Rekingen

Bund duldet den Weiterbetrieb: Rheinkraftwerk darf bis 2023 Strom erzeugen

Das Kraftwerksgebäude liegt auf deutschem Boden (links).

Das Kraftwerksgebäude liegt auf deutschem Boden (links).

Nach 60 Jahren läuft im Oktober die Konzession des Rheinkraftwerks aus. Der Bund duldet nun den Weiterbetrieb für drei Jahre – noch aber verzögern Einsprachen das Verfahren für die neue Konzession.

Seit fast 80 Jahren erzeugt das Rheinkraftwerk zwischen dem Zurzibieter Dorf Rekingen und dem Küssaberger Ortsteil Reckingen auf deutscher Seite Strom. Diesen Oktober läuft die Konzession nach 60 Jahren aus. Ende 2018 reichte die Betreiberin, die Kraftwerk Reckingen AG (RKR), das Gesuch um eine Neukonzessionierung ein. Einsprachen verzögern das Verfahren jedoch. Nun hat das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) verfügt, dass das Kraftwerk weiterbetrieben werden darf, bis die neue Konzession in Kraft tritt, spätestens aber bis zum 10. Oktober 2023.

Die RKR ersuchte um eine sogenannte vorsorgliche Massnahme zur befristeten Duldung des Betriebs in seinem bisherigen Umfang ohne Konzession bis 2025. Die Kantone Aargau und Zürich sowie der Umweltverband WWF forderten eine Duldung von zwei Jahren. Die Verfügung des UVEK setzt die Frist nun bei drei Jahren fest, heisst es in einer Mitteilung.

Gemeinden verlangen Pflege des Rheinuferwegs

Gegen das Gesuch für die Erneuerung der Konzession sind 17 Einsprachen von Umweltverbänden und Gemeinden eingegangen. So fordern die Rheintal-Gemeinden Kaiserstuhl, Fisibach, Rümikon, Mellikon, Rekingen und Bad Zurzach von den Betreibern Umweltmassnahmen zugunsten der Bevölkerung. Dabei geht es um die Instandhaltung des Rheinuferwegs sowie die Nutzung der Rheinlandschaft für Erlebnis und Erholung. Die Betreibergesellschaft soll bei der Konzessionserneuerung verpflichtet werden, konkrete Leistungen zu erbringen, die diesen Zielsetzungen dienen. Der Gemeindeverband Zurzibiet Regio signalisierte vergangenen Sommer die Bereitschaft, die Anliegen der Gemeinden zu unterstützen.

Zusammen mit dem Weiterbetrieb des Kraftwerkes beantragt die Betreiberin, künftig eine Wassermenge von 600 Kubikmeter pro Sekunde nutzen zu können. Derzeit sind 580 Kubikmeter erlaubt. Zudem beantragt die RKR die Plangenehmigung für mehrere Umweltmassnahmen, wie den Neubau einer Fischaufstiegsanlage am deutschen Ufer oder die Anlage eines Nebenfliessgewässers mit vier Inseln.

Sprengung durch Wehrmacht konnte knapp verhindert werden

Das Kraftwerk Reckingen wurde zwischen 1938 und 1941 erbaut, obwohl die Konzessionen schon 1928 erteilt worden war. Seit der Inbetriebnahme 1941 nutzt das Kraftwerk das Gefälle des Rheins zur Stromerzeugung. Zuerst betrieb die Lonza das Werk. Eine Sprengung durch die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg konnte knapp verhindert werden.

Für den Weiterbetrieb des Grenzkraftwerkes am Hochrhein braucht es sowohl eine neue Schweizer Konzession als auch eine inhaltlich übereinstimmende deutsche wasserrechtliche Bewilligung. Dies ergibt sich aus staatsvertraglichen Regelungen aus den Jahren 1879 und 1929. Das Kraftwerk steht je zur Hälfte in schweizerischen und in deutschem Besitz. Auf Schweizer Seite sind die Axpo mit 20 und die AEW Energie AG des Kantons Aargau mit 30 Prozent beteiligt. Die erzeugte Energiemenge geht je zur Hälfte nach Deutschland und in die Schweiz.

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