Bezirksgericht Zurzach

Brand im «Schlüssel»: Wirt soll sein Gasthaus abgefackelt haben – Gericht spricht ihn frei

Im Gasthaus «zum Schlüssel», mitten im historischen Ortskern von Bad Zurzach, hat vor knapp einem Jahr ein Brand einen grossen Sachschaden verursacht – jetzt steht der Wirt vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn der fahrlässigen Brandstiftung, einen eindeutigen Bericht gibt es nicht.

Knapp ein Jahr nach dem Grossbrand im Gasthaus «zum Schlüssel» in Bad Zurzach stand diese Woche der Wirt vor Gericht. Am 14. Dezember 2018 soll er mit einer Zigarette den Brand verursacht haben.

Wie «Die Botschaft» berichtet, habe er beim Schreiben der Menükarte noch geraucht und den Zigarettenstummel dann unter laufendem Wasser gelöscht. Kurz nach dem Brand habe er dies auch bei der polizeilichen Befragung zu Protokoll gegeben. Er selbst habe den Brand nicht mitbekommen, andere Leute schlugen Alarm.  

Grossbrand in der Liegenschaft des Gasthauses «zum Schlüssel» in Bad Zurzach: Erst züngeln Flammen aus einem Fenster, später dringt dicker Rauch aus mehreren Fenstern.

Grossbrand in der Liegenschaft des Gasthauses «zum Schlüssel» in Bad Zurzach: Erst züngeln Flammen aus einem Fenster, später dringt dicker Rauch aus mehreren Fenstern.

Der Tag werde ihm immer in Erinnerung bleiben, sagt der Wirt vor Gericht. Er sei sich sicher, dass er die Zigarette richtig gelöscht habe. Eine Aussage, die weder bestätigt noch widerlegt werden kann.

Im Bericht der Brandermittler heisst es, dass es aufgrund des grossen Zerstörungsgrades unmöglich sei, eine eindeutige Brandursache festzulegen. Sowohl eine technische Ursache wie ein Drucker oder eine defekte Steckerleiste, als auch die fahrlässige Handlung des Wirts können den Brand ausgelöst haben. 

Anklage sei sehr einseitig

Die Staatsanwaltschaft erhob trotzdem Anklage gegen den Wirt. Die Forderungen sind klar: Er soll eine Busse von 1000 Franken bezahlen und eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 130 Franken erhalten.

Dazu kommen noch 280'000 Franken, die die Aargauische Gebäudeversicherung verlangt. Das soll einen Teil des entstandenen Sachschadens in Höhe von 777'000 Franken und dem Zeitwert von 560'000 Franken entsprechen.

Der Verteidiger des Angeklagten sieht die Anklageschrift als «sehr einseitig». Es seien keine entlastenden Sachverhalte geprüft worden, die möglichen technischen Ursachen habe man nicht näher untersucht. Ein sicherer Beweis für die Schuld seines Mandanten sei nicht gegeben.

Dazu verweist er auf eine deutsche Studie, die besagt, dass lediglich 17 Prozent der Brände auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sind, während Elektroanlagen und -geräte 32 Prozent ausmachen.

Aus dem Gasthaus sollen Wohnungen werden

Noch am selben Tag spricht Einzelrichter Cyrill Kramer das Urteil. Der Wirt ist nicht schuld an dem Brand des von ihm gepachteten Gasthofs «zum Schlüssel». Er wird freigesprochen. Die Forderung der Gebäudeversicherung verweist er auf den Zivilweg.

Gerichts- und Verteidigungskosten muss der Angeklagte nicht tragen, diese gehen zulasten der Staatskasse. Laut Kramer sei die Schuld nicht rechtsgenüglich nachgewiesen.

Wie es mit dem Gasthaus weitergeht, ist indes noch nicht klar. Die bisherigen Besitzer haben ihn verkauft. Die neue Eigentümerin plant, auch in den bisherigen Gasthaus-Räumen Wohnungen zu machen. Bis dahin hängt weiterhin der Menüplan vom Brandtag an der Tür. 

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