Es war ein denkwürdiger Abend an jenem 23. Mai dieses Jahres. Mit 77 Prozent sprach sich ein überwältigender Teil der Stimmberechtigten für den Fusionsvertrag «Rheintal+» aus. Die einzige Gemeinde, die sich aus dem Prozess verabschiedete, war Fisibach. Am 8. September entscheiden die neun verbliebenen Gemeinden an der Urne über einen definitiven Zusammenschluss, der auf 1. Januar 2021 in Kraft treten würde.

Doch nun bildet sich Widerstand: Erstmals tritt eine grössere Gruppe öffentlich in Erscheinung, die die Fusion in ihrer Gemeinde verhindern möchte, und – wenn es nach ihren Vorstellungen ginge – das ganze Projekt bachab schicken will. In der 230-Seelen-Gemeinde Mellikon haben sich 26 Personen (von 149 Stimmberechtigten) offiziell formiert und sprechen sich in einem breitgefassten Brief gegen einen Beitritt für die Zurzibieter Grossfusion aus. «Es sind noch mehr Leute dagegen», weiss Mitunterzeichnerin Denise Spuhler. «Diese möchten aber im Hintergrund bleiben.»

Keine Alternativen aufgezeigt

Das mehrseitige Argumentarium spart nicht mit Kritik und enthält brisante Forderungen: Die Gemeinden würden zur Fusion gedrängt, indem man bewusst Ängste schüre, heisst es darin. Die Gegner befürchten den Verlust der direkten lokalen Demokratie für die Gemeinden mit wenigen Stimmberechtigten bei einer Fusion zur Grossgemeinde Zurzach. Das sei von zentraler Bedeutung, heisst es im Papier. «Wir haben uns bewusst für das Wohnen in einer Kleingemeinde entschieden. Es besteht hier eine sehr hohe Zufriedenheit und Lebensqualität in den seit Jahrzehnten gewachsenen Strukturen», sagen die Fusionsgegner.

Die Interessen der kleinen Dorfgemeinschaften würden in dem Grossprojekt nicht adäquat berücksichtigt, lautet die Kritik an die Adresse der Befürworter. «Wir vermissen die alternativen Möglichkeiten, welche eine engere Zusammenarbeit ohne Fusion im Gebiet Rheintal+ aufzeigen», sagt Denise Spuhler. Alternativen wären zum Beispiel eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Gemeinden Fisibach, Siglistorf und/oder den Verwaltung-2000-Gemeinden (Anm. der. Red: Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rümikon und Mellikon). Auch eine Fusion dieser Kleingemeinden wäre aus Sicht der Gegner vor der Grossfusion zu prüfen. Zwischen Mellikon mit seinen etwas über 200 Einwohnern und der neuen Gemeinde Zurzach mit bis zu 8000 Einwohnern, gebe es etwas dazwischen. De facto sei es nicht mehr möglich, in so einem Gebilde mitzugestalten, befürchten die Gegner.

Die massive Ablehnung in Mellikon überrascht. An der Fusionsvertragsabstimmung sprachen sich nur 20 Personen gegen eine gemeinsame Zukunft aus, obschon der Gemeinderat im Vorfeld das Vertragswerk ebenfalls zur Ablehnung empfohlen hatte. «Wir haben die Situation vermutlich etwas unterschätzt», sagt Spuhler. Die Gegner seien als Ewiggestrige dargestellt worden. In der Folge habe man sich zusammengesetzt und eine Lagebeurteilung vorgenommen.

Weitere Aktionen geplant

Die Unterzeichner versuchen bis zur Abstimmung nun weitere Personen im Ort zu mobilisieren. Dabei wollen sie es nicht bewenden lassen: Man wolle Fusions-Skeptiker auch in anderen Gemeinden ermuntern, sich gegen die Gemeindeheirat zusammen zu tun, sagt Denise Spuhler. Als nächster Schritt seien Flugblattaktionen geplant. Ausserdem wollen die Initianten sich in offenen Gesprächen Gehör in der Bevölkerung verschaffen.