Forstwirtschaft

Dürresommer, Eschenpilz und «Sabine»: Das beschäftigt Zurzibieter Förster

Momentan während der Holzernte, fällt viel Schadholz in den Wäldern des Zurzibiets an.

Momentan während der Holzernte, fällt viel Schadholz in den Wäldern des Zurzibiets an.

Zwei Förster aus dem Zurzibiet erklären, welche Arbeiten momentan in den Wäldern anfallen und was sie besonders beschäftigt.

Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern fegte Sturm «Sabine» durchs Land – und blies dabei so manchen Baum um. Der «Südkurier» berichtete, dass bereits vergangene Woche grossflächig Fällarbeiten in Waldshut-Tiengen anberaumt wurden, um vor dem drohenden Sturm die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Schliesslich seien die Bäume durch die Dürre der vergangenen Jahre geschwächt und drohten, bei einem Sturm zu entwurzeln oder trockene Äste abzuwerfen – was für Autogänger wie Spaziergänger gefährlich werden könne.

Auch die Forstbezirke im Zurzibiet sind derzeit damit beschäftigt, «Sabine» hinterherzuräumen. Vereinzelte Entwurzelungen seien angefallen, wie bei jedem Sturm. Aber keine Flächenschäden wie vor 20 Jahren beim Orkan Lothar. «Bei einem Sturm mit der Stärke von ‹Sabine› ist es egal, wie geschwächt die Bäume durch die Trockenheit sind – da kippen auch gesunde Bäume um. Bäume, deren Wurzeln aber durch Pilze bereits angegriffen sind, sind sicher stark gefährdet», sagt Gerhard Wenzinger.

Er ist als Förster zuständig für die Wälder in Fisibach, Kaiserstuhl und Rümikon. «Ein dürrer Baum bietet nicht mehr Angriffsfläche für Wind als ein gesunder Baum. Das Problem ist, dass wir im Sommer viel Schadholz entfernen mussten und dadurch Bäume auf einmal im Wind stehen, die vorher durch andere Bäume geschützt waren», erklärt er.

Das Schadholz wird wie auch die Erträge aus der Holzernte, die in den Wintermonaten stattfindet, zur Versorgung der Wärmeverbände verwendet. Mit der Holzernte halte man sich in diesem Winter wegen des vielen Schadholzes aber zurück. «Das Kreisforstamt legt fest, wie viel Holz wir in einer Saison fällen dürfen. Schadholz ist nicht das Holz, das wir ursprünglich eingeplant haben und verkaufen wollten. Ausserdem haben wir dadurch weniger Kontrolle über den zukünftigen Waldaufbau», erklärt Wenzinger.

Klimawandel bringt mehr Eichen in die Wälder

Im Forstbetrieb Studenland ist Förster Felix Stauber ebenfalls besorgt, dass immer mehr Schadholz anfällt. Sein Forstbetrieb umfasst die Wälder in Bad Zurzach, Ehrendingen, Mellikon, Schneisingen und Siglistorf. «Seit zwei Jahren macht bei uns Schadholz ein Drittel der Erträge aus. Die Buchen kämpfen mit den trockenen Sommern, die Fichten mit den Borkenkäfern und die Eschen mit Pilzbefall», sagt er. Wenn dann noch schwerere Stürme hinzukämen, fiele noch mehr Schadholz an.

Auch wenn ihn die zwei aufeinanderfolgenden Dürresommer sorgenvoll stimmen, zeigt sich Felix Stauber auch optimistisch: «Mit den Stürmen und dem vielen Schadholz nimmt uns die Natur zum Teil den Waldbau ab – und treibt zum Beispiel die Verjüngung voran.» Denn durch weniger dichte Waldbestände fällt mehr Licht in die Wälder. Das kommt Baumarten, die viel Licht brauchen, zugute.

Vorherrschende Schattenbaumarten wie Fichten und Buchen werden dadurch nicht verdrängt. «Aber Eichen zum Beispiel haben dadurch bessere Chancen und das bringt eine grössere Artenvielfalt und neue Lebensräume in den Wald», erklärt der Förster.

Aktuell ist ausserdem Vollmast. Das heisst, dass Eichen und Buchen das Maximum an Samen tragen. Das Wort hängt mit der Schweinemast zusammen – schon die Römer trieben ihr Vieh in den Wald, wenn es am meisten Samen hatte. Nur wenn dann die Lichtverhältnisse stimmen, können sich Eichen ausbreiten. Seit einigen Jahren schon haben die Förster den Auftrag, Lichtbaumarten stärker zu fördern und auch Besitzer kleinerer Waldflächen entsprechend zu beraten. Stauber: «Wir müssen die Wälder fit machen für den Klimawandel.»

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