Schneisingen

Blinde Zerstörungswut: Junge Vandalen richten 30'000 Franken Sachschaden an – zwei Burschen werden jetzt zur Kasse gebeten

Im Schneisinger Bowald trieben vor zwei Jahren mehrere Burschen ihr Unwesen. Ein 21- und ein 24-Jähriger standen nun vor dem Richter.

«Welcher Teufel hat sie wohl geritten?» Die rhetorische Frage von Einzelrichter Cyrill Kramer bleibt unbeantwortet. Tatsache ist jedoch, dass in der Nacht zum Ostersonntag 2018 zehn Burschen in sinnloser Zerstörungswut in der und um die Schnei­singer Forsthütte Bowald Sachschäden von 30000 Franken angerichtet haben. 

Auf einem Traktor waren sie in den Wald gefahren, hatten unterwegs aus Jux das Toi-Toi-WC beim Reservoir umgestossen sowie einen Abfalleimer aus Chromstahl mit Brachialgewalt aus der Verankerung gerissen und sich anschliessend beim Forsthaus niedergelassen. Hier wurde umgehend die Feuerstelle mit den massiven Holzbänken neben der Hütte in Betrieb genommen. Allerdings nicht, was der Sinn und Zweck wäre, zum gemütlichen Wurstbräteln. Mittels zweier hölzerner Brennholzbehälter sowie zweier Ster Holz wurden stattliche Flammen erzeugt. Vor diesen war in der Folge kaum noch ein Gegenstand aus der Umgebung sicher.

Zunächst landete ein Abfallcontainer samt dem Schachtdeckel, an dem er befestigt war, mit Hilfe des Traktors im Feuer. Es folgten – aus einem Nebenraum der Hütte, mehrere Pneus, ein Besen, Taschenlampe, Gertel, Vorschlaghammer, Astschere, bevor einige Burschen auf den Dachboden stiegen und dort mit einem Pickel ein Loch in die Decke schlugen. Durch dieses gelangten sie in den Hauptraum, von wo sie sechs Holzstühle ins Freie trugen, um den Flammen neue Nahrung zu geben. Das Feuer tat sich zusätzlich an den benachbarten Holzbänken gütlich.

Uneinsichtig und hartnäckig abgestritten

Alles in allem richteten die jungen Vandalen einen Schaden von 30 000 Franken an. Geplagt von Gewissensbissen, stellten sich einige der Burschen umgehend bei der Gemeinde. Sie zeigten sich reuig, entschuldigten sich und boten an, den Schaden in Fron abzuarbeiten. Rasch waren sämtliche Tatbeteiligten eruiert. Acht von ihnen – alle minderjährig – waren restlos geständig. Der heute 21-jährige Eric (Namen geändert) und der drei Jahre ältere Yves allerdings stritten durch alle Böden hindurch ab, in jener Nacht einen Traktor (Yves) gefahren, auch nur einen Schritt in den Bowald getan, geschweige denn beim Forsthaus ein Feuer entfacht zu haben. Zehnmal hatte Yves vom Staatsanwalt befragt werden müssen, bevor er das Leugnen aufgab – bei Eric war es schneller gegangen.

Beide wurden der qualifizierten Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs angeklagt. Während sich die Mittäter vor der Jugendanwaltschaft verantworten mussten, forderte der Ankläger für Yves und Eric Freiheitsstrafen von je zehn Monaten bedingt und 1000 Franken Busse. Als Zeugen vor Einzelrichter Kramer bestätigten zwei der damals Minderjährigen – einer davon ein Forstwartlehrling – den Tatablauf. Auch Schneisingens Gemeindeammann Adrian Baumgartner wohnte der Verhandlung bei und schüttelte ein übers an dere Mal den Kopf: Er kennt all die Burschen, ist teilweise gut bekannt mit deren Vätern.

12'600 Franken bedingt – 3000 Franken unbedingt

Weder Yves noch Eric haben sich in den letzten zwei Jahren bei einer zuständigen Stelle entschuldigt – vom Bemühen um eine Schadensregulierung ganz zu schweigen. «Ich werde, zusammen mit den anderen, sicher aufkommen für den Schaden», räumte Yves immerhin vor dem Richter ein. «Leider kommt Ihre Einsicht erst sehr spät», kommentierte dieser. Äusserlich sind die beiden unauffällig; nicht sehr gross, der eine dünn mit Brille, der andere etwas stämmig. Einer ist Chauffeur und hilft zudem auf dem ­elterlichen Hof, der andere ist Landmaschinenmechaniker. Beide verdienen monatlich rund 4000 Franken.

Richter Kramer wandelt die Freiheitsstrafe um in eine auf zwei Jahre bedingte Geldstrafe, «dies in der Hoffnung, dass sie dieselbe Wirkung hat wie eine Freiheitsstrafe». Mit 180 Tagessätzen verhängte Kramer die höchste zulässige Anzahl, «dies nicht zuletzt, weil sie zunächst gelogen hatten, dass sich die Balken bogen». Zwingend bezahlen müssen Yves und Eric je 1000 Franken Busse, 1000 Franken Gerichts- sowie 954.30 Franken Anklagegebühr und Untersuchungskosten. Die Zivilforderung der Gemeinde Schneisingen von 6000 Franken Selbstbehalt wird grundsätzlich anerkannt.

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