Für Bademeister Peter Sibold war der Fall klar: Er musste so schnell wie möglich handeln. Für ihn stand die Sicherheit seiner Gäste im Vordergrund. Vorletzten Sonntag meldete ein Badibesucher, dass sich auf der Betontreppe beim Hauptaufgang mehrere Hornissen befinden. Daraufhin wurde der Bereich gesperrt. 

In Absprache mit dem zuständigen Bauamt entschied sich Sibold für die «Eliminierung» der Tiere. Mit einem entsprechenden Mittel wurden die Hornissen getötet. In Döttingen sorgt die Aktion für Irritation. «Es hätte weiss Gott andere Möglichkeiten gegeben, um das Problem zu lösen», heisst es. 

Befremdet vom Eingriff zeigt sich auch die Stiftung «Tier im Recht». «Es wäre angebracht gewesen, wenn sich der Bademeister oder die Gemeinde die Zeit genommen hätten, einen anderen Weg zu finden», sagt Moena Zeller von der Institution, die sich für die verbesserte Beziehung zwischen Tieren und Menschen in Recht, Ethik und Gesellschaft einsetzt.

Finanzielle Gründe werden vermutet

«Unser Rechtsauskunftsdienst erhält immer wieder Hinweise, in denen ein Wespen- oder Hornissennest beseitigt werden soll», erklärt die stellvertretende Geschäftsleiterin Vanessa Gerritsen. In der Regel betreffe es jedoch private Akteure. Dass eine öffentliche Stelle ein Nest auf diese Weise beseitigen lässt, sei selten. «Nach unserer Information wurde allein aus finanziellen Gründen die Zerstörung einer möglichen Umsiedelung vorgezogen. Das ist inakzeptabel, zumal die Umsiedelung keine immensen Kosten verursacht hätte und durchaus zumutbar gewesen wäre.»

Kein Verständnis für das Vorgehen in Döttingen hat auch David Hablützel. Er siedelt Hornissen und Wespen von Berufs wegen in der Deutschschweiz um. Wie «Tier im Recht» vermutet Hablützel, dass finanzielle Überlegungen ausschlaggebend gewesen sein könnten. Gemäss seinen Aussagen hätte eine Umsiedelung rund 400 Franken gekostet.

Peter Sibold widerspricht dem: Da sich die Hornissen in der Betontreppe eingenistet hatten, hätte die Betontreppe aufgebrochen werden müssen. «Das hätte zwei bis drei Tage beansprucht und wäre ein Verhältnisblödsinn gewesen», so Sibold. Der Entscheid sei daher situationsbedingt erfolgt.

Hornissen in der Schweiz nicht geschützt

Kommt hinzu, dass Hornissen in der Schweiz, anders als beispielsweise in Deutschland oder Österreich, nicht zu den geschützten Arten zählen. «Die Legalität einer solchen Handlung vermag dieselbe aber lediglich in strafrechtlicher Hinsicht, nicht aber moralisch zu rechtfertigen», sagt Vanessa Gerritsen.

Gemeinden und ihre verschiedenen Amtsstellen hätten die öffentlichen Interessen zu wahren, zu denen auch der Insektenschutz gehört. «Soweit Alternativen – im vorliegenden Fall eine schonende Umsiedelung des Hornissennests – möglich sind, muss die Zerstörung und die grausame Tötung der Tiere die letzte zu treffende Massnahme sein», so Vanessa Gerritsen. Gemeinden hätten diesbezüglich eine Vorbildfunktion und stünden in der – zumindest moralischen – Pflicht, entsprechend Verantwortung zu übernehmen.

David Hablützel wirft den Verantwortlichen in Döttingen vor, sich nicht genügend mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben. Was nicht dem allgemeinen Trend entspreche. Er stellt eine erhöhte Sensibilisierung in der Öffentlichkeit fest. «Immer mehr Leute entscheiden sich für eine Umsiedelung. Vor allem nach Beratungen bei Experten. Hablützel bietet seinerseits Gratisvorträge für Gemeinden an. Döttingen sei jedenfalls herzlich willkommen.