Rekingen

Das letzte Restaurant schliesst die Tore – Wirt «Memo» und Gäste bedauern das

Das Restaurant Krone: Muss der Wirt und Pächter Memo wirklich gehen?

Das Restaurant Krone: Muss der Wirt und Pächter Memo wirklich gehen?

Rekingen hat knapp 1000 Einwohner und ein Restaurant, die Krone. Wirt Yilmaz Alkan tischt den Gästen Schweizer und türkische Spezialitäten auf. Doch nun soll damit Schluss sein, weil Alkan der Fähigkeitsausweis fehlt. Das Bedauern darüber ist gross.

Die Krone in Rekingen hat eine bewegte Geschichte. 2010 gelangte das Restaurant und der damalige Wirt in die Schlagzeilen: 3+-Restauranttester Daniel Bumann besuchte das Lokal und liess kein gutes Haar am kulinarischen Angebot. 2011 übernahmen dann drei junge Köche den Betrieb. Lange ging auch das nicht gut: Nach nur drei Jahren kam das Aus.

Nun folgt die nächste Hiobsbotschaft. Der aktuelle Wirt und Pächter Yilmaz Alkan, besser bekannt als «Memo», musste sein Restaurant «Memo's» schliessen. Grund dafür ist, dass er keinen Fähigkeitsausweis besitzt, wie der Gemeinderat Rekingen mitteilt. Der Rat habe dem Wirt eine letzte Frist gesetzt, um einen solchen zu erreichen. Dieser habe sich aber für die Schliessung entschieden. 

Auf Anfrage der «Aargauer Zeitung» erklärt der Wirt, dass er sich dreimal an der Wirte-Patentprüfung versucht habe, aber jedesmal gescheitert sei. Er sei quasi in der Küche gross geworden und verstehe seinen Job, sein Deutsch sei aber zu schlecht, analysiert er seine Misserfolge. Geboren und aufgewachsen ist er in der Türkei. Er sei leider kein guter Schüler gewesen und habe immer gearbeitet. Das könne er gut. Er würde das Restaurant sehr gerne weiter betreiben, aber es sei ihm vom Gesetz her nicht möglich.

Bisheriges Arrangement auf Dauer nicht möglich

Dass er das Restaurant bis anhin führen konnte, verdankte er einer Nachbarin, welche ein Patent hat und mit ihrer Anwesenheit den Betrieb ermöglichte. «Sie war nicht die ganze Zeit da, aber sie wohnt 200 Meter vom Restaurant entfernt und war immer voll im Bild über alles, was im Restaurant geschah», sagt der Wirt. Nun forderte die Gemeinde in einem Brief, dass sie von nun an die ganze Zeit anwesend sein müsse. Das sei aber nicht möglich, da sie 72-jährig sei und auch noch andere Pflichten zu erfüllen hätte.

«Ich will keine Schwierigkeiten mit der Gemeinde, ich habe auch meine Miete immer pünktlich bezahlt», meint Memo weiter. Deswegen habe er sich entschlossen, das Restaurant zu schliessen. Das wird nicht nur von ihm bedauert. Der Autor eines Leserbriefs, erschienen in der Lokalzeitung "Die Botschaft", beschreibt das diesjährige Adventsessen in der «Krone» folgendermassen: «Wir kamen ins Staunen ob der reichhaltigen Menü-Karte, welche der uns vertraute und unermüdliche Koch und Pächter des Restaurants präsentierte. Der Apéro erfüllte alle Wünsche. Alles wurde mit viel Liebe hergerichtet und schmeckte köstlich.»

Der Leser drückt sein Unverständnis und Bedauern über die «polizeilich angeordnete Schliessung» des Lokals aus: «Soll es definitiv sein, dass es das letzte Gasthaus im Dorf nun auch nicht mehr geben wird? Ist es nicht möglich, dass der ausgezeichnete Koch Memo eine Chance bekommt, weiterhin in der «Krone» kochen zu können?»

Es folgt der Aufruf an die Gemeindebehörden: «Wehrt euch für dieses Stück Kultur und Heimat!» Nach so viel inbrünstigem Zuspruch bleibt abzuwarten, ob das letzte Kapitel von «Memo's Krone» bereits geschrieben ist. 

Meistgesehen

Artboard 1