Endingen

«Butcher's Brew»: Diese drei Männer brauen im Surbtal Bier

Pascal Bucher, Fabio Indri und Nicolai Werder (v.l.) schroten das Malz für die Bierproduktion.

Pascal Bucher, Fabio Indri und Nicolai Werder (v.l.) schroten das Malz für die Bierproduktion.

Drei Freunde produzieren in Endingen seit über zwei Jahren ihr eigenes Bier. Die Nachfrage ist hoch, die Herstellung läuft auf Hochtouren.

In der Küche der Zivilschutzanlage der Kreisschule Surbtal in Endingen herrscht am Samstagvormittag um 9 Uhr Hochbetrieb: Heute ist Brautag bei «Butcher’s Brew», was auf Deutsch etwa so viel wie «Metzger’s Bräu» heisst. Dies kommt daher, dass Pascal Bucher, Fabio Indri und Nicolai Werder ihr erstes Bier in der Metzgerei von Nicolai Werders Vater in Endingen gebraut haben.

Erfolgreich experimentiert: Das «Butcher’s Brew».

Erfolgreich experimentiert: Das «Butcher’s Brew».

Das war vor über zwei Jahren. Mittlerweile sind die Biere von «Butcher’s Brew» so gefragt, dass die Produzenten ihre Brautätigkeit im letzten Frühling in die grössere Zivilschutzküche verlagert haben. «Dabei machen wir gar keine Werbung», sagt Pascal Bucher, «dennoch erhalten wir sehr viele Anfragen».

An der Expo Surbtal von Mitte Oktober haben sie knapp 300 Flaschen verkauft. Diesen Samstag werden die Besucher des Turnerabends in Endingen ebenfalls in den Genuss von «Butcher’s Brew» kommen. Und im nächsten März werden ihre Biere im Theater Klingnau an elf Aufführungsabenden über den Tresen gereicht. Fix im Sortiment ist das Endinger Bier im «Bistro 06» in Tegerfelden.

Erstes Bier war ungeniessbar

Aber wie kommen ein Sozialpädagoge, ein Lehrer und ein Hochbauzeichner dazu, sich in ihrer Freizeit der Bierherstellung zu widmen? «Uns ist das industriell hergestellte Bier immer mehr verleidet», erklärt Pascal Bucher, der als Schulsozialarbeiter tätig ist. Schlüsselmoment war ein abendlicher Umtrunk auf dem Balkon. «Was trinken wir hier eigentlich für eine Plörre», hätten sie sich gefragt.

Da kam Nicolai Werder (23), der als Primarlehrer eine dritte Klasse unterrichtet, sein verstaubtes Brauset in den Sinn, welches kurz vor dem Ablaufdatum stand. Spontan entschieden sie sich, dieses auszuprobieren.

Was abends um 20 Uhr als Bieridee begann, endete morgens um 4 Uhr in der Wohnung von Pascal Bucher in einem Fiasko: «Das Bier war schlicht ungeniessbar», erinnert sich der 25-Jährige.

Aber die drei Freunde hatten Feuer gefangen: Sie wollten sich professioneller ans Brauen heranwagen. Sie schafften Behälter und Messinstrumente an, experimentierten mit Hopfen, Malz und Hefe, testeten verschiedene Zubereitungs- und Gärmethoden aus, sodass schliesslich die drei Biersorten entstanden sind, die sie heute verkaufen: das naturtrübe «Pale Ale», das aromatische Bier «Slagerji», gebraut nach belgischem Vorbild, sowie das «Klosterbier».

Weiter im Angebot haben sie den Apfelwein «Ciderfiin. «Wir haben uns die ganze Technik selber beigebracht», erklärt Fabio Indri. Die Herausforderung sei, dass die Getränke am Ende immer gleich schmecken, so der 23-jährige Hochbauzeichner.

Kollektives  Brauerlebnis

Gebraut wird einmal monatlich an einem Samstag. Die Daten publizieren sie jeweils in den sozialen Medien. Mit dem Resultat, dass jeweils zahlreiche Kollegen vorbeischauen und mithelfen. Bis abends um 17 Uhr sind rund 300 Flaschen Bier abgefüllt, was ungefähr 140 Litern entspricht. Dass ihr Bier derart gut ankommt, hat die drei Hobby-Braumeister überrascht.

Denn im Aargau gibt es über 70 Mikrobrauereien, welche bei der Eidgenössischen Zollverwaltung registriert sind, und ebenfalls regionale Biere herstellen. Um der Nachfrage gerecht zu werden, läuft die Produktion bei «Butcher’s Brew» jedenfalls auf Hochtouren. Doch für die drei Freunde ist klar: Nach dem Umzug in die Zivilschutzküche kommt eine weitere Vergrösserung vorläufig nicht in Frage.

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