Bad Zurzach

Für die Bewohner ist der neue «Pfauen» ein Stück Himmel auf Erden

Mit einem Gottesdienst, Darbietungen und Besichtigungen wurde das Alters- und Pflegeheim Pfauen in Bad Zurzach offiziell eingeweiht. Scherzhaft wird das Heim nun als himmlische Wohngemeinschaft beschrieben.

Rudolf Nydegger, Präsident des Stiftungsrates des Pfauens, fasste sich kurz bei seiner Begrüssungsansprache: Fast alles sei bei der Schlüsselübergabe letzten Freitag schon gesagt worden. Er lobte die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und bedankte sich insbesondere auch bei den zahlreichen Helferinnen und Helfern im Hintergrund, ohne die Bau und Umzug nicht so reibungslos funktioniert hätten.

Rund um das Bibelwort aus Johannes, Kapitel 14, Vers 12, spannen der reformierte Pfarrer Michael Dietliker und der katholische Pfarrer Andreas Stüdli Gedanken rund um Auszug, Umzug und Einzug. Vor der eigentlichen Predigt wurden die Kinder verabschiedet – für sie fand ein «Fyre mit de Chlyne» in der hauseigenen Kita statt, von der sie mit einem hübschen Vogelbaum zurückkehrten, den sie als Einweihungsgeschenk gebastelt hatten.

«Mir ging’s noch nie so gut wie hier»

Die zahlreich erschienenen Gottesdienstbesuchern erfuhren von den beiden Pfarrern, wie Möbel, Bilder oder Bücher bei ihnen zu Hause Heimat- und Geborgenheit vermittelten. Etwas verschmitzt stellten sie einander die Frage, ob der Himmel wohl so eine Art göttliche WG sei, halt einfach ohne Badge und Schlüssel, ohne Altersgebrechen und Konflikte?

Dank und Segen fanden im Gottesdienst ebenso Platz wie das gemeinsame Singen und harmonische Klänge, dargeboten von Yvonne Luder am Klavier und Susanne Wetzel an der Querflöte. Und auch wenn die Geistlichen nicht so weit gingen, den Pfauen als Himmel auf Erden zu bezeichnen, so scheint er dies doch für einige Bewohnerinnen und Bewohner zu sein.

Dieser Satz fiel im Gespräch einer Bewohnerin, die sich für den Gottesdienst festlich herausgeputzt hatte, um der edlen Umgebung gerecht zu werden. So schön habe sie es in ihrem Leben nie gehabt, vorher. Sie schätzt das Essen, dass sie bedient wird, wie sie umsorgt wird. Selbst den viel zu tiefen Sofas, die im Eingangsbereich stehen, gewinnt sie, die am Rollator geht, Positives ab: «Da ist immer jemand da, der mir aufhilft – vom Personal oder den Mitbewohnern!»

Der «Pfauen» ist auf Kurs

An verschiedenen Stationen konnten die Besuchenden nach dem Gottesdienst Angebote und Dienstleistungen kennenlernen: Kegeln auf der Wii, altersgerecht Kochen, Sturzprophylaxe, die Spitex. Besonders eindrücklich: Die Alterssimulation mittels Gewichtsanzug, Kopfhörer, Spezialbrillen und Handschuhen.

Damit lässt sich am eigenen Leib erleben, wie schwierig sich im Alter Knöpfe schliessen lassen; wie schlecht man sehen kann, ob der Boden nur in Teppich übergeht oder ob es eine Stufe hat; wie es ist, wenn man die Speisekarte nur lesen kann, wenn man den Kopf verrenkt – oder eben nicht mehr alleine aufstehen kann, wenn man sich aufs Sofa gesetzt hat. Selbst der Chef der Qualitätssicherung war beeindruckt und informierte sich, wie man diese Erfahrung in die Aus- und Weiterbildung des Personals integrieren kann.

Die Zahl der Bewohner ist seit dem Umzug von 51 auf 70 gestiegen, seit Anfang Oktober ist auch neues Personal dazugekommen. Gut eingewöhnt haben sich auch die Kinder der Kita, im Alter von 4 Monaten bis 4 Jahren: In den hübsch gestalteten Räumen können sie spielen, schlafen, essen und lernen. Und dass sie bereits teilen können, bewies der junge Steppke, welcher der Reporterin spontan von seinem Popcorn anbot: «Nimm – gibt’s nicht jeden Tag!»
Recht hat er. Ab jetzt kehrt der Alltag ein, im Generationshaus. Mit Gottes Segen.

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