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Die Grünliberalen wollen mehr: «Im Zurzibiet herrscht Stillstand»

Von zentraler Bedeutung: Laut der GLP kommt der grenzüberschreitende Verkehr im OASE-Projekt und zu kurz.

Von zentraler Bedeutung: Laut der GLP kommt der grenzüberschreitende Verkehr im OASE-Projekt und zu kurz.

Nach dem Wahlerfolg nehmen die Grünliberalen ihr nächstes Ziel – und die politischen Gegner ins Visier. Die Zurzibieter GLP ist die sechststärkste Kraft im Bezirk. Das soll sich ändern.

Der Höhenflug der Grünliberalen geht unvermindert weiter. Bei den Parlamentswahlen in Basel-Stadt verdoppelten sie am Sonntag ihre Sitze auf acht. Die Aargauer GLP hatte ihren Jubeltag eine Woche zuvor. Die Partei sprach nach Bekanntwerden des Resultats auf Twitter von einem «Erdrutsch». Sechs Sitze hatte sie bei den Grossratswahlen hinzugewonnen. Sie legte um 4 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent zu und kommt im Kantonsparlament neu auf 13 Mandate.

Darin nicht vertreten sind die Zurzibieter Grünliberalen. «Noch nicht», sagt Thomas Koch. Wenn es nach dem Co-Bezirkspräsidenten geht, soll die GLP Bezirk Zurzach das in vier Jahren nachholen. Satte drei Prozent legten sie zu und gehörten damit neben der CVP und den Grünen zu den Wahlgewinnern im Bezirk. Der unerwartete Sitzgewinn der Grünen und die Stärkung der Mitte habe gezeigt, dass im Zurzibiet ebenfalls ein Umdenken stattfindet, so Koch.

Sein Befund: Die letzten Jahre seien im Zurzibiet stark von Stillstand geprägt gewesen. Als Präsident des Bezirksschulrates hat Koch das jahrelange Hin und Her um die Standortfrage der Bezirksschulen hautnah miterlebt. «Von aussen wurde man nicht schlau, ob der Bezirk als Einheit auftritt oder jede der drei Talschaften seine eigenen Interessen verfolgt», sagt Koch. Dass am Ende der Regierungsrat den Entscheid betreffend der Bez-Standorte fällen musste, zeuge nicht von innerer Stärke.

Selbstbewusstere Haltung nötig

Aus Sicht von Koch bietet sich durch die Verschiebungen im Grossen Rat künftig eine grosse Chance auch für den Ostaargau und das Verkehrsprojekt OASE. Vielleicht gelinge es nun in den drei Bezirken Baden, Brugg, Zurzach, sich auf ein zukunftsfähiges Gesamtverkehrskonzept zu einigen und dies in Aarau auch entsprechend zu vertreten, hofft der in Endingen wohnhafte Projektleiter eines Fintech-Unternehmens. «Dazu gehören alle Verkehrsträger, die Bedürfnisse aller drei Bezirke inklusive dem grenzüberschreitenden Verkehr», betont Koch.

In diesem Punkt vermisste er bisher eine selbstbewusstere und dezidiertere Haltung aus dem Zurzibiet. «Es fehlt an Dynamik.» Die ersten Stellungnahmen der Exponenten waren enttäuschend. «Wir reden über zwei Tunnel in Baden und Brugg. Der grenzüberschreitende Verkehr in Koblenz ist aber nicht Teil des Konzepts und der Diskussionen. Für das Zurzibiet ist dieses Thema aber von zentraler Bedeutung», sagt Koch.

Konkrete Forderung an die CVP

Eine wichtige Rolle mit den neuen Kräfteverhältnissen nimmt nach Meinung von Thomas Koch die CVP ein, die sich jetzt beweisen müsse. «Sie besetzt im Zurzibiet viele Funktionen, sei es auf Gemeindeebene, im Grossen Rat, aber insbesondere auch in Organisationen wie den Thermalquellen Bad Zurzach, dem Wirtschaftsforum Zurzibiet und vor allem dem Gemeindeplanungsverband Zurzibiet Regio.» Neben dem Präsidenten von Regio Zurzibiet, Felix Binder, ist ab dem kommenden Jahr auch der Geschäftsführer Martin Hitz ein Vertreter der CVP.

Trotz den Zugewinnen bleibt die Zurzibieter GLP vorerst nur die sechststärkste Kraft im Bezirk. Das soll sich mittelfristig ändern: Nachholbedarf ortet Thomas Koch in der Besetzung von Exekutivämtern. «Wir wollen künftig vermehrt bei Gemeindewahlen antreten, um mehr Verantwortung zu übernehmen.» Die Vorzeichen stünden gut. «Wir haben mehrere politische Talente in unseren Reihen, mit denen wir eine junge und offene Bevölkerungsschicht ansprechen wollen.»

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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