Rietheim

Grosses Bierfest der Kündig Bräu: Alles drehte sich um den Gerstensaft

Viel Volk am Bierfest der Kündig Bräu: Was einst in der Küche der Kündigs begann, ist heute ein etabliertes Zurzibieter Traditionsunternehmen.

«Wissen Sie, wie man den Cervelat jetzt auch nennt?», wendet sich der Mann in der Warteschlange vor dem Wurstgrill an seinen Nachbarn und gibt die Antwort gleich selber: «Glarner Schüblig.» Nun: Auch Bierideen dürfen an einem Bierfest zur Sprache kommen. Und zum Bierfest hat die Zurzibieter Kündig Bräu geladen.


Mit der Erkenntnis «Auch Wasser ist ein edler Tropfen, mischt man es nur mit edlem Malz und Hopfen» strömt das Volk nach Rietheim. Auch einer Gruppe Velotouren-Fahrer gibt der traditionelle Anlass Gelegenheit, eine Rast einzulegen. Sogar Petrus scheint ein Einsehen zu haben. Die kleine Störung, die am Morgen etwas Regen brachte, hat sich jedenfalls verzogen. Es herrscht wieder Bierfest-Wetter – und an den Zapfhähnen Hochbetrieb.


«Kündig hat Bier»

Am Rande des Geschehens steht René Kündig und blickt auf den Festbetrieb. In den Neunzigerjahren hatte er in der Küche sein eigenes Bier gebraut. «Jede Woche 20 Liter», erinnert er sich. «Ich hatte 1968 meine Bierbrauerlehre bei Hürlimann in Zürich abgeschlossen und danach in der Brauerei Uster gearbeitet. Später ging ich weg vom Beruf. Ausschlaggebend waren die Konzentrationen in der Brauereilandschaft mit der Übernahme vieler traditionsreicher Brauereien durch internationale Konzerne. Ich wollte einfach mein eigenes Bier haben», erzählt René Kündig.


Das Bier aus seiner Küche fand offensichtlich Anklang. «Kündig hat Bier, hiess es bald im Bekanntenkreis», sagt er. Eine 100-Liter-Brauanlage wurde angeschafft. 2002 erfolgte der Schritt in die Selbstständigkeit: «Damals braute ich pro Woche rund 400 Liter Bier – ich hätte aber 700 bis 800 Liter gebraucht.» Mit der Bildung der Kündig Bräu AG vor gut fünf Jahren hielt eine 10-Hektoliter-Brauanlage Einzug.


Anfang Jahr sind neue Gär- und Lagertanks installiert worden. Damit verfügt man über eine Kapazität von 18 000 Litern. Nach wie vor ist die Kündig Bräu AG ein reiner Familienbetrieb. Vater René ist für die Rezepturen der Biere verantwortlich. Sohn Roger wirkt als Braumeister und Mutter Edith Kündig ist als gute Seele auch fürs Büro zuständig.


Erstaunliche Vielfalt

Während die «Bräseli Böck» – die zusammen mit dem Friesenberg-Quintett für die musikalische Begleitung des Bierfestes sorgen – zu ihren Instrumenten greifen, fliesst das Bier. Erstaunlich ist die Sortenvielfalt. Neben dem «Hus-Bier» – der Standardsorte – gibt es ein Wisliker «Klosterbier», an dem die Mönche aus Sankt Blasien in ihrem Refugium in Wislikofen zweifellos ihre Freude gehabt hätten.

Ausgeschenkt wird natürlich auch die «Rietheimer Aue», ein Bier, das sich durch sein blumig-fruchtiges Aroma auszeichnet und für das Roger Kündig im Mai dieses Jahres an der Brauschau in Bad Zurzach mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden ist. Auch an Ideen für weitere Biere fehlt es nicht. «Ich könnte mir vorstellen, ein Weizenbier, ein Kürbisbier oder ein Weihnachtsbier zu brauen», erklärt Roger Kündig. «Bis jetzt war die Lagerkapazität ein Problem. Mit den neuen Tanks hat sich das geändert.»

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