Endingen

Baulücke im Dorfzentrum wird geschlossen – mit günstigen Wohnungen und einem Bistro

An der Marktgasse in Endingen ist ein Mehrfamilienhaus mit Wohnungen und einem neuen Bistro geplant. Dieses soll 40 Plätze bieten.

An der Marktgasse in Endingen, zwischen der Postautohaltestelle und dem ehemaligen Gebäude der Raiffeisenbank, klafft seit Jahrzehnten eine Baulücke. Zurzeit liegt ein Bauprojekt für ein Mehrfamilienhaus mit Gewerbe öffentlich auf, das diese wieder schliessen soll.

Nebst Gewerberäumen im Erdgeschoss sind auf zwei Geschossen und im Dachgeschoss insgesamt acht 2,5- und sechs 3,5-Zimmer-Wohnungen vorgesehen. Bauherrin ist die SE Immobilien AG von Erich Spuler in Dättwil.

Erich Spuler ist ein waschechter Endinger. 1990 war der Radrennfahrer Schweizer Meister. Dem Radsport ist er als Präsident des Veloclubs Gippingen noch immer verbunden.

Bis vor einem Jahr arbeitete er als Gartenbauer, seither widmet er sich ganz seiner 2014 gegründeten Immobilienfirma, der in Endingen auch das Restaurant «Rössli» gehört.

Banktresor nutzt ein IT-Dienstleister

Vor sieben Jahren erwarb Spuler an der Marktgasse die Parzelle von Emil Bächli, auf der dieser in einem Pavillon seinen Geschäften nachging. Bächli – er ist mittlerweile 92 Jahre alt – ist als umtriebiger Erfinder weitherum bekannt.

Vor einigen Jahren zollten ihm selbst die damalige Bundesrätin Doris Leuthard und das Paul-Scherrer-Institut Respekt. Damals präsentierte er das Patent von Solarzellen, die sich dem Sonnenstand anpassen und eine effizientere Nutzung der Sonnenenergie versprechen.

2014 kaufte Erich Spuler den Kiesplatz neben Bächlis Pavillon, weitere drei Jahre später das Gebäude der Raiffeisenbank, in dem heute ein IT-Dienstleister eingemietet ist. Die Bank selber fand ihr neues grosszügiges Domizil Mitte 2017 im ehemaligen Möbelhaus Weibel.

Das Dorfzentrum von Endingen ist mit Apotheke, Bank, Postautohaltestelle und diversen Ladengeschäften ausserordentlich lebendig. Gegenwärtig ist die Gemeinde daran, den Strassenraum zwischen den beiden Dorfeingängen neu zu ordnen und zu gestalten.

Der kommunale Richtplan widmet sich nebst der Bebauung und den Freiräumen, insbesondere auch dem Verkehr. 8000 bis 10'000 Autos durchfahren täglich das Dorf. 650 bis 700 Erwachsene und Schüler nutzen täglich die Postautos, 200 bis 250 Busse sind es pro Tag.

«Der öffentliche Verkehr in Kombination mit dem Behindertengleichstellungsgesetz ist die grosse Herausforderung, die sich uns im Dorfzentrum stellt», sagt Gemeindeammann Ralf Werder.

BNO lässt flexiblere Nutzung zu

Die städtebaulichen Grundlagen hat die Gemeinde zusammen mit dem Architekturbüro Husistein & Partner AG aus Aarau erarbeitet. Seit Anfang 2017 ist die revidierte Bau- und Nutzungsordnung (BNO) in Kraft, die gegenüber früher eine flexiblere Ausnutzung der Gebäude im Zentrum erlaubt.

Mit Erich Spuler hat sich der Gemeinderat bereits in einem frühen Planungsstadium ausgetauscht. Husistein ist idealerweise auch Spulers Architekt. Der geplante Neubau wird strassenseitig zurückversetzt, der Strassenraum der Marktgasse so geweitet.

Dies ermöglicht, dass der Betreiber des kleinen Bistros oder Cafés, das Spuler im Erdgeschoss vorsieht, Gartentische nicht nur hofseitig, sondern auch vor dem Haus zur Strasse hin aufstellen kann.

Ein Bistro und günstige Wohnungen für Senioren

Dass Spuler ein kleines Lokal mit rund 40 Plätzen realisieren will, dürften ihm die Endinger speziell danken. In den letzten zwei Jahren sind gleich zwei Restaurants, die «Schmiedstube» und die «Post», dichtgemacht worden.

Es sind kleine und vergleichsweise günstige Wohnungen, die Spuler plant. Er vermeidet das Wort «Alterswohnungen», denkt aber vor allem an Seniorinnen und Senioren und alleinstehende Personen, die sich in seinen Wohnungen einrichten werden.

Im Untergeschoss sind Kellerräume vorgesehen sowie Parkplätze, die von der Strasse her erschlossen sind. Damit sich der Verkehr auf der Hauptstrasse durch Autos, welche die Einfahrt ansteuern, nicht gestaut wird, ist die Ein- und Ausfahrt mit zwei Spuren geplant.

«Eine Garagenausfahrt auf der Rückseite des Gebäudes hätte Verkehr und Lärm ins Quartier bei der Synagoge gebracht, das wollte ich vermeiden», sagt Spuler.

Er hofft, dass das Baubewilligungsverfahren ohne Verzögerung abgewickelt wird, und er im nächsten Jahr mit dem Bau beginnen kann.

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