Prozess in Baden

Horror-Crash nach Raser-Rennen: Der Töff-Fahrer überlebte nur dank eines Zufalls – und zwei Polizisten

Unfall in Würenlingen nach Raserrennen (Bericht vom 13.08.2018)

Schwerer Unfall nach Raser-Rennen: So berichtete TeleM1 vom Unfall am 11. August 2018

Zwei Jahre nach einem verhängnisvollen Rennen in Würenlingen stehen zwei junge Männer vor dem Bezirksgericht Baden. Der eine verlor einen Unterschenkel und trägt heute eine Prothese. Er überlebte nur mit viel Glück.

Ein Zufall rettet einem Motorradfahrer an seinem 19. Geburtstag sein Leben. 

Es ist kurz nach Mitternacht am Samstag, 11. August 2018. Der 19-jährige Portugiese liefert sich auf der Industriestrasse in Würenlingen ein Rennen mit einem 22-jährigen Schweizer. Ein 16-Jähriger gibt unter der «Holcim»-Brücke, die zum Zementwerk führt, das Startzeichen. Er hebt die Hände in die Höhe, lässt sie fallen. Der Portugiese gibt mit seiner Yamaha Gas, der Schweizer in einem Audi. Beide haben ihr Gefährt von ihrem Vater ausgeliehen. 

An der Industriestrasse wurden zumindest damals regelmässig solche Beschleunigungsrennen ausgetragen. Auto- und Töfffans treffen sich an der Coop-Tankstelle beim Aarepark-Kreisel. Die Strasse ist einige hundert Meter lang schnurgerade. Nachts fährt hier kaum jemand durch. 

Die Industriestrasse in Würenlingen.

Die Industriestrasse in Würenlingen.

Doch in dieser Nacht ist das anders. Eine Mutter holt am Bahnhof Siggenthal-Würenlingen ihren Sohn und dessen Freundin ab, die mit dem Zug aus Italien heimgekehrt sind. Die Mazda-Fahrerin fährt für den Heimweg auf die Industriestrasse und eine Kuppe hinauf. Dann sehen die drei, die im Mazda sitzen, plötzlich drei grelle Lichter – die Scheinwerfer des Audi und der Yamaha. Nur wenige Sekunden später knallt ein Motorrad in eine vordere Ecke des Personenwagens. 

Der Portugiese fliegt durch die Luft und schlittert über die Strasse. Wie sein Töff. Die Kollision reisst ihm einen Unterschenkel ab. Rund 70 Meter weiter bleibt er liegen. 

Zwei Polizisten als Retter

Wegen der Wunde droht er zu verbluten – doch er hat Glück. Zwei Beamte der Stadtpolizei Baden sind in der Nähe auf Patrouille. Nach dem Notruf sind sie schnell beim Schwerverletzten. Mit einer Manschette binden sie ihm das Bein ab, um die Blutung zu stillen. Ein Rettungshelikopter fliegt ihn ins Spital. Er überlebt. 

Wie genau kam es zum Rennen? Und zum verheerenden Unfall? Dies muss am Dienstag das Bezirksgericht Baden beurteilen. Hauptanklagepunkt für die beiden Teilnehmer des Rennens ist eine mehrfach versuchte vorsätzliche Tötung.

Der Staatsanwalt fordert für den Audi-Fahrer eine Freiheitsstrafe von 6,5 Jahren. Beim Töfffahrer, der den Unterschenkel verlor, fordert der Staatsanwalt 2 Jahre bedingt, also auf Bewährung. Die geforderte Strafe ist viel tiefer, weil seine schwere Verletzung berücksichtigt wird. Er trägt heute eine Prothese. Bei ihm fordert der Staatsanwalt zusätzlich fünf Jahre Landesverweis. 

Lesen Sie hier alles zum Urteil.

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