Ganz am Schluss der Gmeind zauberte Gemeindeammann Peter Hirt das "brisante Thema des Abends" aus dem Hut. Der Gemeinderat habe vor drei Wochen von den SBB erfahren, dass diese ihr Areal beim Bahnhof Döttingen verkaufen wollen. Konkret handelt es sich dabei um drei verschiedene Grundstücke: der alte Güterschuppen samt Umschwung, das Areal hinter dem "Monti" (im Baurecht der Migros) und ein Baufeld südlich des Güterschuppens mit den Park&Ride-Plätzen. "Für die gesamten 5800 Quadratmeter wollen die SBB 3,3 Millionen Franken", sagte Hirt, "und sie wollen bis Ende Juni wissen, ob die Gemeinde interessiert ist." 

Güterschuppen Bahnhof Döttingen

Hirt zeigte verschiedene Szenarien auf. Die Gemeinde könnte auf den Kauf verzichten und würde Geld sparen, damit aber auch fast alle Mitwirkungs- und Nutzungsmöglichkeiten des Areals verlieren, wenn dieses an Private ginge. Der Gemeinderat könnte mit den SBB dahingehend verhandeln, dass die Gemeinde nur einen Teil der Parzellen kaufen würde. Oder aber man kauft alles und hat danach vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Die Rede war auch von einem möglichen regionalen Jugendtreff im Güterschuppen - der ist allerdings beim Kanton als "besonders schützenswertes Objekt" eingetragen, was bauliche Veränderungen erschwert. 

Das Plenum zeigte sich im Grundsatz einem Kauf nicht abgeneigt - "Muesch chaufe wenns feil isch, nöd wennd s Gäld hesch", sagte ein Gemeindeversammlungsteilnehmer. Der Preis erschien jedoch allen Votanten als deutlich zu hoch. Der Gemeinderat solle zumindest am Baufeld südlich des Güterschuppens Interesse signalisieren, so die Döttinger - nicht zuletzt, um die Parkplätze zu erhalten. Den Güterschuppen, das wurde klar, wollen die Döttinger nicht. Und ob die Firma Birchmeier, die das "Monti" gekauft habe, nicht auch gleich das Areal dahinter von den SBB kaufen würde? "Wir sind interessiert, aber nicht um jeden Preis", hielt Markus Birchmeier fest. Das Land habe sicher nicht den von den SBB veranschlagten Wert. Man habe jedoch Interesse daran, gemeinsam mit der Gemeinde eine gute Lösung zu finden. 

Tiefere Axpo-Aktiensteuer-Einnahmen

Diskussisonslos hatten die Stimmbürger Einbürgerungen, Rechenschaftsbericht und Rechnung 2014 durchgewunken – das happige Minus von 1,4 Mio. Franken, hauptsächlich durch Mindereinnahmen bei den Axpo-Aktiensteuergeldern von rund 1,8 Mio. Franken verursacht, hatte sich angekündigt und war an einer vorgängigen Infoveranstaltung bereits diskutiert worden. Ammann Peter Hirt bekräftigte erneut, man habe bereits Sparmassnahmen in allen Abteilungen eingeleitet. Die flüssigen Mittel seien aber deutlich geschrumpft, "und es zeichnet sich ab, dass es mit den flüssigen Mitteln auch in nächster Zeit bergab geht", sagte er. 

Eine kleine Diskussion gab es beim neuen Personalreglement. Fünf Wochen Ferien, Treueprämien ab dem zehnten Dienstjahr und eine Anpassung der Besoldungsskala waren unumstritten - ein Stimmbürger stellte jedoch den Antrag, den Passus zur Einführung der Möglichkeit zur frühzeitigen Pensionierung ersatzlos zu streichen. Die Gemeinde könne sich das nicht leisten, argumentierte er. Zudem kämen Firmen heute mehr und mehr wieder von der frühzeitigen Pensionierung weg. Für die Abstimmung mussten sämtliche Döttinger, die auf der Lohnliste der Gemeinde stehen - vom Verwaltungspersonal über die Lehrer bis hin zu Bauamtsmitarbeitern und Putzpersonal - den Saal verlassen. Der Änderungsantrag wurde mit 35 Ja zu 22 Nein angenommen, das neue Personalreglement ohne Frühpensionierungs-Passus dann grossmehrheitlich angenommen. 

Diskussionslos kam das Traktandum zum Baurechtsvertrag der Gemeinde Döttingen mit dem Verband Regionales Altersheim Unteres Aaretal durch. Dem Verband wird nur das effektiv für das neue Altersheim benötigte Land im Baurecht zur Verfügung gestellt, zu einem Landpreis von 340 Franken pro Quadratmeter. Der jährlich anzupassende Referenzzinssatz liegt aktuell bei 2% und wird um 0,5% reduziert, um Döttingens Standortvorteil auszugleichen. Gemeinderätin Lilli Knecht zeigte sich erleichtert: Ohne das Ja der Döttinger wäre der Altersheim-Neubau wieder auf längere Zeit blockiert gewesen. Nun könne man umgehend mit der Planung fortfahren, so Knecht. 

Unter "Verschiedenes" informierte erst Gemeinderat Peter Schödler zur Schule. Die Verbandgemeinden der Oberstufe Unteres Aaretal (OSUA) hätten mittlerweile beschlossen, die gesamte OSUA in Klingnau zu führen. Heute wird ein Teil der Abteilungen noch in Döttingen unterrichtet. Punkto Schulgeld würde sich für Döttingen nicht viel ändern, so Schödler. Aber weil Döttingen dann keine Oberstufe mehr führt und dafür folglich vom Verband keine Entschädigung mehr erhält, fielen rund 255'000 Franken weg. Ziel sei es, den Wintergemeindeversammlungen von Koblenz, Klingnau und Döttingen die geänderten OSUA-Satzungen vorzulegen. Sagen alle Gemeinen Ja, würde Klingnau "sehr, sehr zügig" neuen Schulraum schaffen, damit der Umzug per Schuljahr 2016/2017 vollzogen werden könnte, so Schödler. Am 22. Oktober führen die drei OSUA-Gemeinden eine gemeinsame Infoveranstaltung in der Aula der Bez Klingnau durch. 

Ein Döttinger wollte wissen, wie sich das OSUA-Vorhaben auf den Bezirksschulstandort auswirke. Man sei in einer Arbeitsgruppe des Regionalplanungsverbandes, wo man sich um eine Lösung für die Region Unteres Aaretal-Surbtal bemühe, sagte Schödler.

Er infomierte weiter, dass der Gemeinderat vermutlich an der kommenden Wintergmeind einen Projektierungskredit und im Sommer 2016 einen Baukredit für die Sanierung der Döttinger Schulanlagen stellen werde.