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Fall in der Reha Clinic zeigt: Beim Kaffeepreis gibt es in den Kliniken grosse Unterschiede

Das «Badener Tagblatt» hat bei anderen Kliniken und in den Spitälern der Region nach deren Praxis und Preisen nachgefragt.

Das «Badener Tagblatt» hat bei anderen Kliniken und in den Spitälern der Region nach deren Praxis und Preisen nachgefragt.

Der Fall in der Reha Clinic in Bad Zurzach löst eine Kontroverse aus. Dürfen Patienten wegen angeblich zu hoher Kaffeepreise ihr eigenes Gerät mitbringen? So handhaben es andere Spitäler

Ein Beitrag auf dem Regionalsender Tele M1 sorgte diese Woche für viele Reaktionen: Den Stein ins Rollen brachte Ramasan Duman. Er trinkt täglich rund fünf Tassen Kaffee, auch während seines einmonatigen Aufenthalts als Patient in der Reha Clinic Bad Zurzach.

In der Cafeteria kostet ein Kaffee vier Franken, was Duman laut eigenen Aussagen bis zum Ende der Reha über 500 Franken kosten würde. «Das kann nicht sein und ist eine absolute Frechheit», sagt der Bauarbeiter, der seit einer Rückenoperation nicht mehr arbeiten kann.

Duman hat sich für einen kostengünstigeren Weg entschieden: Er brachte seine eigene Kaffeemaschine mit. Der Patient machte die Rechnung allerdings ohne die Reha Clinic. Diese berief sich auf die Sicherheit und verbot ihm den Gebrauch. «Wie wollen Sie entscheiden, welcher Patient die Maschine so benutzen kann, dass keine Gefahr entsteht?»

Bad Zurzach: Patient nimmt eigene Maschine zur Reha mit – was ihm verboten wird

Bad Zurzach: Patient nimmt eigene Maschine zur Reha mit – was ihm verboten wird

28. Januar: Weil sich der Patient Ramasan Duman über den zu teuren Kaffee in der Reha-Klinik Bad Zurzach ärgerte, nahm er seine eigene Maschine mit auf das Zimmer. Die Klinik verbat sie ihm – bot ihm später aber einen Kompromiss an.

Das sei praktisch unmöglich, sagt Georges Ackermann, Leiter Gästemanagement der Reha Clinic. Selbst wenn die Benutzung gefahrlos möglich wäre, sei es den Patienten aus feuerpolizeilichen Gründen verboten, eigene Geräte mitzubringen.

Verhältnismässigkeit kommt zum Zug

Das «Badener Tagblatt» hat bei anderen Kliniken und in den Spitälern der Region nach deren Praxis und Preisen nachgefragt. Fazit: Es gibt grosse Unterschiede. Die Rehaklinik Bellikon hat die Philosophie, den Patienten generell ein attraktives Dienstleistungsangebot zu unterbreiten und möglichst individuelle Wünsche zu erfüllen – sodass es erst gar nicht notwendig sei, eine eigene Kaffeemaschine von zu Hause mitzubringen, sagt Mediensprecherin Burga Martinelli.

Bei sämtlichen Mahlzeiten sei Kaffee kostenlos inbegriffen. Auch könnten Patienten zu den Mahlzeiten zusätzlichen Kaffee bestellen. Was elektronische Geräte von Patienten betrifft, beispielsweise Kaffeemaschinen, wäge man nach der Verhältnismässigkeit ab. Dabei habe der Sicherheitsaspekt oberste Priorität. Der Preis in der öffentlichen Cafeteria «Vista Coffee & Lounge» für einen Café Crème beläuft sich auf Fr. 3.50, in der Freizeitzone «Down Town» kostet er 2 Franken (Selbstbedienung).

Im Kantonsspital Baden stellt sich die Frage nach dem Sicherheitsaspekt und einer eigenen Kaffeemaschine kaum: Die stationäre Verweildauer beträgt im KSB durchschnittlich rund 5,87 Tage (2017). Auf Sonderwünsche gehe man aber gerne ein und würden mit dem Fachpersonal besprochen, sagt Sprecher Omar Gisler. «Ob sich diese umsetzen lassen, wird jeweils individuell geprüft. Massgebend sind unter anderem technische, hygienische und organisatorische Aspekte», so Gisler.

Im KSB ist die Konsumation für Privat- und Halbprivat-Versicherte ganztags kostenlos. Allgemein versicherte Patienten erhalten zum Frühstück Kaffee. Danach koste eine Tasse Fr. 3.60, sagt Gisler. «Der Preis auf der Station ist identisch mit jenem in unserer öffentlichen Cafeteria.»

Spital Leuggern: Kein Kompromiss

Eine strikte Linie verfolgt das Asana Spital in Leuggern. «Eigene Geräte sind untersagt», sagt die stellvertretende Direktorin Yvonne Neff. Sämtliche Geräte unterliegen den feuerpolizeilichen Bestimmungen. Der eigene Sicherheitsdienst nimmt deswegen regelmässig Kontrollen vor. Eine Ausnahme betrifft das angrenzende Pflegeheim. Weil die Personen hier wohnen, dürfen sie beispielsweise ihren Fernseher mitbringen.

Aber auch hier gilt: Bevor die Geräte benutzt werden dürfen, werden sie einer Kontrolle unterzogen. Keine Reklamationen gab es bisher in Leuggern, gemäss Neff, beim Kaffeepreis. Ein Café Crème kostet Fr. 3.80. Eine Ausnahme gibt es auch hier im Pflegeheim. Hier zahlen die Bewohner Fr. 1.80, gleich viel wie das Personal.

In Bad Zurzach ist es übrigens zu einer einvernehmlichen Lösung gekommen. Weil Ramasan Duman viel Kaffee trinkt, macht die Reha Clinic eine Ausnahme: Sie stellt ihm eine Kaffeemaschine zur Verfügung. Die Kapseln dafür muss er aber selber bezahlen. Wie Duman gegenüber Tele M1 sagt, freue er sich zwar über den Kompromiss, er hätte sich jedoch eine Regelung gewünscht, die für alle gilt.

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