Endingen

Flügerlispielplatz darf nun doch bestehen bleiben – aber es gibt einen Wermutstropfen

Der Waldspielplatz muss nicht – wie zuerst vom Kanton verfügt – abgebaut werden. Ein neues Baugesuch liegt auf.

Der Flügerlispielplatz im Endinger Wald erhält vom Kanton Aargau grünes Licht. Seit Montag liegt auf der Bauverwaltung ein zweites Baugesuch auf, inklusive einer Stellungnahme des Kantons, in der dieser dem Spielplatz seinen Segen gibt. Gemeindeammann Ralf Werder ist darüber sehr erleichtert, auch wenn er an etwas noch zu knabbern hat: «An der restriktiven Haltung des Kantons gegenüber dem Flieger.» So wurde dieser, das Wahrzeichen des Spielplatzes, mit Tolerierung abgewiesen. Das heisst, wenn er kaputt ist, darf er nicht ersetzt werden. Damit würde das Wahrzeichen des Spielplatzes verschwinden. «Wir können in fünf Jahren wieder um den Flieger kämpfen», findet Werder. Grund: Für Waldspielplätze muss alle fünf Jahre ein neues Baugesuch eingereicht werden.

Hauptsächlich freut sich Werder nun aber darüber, doch noch gute Nachrichten verkünden zu können. Zur Erinnerung: Nachdem der Kanton Aargau im September 2018 verfügt hatte, dass der Waldspielplatz bis Ende März zurückgebaut werden müsse, weil er gegen das Waldgesetz verstosse, regte sich Widerstand. Die Medien berichteten und auf petitio.ch starteten die beiden Endingerinnen Sarah Schmid-Kienle und Deborah Schneider eine Online-Petition zur Rettung des Spielplatzes. Diese unterschrieben über 1000 Personen.

«Die Kinder kommen hier auf andere Ideen»

«Die Kinder kommen hier auf andere Ideen»

November 2018: Sarah Schmid-Kienle (links) und Deborah Schneider (rechts) setzen sich für den Erhalt des Flügerlispielplatzes ein, im Video-Interview sagen sie, warum und was das gebracht hat.

Daraufhin versicherte der Gemeinderat der Bevölkerung an der Gemeindeversammlung im November, dass er alles daransetzen werde, den Waldspielplatz zu erhalten. Die Ortsbürgergemeinde übernahm offiziell die Trägerschaft, die bis anhin nirgends schriftlich festgehalten war – einer der vom Kanton beanstandeten Punkte, die ebenfalls zur Abweisung des Spielplatzes geführt hatten. Werder gibt sich selbstkritisch: «Wir haben als Gemeinde nicht alle Hausaufgaben gemacht, ja. Der Kanton hat uns den Spiegel vorgehalten.» Aber auf die Verfügung des Kantons hätten sie auch ohne Petition und mediale Berichterstattung ein Wiedererwägungsgesuch gestellt, erklärt er. «Für uns war immer klar, dass dieser Spielplatz erhalten bleiben soll.» Auch das Gespräch mit dem Kanton hätten sie so oder so gesucht.

Falsche Flächenangabe

Zusätzlich rief der Gemeinderat eine Kommission ins Leben, in der auch die beiden Petitionärinnen sowie Alban Killer, der den Waldspielplatz aufgebaut hat, sassen: «In mehreren Sitzungen haben wir, basierend auf den Einwendungen des Kantons, einen Plan herausgearbeitet und begingen gemeinsam den Spielplatz, um zu sehen, welche Änderungen wir vornehmen müssen.» Zudem wurde die Fläche neu ausgemessen. So war diese im ersten Baugesuch, das Endingen 2012 beim Kanton eingereicht hatte, mit 1,5 Hektaren angegeben: «Damals wurde einfach die Parzellengrösse genommen statt die tatsächliche Fläche von 428 Quadratmetern, auf der sich alle Geräte des Spielplatzes befinden», erklärt Werder. Diese Fläche entspricht dem Aargauer Waldgesetz, das maximal 500 Quadratmeter vorschreibt.

Am 16. Januar fand zudem eine Begehung mit drei Personen vom Kanton, der Kreisförsterin und Personen aus dem Gemeinderat statt. Kurz darauf sistierte der Kanton das erste Baugesuch aus dem Jahr 2012 und der Endinger Gemeinderat erarbeitete ein neues. Dieses liegt nun bis 30. Juli auf.

Künftig mit mobiler Toilette

«Damit die Besucher ihre Notdurft nicht im Wald verrichten müssen, haben wir auch eine mobile Toilette beantragt», erklärt Werder. Auch dieser stimmte der Kanton in seiner Stellungnahme zu. Nicht aber einem Aufbewahrungsschrank, den der Gemeinderat ebenfalls installieren wollte. Zurückgebaut werden – unter anderem – Spielgeräte bei der Feuerstelle sowie zwei Brücken innerhalb des Spielplatzes: «Deren Sinnhaftigkeit mitten im Wald, ohne Bach oder dergleichen, ist einfach nicht gegeben», sagt Werder. Viel mehr würden sie, sobald eine Tannenkrone oder Ähnliches zur Verfügung stehe, damit den Spielplatz künftig ergänzen.

Im Fokus des neuerlichen Baugesuchs stehe, dass die Möblierung des Waldspielplatzes den Kindern Freude bereite: «Und jetzt ist es an der Bevölkerung, ob das für sie so auch passt.» Wenn keine Einwendungen eingehen, sollen im Herbst die Baubewilligung ausgestellt und im Winter die baulichen Änderungen vorgenommen werden. Im Frühling 2020 soll der Spielplatz in neuer alter Frische erstrahlen.

Auch Petitionärin Sarah Schmid-Kienle ist zufrieden mit diesem Ausgang: «Genau so haben wir uns das vorgestellt», sagt sie. Inzwischen ist sie auch Mitglied in der Forstkommission, «eine weitere schöne Konsequenz der ganzen Geschichte», wie Gemeindeammann Werder findet. «Die Petition war nicht nur ein Lippenbekenntnis der beiden Frauen. Nein, sie haben mitgearbeitet und Verantwortung übernommen», zeigt er sich beeindruckt.

Flügerli-Spielplatz in Endingen soll verschwinden

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