Jura Ost

Bringt das Atommüll-Tiefenlager womöglich Nutzungskonflikte?

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Das Ensi sagt, wie es der Nagra bei der Standortsuche auf die Finger schaut. Die begehrten Rohstoffe im Raum Jura Ost könnten zu Nutzungskonflikten führen, die es zu lösen gilt.

«Wir müssen alles machen, um die radioaktiven Abfälle möglichst lange von der Biosphäre fernzuhalten, obwohl wir nicht wissen, ob es in Tausenden von Jahren noch Menschen auf diesem Planeten geben wird», sagte Niklaus Schranz, Fachspezialist Projekte Tiefenlager beim Bundesamt für Energie (BFE), an der Informationsveranstaltung am Dienstagabend im Campus Brugg-Windisch.

Dass sowohl der hochaktive Abfall (HAA) wie der schwach- und mittelaktive Abfall (SMA) in der Schweiz unter der Erde entsorgt werden müssen, ist im Gesetz festgeschrieben. Die Suche nach einem oder zwei geeigneten Standorten dauert bereits Jahre. Für das entsprechende Auswahlverfahren ist das BFE verantwortlich. Momentan läuft die Etappe 2.

Zur Erinnerung: Anfang 2015 schlug die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) vor, nur noch die Standortgebiete Jura Ost (Bözberg) und Zürich Nordost in der Etappe 3 weiter zu untersuchen. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) hingegen kam bei der Überprüfung des Nagra-Vorschlags zum Schluss, dass auch das Standortgebiet Nördlich Lägern im Rennen bleiben soll. Zu diesem Resultat kam das Ensi bei der sicherheitstechnischen Überprüfung und nachdem es der Nagra 81 Fragen gestellt hatte, erklärte Ensi-Projektleiter Bastian Graupner.

«Das Thema Mineral- und Thermalwasser muss in der Etappe 3 vertieft untersucht werden», sagt Ann-Kathrin Leuz vom Ensi.

«Das Thema Mineral- und Thermalwasser muss in der Etappe 3 vertieft untersucht werden», sagt Ann-Kathrin Leuz vom Ensi.

Bohrung geht tiefer als Lager

«Für die Beurteilung der Tiefenlage und den Nachweis eindeutiger Nachteile aus bautechnischer Sicht sind die biomechanischen Grundlagen nicht belastbar. Die belastbaren Daten zeigen deutlich günstigere Eigenschaften als von der Nagra angenommen», so Graupner zum Grund, warum es bei Nördlich Lägern auch erdwissenschaftliche Untersuchungen braucht. Grundsätzlich plane die Nagra ein einschichtiges Tiefenlager im Wirtsgestein Opalinuston, lautete die Antwort auf die Frage eines der 70 Zuhörer. Bei den geplanten Sondierbohrungen werde rund 2 Kilometer tief gebohrt, die maximale Tiefe der Lagerebene werde hingegen bei zirka 900 Meter liegen.

Speziell auf mögliche Nutzungskonflikte – dazu gehören Interessenskonflikte oder die Gefahr des menschlichen Eindringens – im Gebiet Jura Ost ging Meinert Rahn vom Ensi ein. Wie begehrt Rohstoffe am Bözberg sind, zeigte das vor wenigen Jahren lancierte Steinbruchprojekt. Der Perimeter Jura Ost sei bewusst zwischen zwei Störungszonen angelegt worden, erklärte Rahn. Natürlich kämen auch hier – wie im ganzen Jura-Bogen – fossile Brennstoffe vor. Doch das geologische Tiefenlager beansprucht laut Ensi-Vertreter nicht viel Platz und eine Rohstoff-Förderung genau an dieser Stelle würde sich ökonomisch kaum lohnen.

«Nicht im Sinn der Bevölkerung»

Auch beim Thema Geothermie könnte es einen Nutzungskonflikt geben. Wie tief darf man bei einem Tiefenlager noch bohren? «Statt einer tiefen Bohrung für eine Erdwärmesonde könnte man zwei bis drei flachere Bohrungen machen. Das kostet zwar mehr, ist aber nicht unmöglich», so Rahn. Möchte man den Permokarbontrog im Gebiet Jura Ost vollständig untersuchen, wären 7-Kilometer-Bohrungen und viele Löcher nötig, was Jahre dauern würde. «Ich glaube nicht, dass das im Sinn der Bevölkerung wäre», sagte Rahn.

Das Grundwasser kann bei der Oberflächenanlage, der Zugangsrampe, einem Schacht oder im Lager ein Problem sein, wie Ann-Kathrin Leuz vom Ensi aufzeigte. Der Vorteil des Standorts Jura Ost sei, dass man mit einer Rampe nicht alle Grundwasserleitern durchqueren müsste. Beim Thema Mineral- und Thermalquelle sei der Sicherheitsabstand zu den Quellen entscheidend. Diese Frage wurde laut Leuz bisher zwar stufengerecht beantwortet. Vertieft untersucht müsse es aber in der Etappe 3 werden.

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