Der Postenlauf beginnt bei der Synagoge in Endingen, führt am ältesten jüdischen Friedhof der Schweiz zwischen den beiden Gemeinden sowie an diversen Bauten der jüdischen Kultur vorbei und endet ein Dorf weiter bei der Synagoge in Lengnau. Nun feiern die Organisatoren das zehnjährige Bestehen des jüdischen Kulturwegs.

Überwältigend, findet Susanne Holthuizen, Präsidentin des Projektes: «Wir rechneten nicht damit, dass der Kulturweg solch ein Erfolg wird. Bis jetzt schritten über 30 000 Menschen auf den Spuren der Juden zwischen Endingen und Lengnau.» Die bisherigen Besucherzahlen seien ein Beleg für das weitreichende Interesse: «Die Besucher pilgern nicht nur aus der Schweiz hierher, sondern auch aus dem Ausland.» Der jüdische Kulturweg wurde 2009 ins Leben gerufen, um das kulturelle Erbe für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. Rund anderthalb Stunden dauert der Postenlauf, der über die Website des jüdischen Kulturwegs gebucht werden kann.

Das Judentum erleben

Neben dem jüdischen Kulturweg, den man auf eigene Faust erkunden kann, bieten sich Interessierten weitere Formate, um sich auf die Spuren der Juden im Surbtal zu begeben, so Holthuizen: «Wir vermitteln auch Hintergründe zum Judentum an Oberstufenschüler ab 13 Jahren in Form eines Schulmoduls.»

Doppeltür als Symbol für Koexistenz: Die früheren Häuser in Lengnau und Endingen hatten zwei Türen – eine für Christen, eine für Juden.

Doppeltür als Symbol für Koexistenz: Die früheren Häuser in Lengnau und Endingen hatten zwei Türen – eine für Christen, eine für Juden.

Zudem könne man im Format «Zusammenleben» erfahren, wie Juden und Christen nebeneinander durch den Alltag schritten. Weiter werden auch Kochkurse angeboten, in denen Teilnehmer koscher kochen lernen, das nennt sich «Rituale». Geplant sei, den jüdischen Kulturweg einst mit dem Projekt «Doppeltür» zusammenzuführen, so Holthuizen. «Ein erster Schritt dazu war der Kauf des dreistöckigen Gebäudes am Dorfplatz in Lengnau durch den Verein ‹Doppeltür›.»

Bis vor rund zwei Jahren befand sich im Haus, das gleich neben der Synagoge am Dorfplatz in Lengnau liegt, eine Spar-Filiale. Seit Oktober des letzten Jahres ist die Liegenschaft nun in den Händen des Vereins «Doppeltür».

Im Haus soll ein Besucherzentrum entstehen, welches das christlich-jüdische Zusammenleben aus früheren Zeiten erlebbar mache, so Lukas Keller, Präsident des Vereins «Doppeltür». Das Haus ist wie andere Liegenschaften des Vereins ein historisches Doppeltürhaus.

Es befand sich bis 1895 in jüdischem Besitz. Mit zwei Hauseingängen wurde früher eine Bestimmung umgangen, wonach Juden und Christen nicht beieinander wohnen sollten. Zwei Haustüren ermöglichten ein friedliches Nebeneinander.

Lengnau und Endingen waren Ende des 18. Jahrhunderts die einzigen Ortschaften in der Schweiz, in denen sich Juden dauerhaft niederlassen und eigene Gemeinden gründen durften. Erst 1866 erhielten sie vom Bund die Freiheit, sich in der ganzen Schweiz niederzulassen. In den Jahrzehnten danach zogen die meisten weg, etwa nach Baden, Zürich oder ins Ausland.

Seit 400 Jahren leben in beiden Dörfern Juden, die hohe Dichte an jüdischer Baukultur ist schweizweit unvergleichbar. So befindet sich in Lengnau mit dem «Margoa» zudem ein jüdisches Alters- und Pflegezentrum.