Technik gebracht. Die 170 000 Franken teure Installation der prägnanten Breitrutschbahn sollte die Attraktivität steigern – die gelbe Rutschbahn wurde 2005 mit 1000 Eintritten am Eröffnungstag wohlwollend begrüsst. Seit 2015 ist die Sanierung gänzlich abgeschlossen.

Am kommenden Samstag begeht das Freiluftschwimmbad Klingnau im kleinen Rahmen seine Jubiläumsfeier. Ab 14 Uhr organisieren die Frauen der Klingnauer Ludothek verschiedene Spiele, die einheimische Künstlerin Ute Cavelti wird mit Handabdrücken eine Wand gestalten – ähnlich der Fussabdrücke, die in der Badi seit der Neueröffnung 2005 einen «Walk of Fame» bilden. Ab 17 Uhr wird die Frauen-Steelband Barrilitos auftreten.