Papa Moll steht mitten in der neuen «Mini- und Adventure-Golf»-Anlage in Bad Zurzach auf einer Weltkugel und heisst Besucher mit offenen Armen willkommen. Pech ist aber, dass zeitweilig am verschlossenen Tor zu lesen ist: «Offen auf Anfrage» – ohne Telefonnummer. Bis vor kurzem stand da noch: «Minigolfanlage bis auf Weiteres geschlossen».

Die Mitarbeiterinnen im benachbarten Restaurant «Höfli» wissen ein Lied zu singen von Gästen, die enttäuscht sind, weil sie sich auf ein Minigolf-Spiel gefreut hatten.

Was ist los in der Tourismus-Metropole des Zurzibiets? Pächter der Anlage ist Beat Anliker, Verwaltungsratspräsident der GoEasy Freizeit & Event AG – der Firma, die in Station Siggenthal ein neues Hallensportzentrum, ein «kleines Magglingen» bauen will. Er sagt: «Das Minigolf ist immer wieder mal offen, nämlich dann, wenn es wirtschaftlich Sinn macht.»

Während der vergangenen Wochen sei es nicht nur für Besucher, sondern auch für seine Mitarbeiter schlicht zu heiss gewesen: «Wenn alle Medien warnen, die Leute sollen wegen drohendem Hitzeschock zu Hause bleiben, war klar, dass niemand Minigolf spielen kommt.»

Vandalen verwüsten Minigolf-Anlage in Bad Zurzach

Vandalen verwüsten Minigolf-Anlage in Bad Zurzach (6.6.2015)

Die «Papa Moll»-Anlage ist erst die zweite Saison geöffnet, schon richten Unbekannte erhebliche Schäden an.

Streit um Vertragsklauseln

Das ist aber nicht die ganze Geschichte. Im Hintergrund tobt ein Streit zwischen der Thermalquelle AG als Eigentümerin und Minigolf-Pächter Anliker. Andreas Edelmann, Vertreter der Thermalquelle AG, ist nicht einverstanden damit, dass Anliker die Anlage nur dann öffne, wenn es ihm passe. «Wir haben uns bei Vertragsabschluss darauf verlassen, dass er sich vertragskonform verhält und die Anlage kundenorientiert führt.»

In der ersten Saison nach dem Neubau 2014 seien die vereinbarten Öffnungszeiten grundsätzlich eingehalten worden. «Jetzt hält sich der Pächter kaum noch an die Abmachungen. Auch Interventionen von unserer Seite haben nichts geändert.»

Pächter Beat Anliker seinerseits sagt, laut Mietvertrag könne er die Öffnungszeiten selber bestimmen. «Kulanzhalber haben wir der Thermalquelle AG ein Mitspracherecht zugestanden, aber kein Mitbestimmungsrecht und schon gar kein Recht auf Diktat!»

Anliker legt der az ein Dokument mit einem unsignierten Pachtvertrag vor, datiert vom Juli 2012. Darin steht tatsächlich, dass die Pächterin über die Öffnungszeiten bestimmt. Andreas Edelmann seinerseits lässt der Redaktion eine unterschriebene Version des Vertrags vom Dezember 2012 zukommen. Darin steht: Die Pächterin legt die Öffnungszeiten in Absprache mit der Verpächterin fest.

Der az liegt auch ein E-Mail von Anliker an Edelmann vor, in dem dieser als Pächter «wie abgemacht» die Öffnungszeiten für die Saison 2015 mitteilt: Ausser Montag sollte die Minigolf-Anlage täglich offen sein.

Ein fehlender Zaun um die Anlage ist Teil des Konflikts. Anliker poche darauf, dass wegen Sachbeschädigungen ein Zaun her müsse, sagt Edelmann. «Aus unserer Sicht ist das nicht zwingend. Zudem könnte ein Zaun um eine solche Anlage abweisend auf Besucher wirken. Grundsätzlich scheint uns diese Forderung ein reiner Vorwand, weil Anliker offensichtlich nicht mehr am Betrieb interessiert ist.»

Beat Anliker kontert, schon kurz nach der Eröffnung sei es zu Vandalismus gekommen. Der Zaun sei Grundlage des Baubeschriebs gewesen, der für den Vertragsabschluss galt. Er habe, so Anliker, von Anfang an einen Zaun verlangt, der aber von der Thermalquelle AG aus Kostengründen gestrichen worden sei.

Andreas Edelmann hingegen sagt, man habe in der Bauphase auf den ursprünglich vorgesehenen Zaun verzichtet – «in gemeinsamer Absprache». Edelmann verweist auf die entsprechende Mailkorrespondenz, die der Redaktion ebenfalls vorliegt. Anliker lässt das nicht gelten: «Immer und immer wieder moniere ich bei Edelmann, dass etwas gehen müsse, allein schon wegen dem Littering. Vor allem habe ich ihn auf den übermässigen Vandalismus in Bad Zurzach hingewiesen, stosse damit aber auf taube Ohren.»

«Wir bedauern Situation extrem»

Hat Bad Zurzach etwa ein Vandalismus-Problem? Man erhalte aus der Gemeinde nicht überdurchschnittlich viele Meldungen von Sachbeschädigungen, heisst es bei der Kantonspolizei Aargau. 2014 und 2015 seien der Kapo je zwei Fälle gemeldet worden, bei denen die Minigolf-Anlage betroffen war.

Arg beschädigt scheint jedenfalls das Verhältnis zwischen Pächter und Verpächter zu sein. Beat Anliker ist wütend, lässt kein gutes Haar an Edelmann und moniert auch die «horrende Miete»: «Bei Vertragsabschluss waren mir nicht nur viel zu hohe Badegäste-Zahlen genannt worden, sondern auch eine geschönte Altersstruktur der Gäste.»

Würden diese der Realität entsprechen, könnte er den nötigen Mindestumsatz von 200 Franken pro Stunde durchaus erzielen. Edelmann widerspricht auch hier: «Anliker bestritt als Betreiber auch die letzte Saison auf der alten Anlage», sagt der Vertreter der Thermalquellen AG. «Er hatte beste Kenntnis von der Kunden- und Marktsituation, bevor der Vertrag für die neue Anlage unterzeichnet wurde. Nie sind unsererseits irgendwelche falschen Zahlen genannt worden. Auch der Pachtzins beruht auf seinem eigenen Businessplan und seiner Kalkulation, nicht auf unserer.»

Den verhinderten Minigolf-Spielern dürfte dies egal sein. Sie sind wütend und tun dies auch bei der Bad Zurzach Tourismus AG kund. «Wir bedauern die Situation extrem», sagt Geschäftsführer Peter Schläpfer. «Vor anderthalb Jahren haben wir eine wunderschöne Anlage in Betrieb genommen. Nun ist sie auch bei schönstem Wetter meist geschlossen.»