Baldingen

Bauer Binder geht neue Wege – und züchtet jetzt auch Zander

Roland Binder vor der UV-Anlage mit einem 500g schweren Zander. Rosmarie Mehlin

Roland Binder vor der UV-Anlage mit einem 500g schweren Zander. Rosmarie Mehlin

Der Baldinger Landwirt Roland Binder zieht neu Zander nach hohem Tierschutzstandard auf. Damit hat er sich einen Bubentraum erfüllt.

«Ich arbeite gerne mit Lebewesen, weil man Einfluss nehmen kann auf deren Wohlbefinden.» Roland Binder ist leidenschaftlicher und vielseitiger Landwirt. Er produziert Obst, hält Mutterkühe sowie, zusammen mit Sohn Dominik, Weideschweine, züchtet und verwertet Angus-Rinder. Mit der Aufzucht von Fischen hat er sich nun einen Bubentraum erfüllt. «Forellen hatten es mir angetan. Weil sie in Wildwasser gehalten werden müssen, sind es Zander geworden.»

In der Anfangsphase haben erst 200 Zander bei ihm Einzug gehalten. Ein langer Weg durch die Instanzen, aufwendige und kostspielige Einrichtungen, ein Praktikum in der Koi-Farm in Klingnau liegen hinter Binder, ein Kurs in Wädenswil noch vor ihm. «Bis dahin habe ich die Wildtierhalter-Bewilligung erst provisorisch.»

Stolz führt der 56-jährige Vater von zwei Söhnen und zwei Töchtern in einen grossen Raum hinter Stall und Remise. Er desinfiziert seine Hände – «Hygiene ist oberstes Gebot» – und erklärt die Hightech gesteuerte Wasseraufbereitungsanlage. «Zweimal pro Stunde zirkuliert hier das Wasser aus den Fischbassins zuerst durch eine UV-Anlage, dann durch einen Trommelfilter, in dem die groben Partikel herausgesiebt werden. Im anschliessenden Biobecken wird das Wasser biologisch gereinigt. Schliesslich wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert, bevor es zurück zu den Fischen in die Becken fliesst.»

Bernhard Kaufmann: «Fisch ist eine Alternative in der Landwirtschaft» (19.11.2015)

Bernhard Kaufmann: «Fisch ist eine Alternative in der Landwirtschaft» (19.11.2015)

Bernhard Kaufmann hat eine Marktlücke entdeckt. Der Klingnauer züchtet in seinem Betrieb Fische und erklärt, dass dies Sinn macht - auch weil beim Fisch in der Schweiz 96 Prozent importiert werden.

Die zwölf Becken mit insgesamt 55 Kubikmeter Wasser befinden sich hinter dicken schwarzen Vorhängen, weil Zander in der Natur sieben Meter unter dem Wasserspiegel und damit im Dunkeln leben. Zurzeit ist erst eines der Becken belegt. Wenn die optimale Wasserqualität – Sauerstoffgehalt, PH-, Nitrit-, Nitrat-, Ammonium-Werte und Temperatur von 21 Grad – rund um die Uhr sicher gewährleistet ist, werden alle Becken bevölkert sein.

«Ich züchte nicht selber, sondern werde zehn Gramm leichte ‹Setzlinge› einkaufen. Mit jedem Wachstumsschub kommen sie ins nächste Becken. Nach einem Jahr ist ein Zander ein Kilo schwer und hat damit sein Endgewicht erreicht.» Um die Fütterung seiner Fische muss sich der Landwirt nicht kümmern – Automaten spucken in regelmässigen Abständen Futter aus. «Da der Zander ein Raubfisch ist, besteht es zu 50 Prozent aus Fischmehl, das aus Wildfang-Abfällen gewonnen wird. Die andere Hälfte sind Vitamine und Getreide.» Besonders interessant ist die gute Futterverwertung: Für das Wachstum eines Kilogramm Fisches genügen zirka 1100 Gramm Futter.

Einig mit dem Nachwuchs

Die Fische bringen alles in allem eine ordentliche Portion Mehrarbeit auf den Hof, aber «ich habe den Plausch an dieser spannenden, neuen Herausforderung.» Für seine Zander wurde Binder auch schon mal aus dem Schlaf gerissen: «Sie waren erst einen Tag hier, als es um halb eins in der Früh einen Alarm gab.» Dieser wird im Notfall von der automatischen Steuerungsanlage auf Binders Natel ausgelöst.

Bis Zander ab Hof bestellt werden kann, dauert es noch rund ein halbes Jahr. Bereits hat der jüngere Sohn Samuel, gelernter Koch, sein Interesse an der Verarbeitung der Fische angemeldet. «Die Tatsache, dass die nächste Generation meine beruflichen Neigungen teilt, motiviert mich zusätzlich, immer wieder auch neue Wege zu gehen.»

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