Baldingen

Die ersten Zurzibieter Zander sind reif für die Pfanne

Ein ausgewachsener Zaner aus der Zucht der Familie Binder.

Ein ausgewachsener Zaner aus der Zucht der Familie Binder.

Vor einem halben Jahr wurde die Fischzuchtanlage auf dem Hof von Bauer Roland Binder eingeweiht. Am Sonntag erfolgt der Startschuss für die Vermarktung

Aus grossen Obstanlagen leuchten gluschtig Gala, Fiesta, Rubinette und weitere Apfelsorten. Auf einer Wiese grunzen rosa Schweine, auf einer Weide muhen Mutterkühe. Beim Bauernhaus bellt die Australian-Shepherd-Hündin Abby. Doch mehrere tausend Tiere auf dem Hof der Familie von Roland Binder in Baldingen geben keinen Ton von sich: Fische sind nun mal stumm.

Im Mai war für Bauer Roland Binder (56) ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: In einem grossen Raum hinter Stall und Remise hatten zunächst 200 knapp 500 Gramm schwere Zander-«Setzlinge» in einem von zwölf Becken mit insgesamt 55 Kubikmeter Wasser Einzug gehalten (wir haben darüber berichtet). In der Hightech-Zuchtanlage sind die Süsswasser-Raubfische aus der Familie der Barsche inzwischen bestens gediehen und bringen jetzt je zwischen 1000 und 1200 Gramm auf die Waage. Damit haben sie das ideale Gewicht, um in der Pfanne zu landen. Zwar nicht für die Fische, wohl aber für die Familie Binder ein guter Grund zum Feiern. Gross und Klein sind am kommenden Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr auf den Hof im Dorf zum Ponyreiten, Basteln für Kinder, Essen und Trinken in der kleinen Festwirtschaft geladen sowie zu Spaziergängen in die Umgebung – zu den grunzenden Säuli und den muhenden Rindern.

Einer der Zander, bevor er in der Pfanne landet.

Einer der Zander, bevor er in der Pfanne landet.

Die Fischzucht ist aus tierschützerischen und hygienischen Gründen der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Wohl aber können ganze Zander oder deren Filets gekauft werden. «Wer sicher gehen will, bestellt seinen Fisch unter www.zimberi.ch vor. S’hätt, solang s’hätt», ergänzt Dominik Binder (27). Der älteste Sohn der Familie steht als frischgebackener Bachelor in Agronomie dem Vater bei der Zucht und Vermarktung der Weideschweine, Angus-Rinder und Zander tatkräftig zur Seite. In einem sechstägigen Spezialkurs in Wädenswil hat Dominik sich alle erforderlichen Kenntnisse für die Fischzucht angeeignet – vor allem auch was die Aspekte des Tierschutzes betrifft. «Wenn die Zander schlachtreif sind, werden sie mehrere Tage ohne Futter in einem Spezialbecken mit kühlerem Wasser gehalten und so innerlich gereinigt. Noch im Wasser werden sie dann durch einen Stromschlag betäubt und anschliessend mit einem Kiemenschnitt getötet.»

Gegenwärtig tummeln sich insgesamt 3500 Zander zwischen 20 Gramm und einem Kilo in den verschiedenen Baldinger Becken. Getötet und für den Verzehr präpariert werden sie vorläufig in einem auswärtigen Fachbetrieb. «Eine Charge konnten wir nach Hottwil ins Restaurant ‹Bären› zu dessen Fischtagen liefern und hatten ein sehr gutes Echo», strahlt Vater Roland Binder. Gegenwärtig wird der Modus der optimalen Vermarktung evaluiert. «Unser oberstes Ziel ist es, die Fische möglichst regional und direkt an private Kunden oder Restaurants zu liefern», ergänzt Sohn Dominik.

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