Nachruf

Jean-Pierre Blaser war ein umtriebiger und engagierter Mitgestalter der Schweizer Forschungslandschaft

Jean-Pierre Blaser starb am 29. August.

Der Physiker war ab 1988 der erste Direktor des Paul-Scherrer-Institutes und zuvor bereits auf vielen verschiedenen Teilgebieten aktiv.

Jean-Pierre Blaser wurde 1923 in Zürich geboren. Er studierte an der ETH Zürich Physik und promovierte 1952 bei Professor Paul Scherrer, dem späteren Namensgeber des Instituts. 1955 übernahm er die Direktion des Observatoriums Neuchâtel und wurde kurz danach ausserordentlicher Professor für Astrophysik an der Universität Neuchâtel. In den darauffolgenden Jahren beteiligte er sich an Forschungsarbeiten zur Einführung der auf Atomuhren beruhenden Standardzeit.

1959 wurde Jean-Pierre Blaser als Professor für Experimentalphysik an die ETH Zürich berufen. Dort entwickelte er mit seinem Team die Idee, eine Mesonenfabrik zu bauen, die auf einem Protonen-Zyklotron von hoher Energie und Strahlintensität basierte

Mit Zustimmung der eidgenössischen Räte wurde seine Vision eines nationalen Zentrums für Kern- und Teilchenphysik umgesetzt und 1968 das Schweizerische Institut für Nuklearforschung SIN gegründet. Jean-Pierre Blaser wurde zu dessen Direktor ernannt, und unter seiner Leitung entwickelte sich das SIN zu einem erfolgreichen Benutzerlabor für Forschende von Universitäten weltweit.

Teilchenphysiker der ersten Stunde

Er förderte die Teilchenphysik, aber auch die Anwendung von Teilchenstrahlen in der Medizin und der Materialforschung. Mit Überzeugung und grossem Engagement setzte er sich in den 1980er-Jahren für die Gründung des Paul-Scherrer-Instituts PSI durch Zusammenlegung des SIN mit dem benachbarten Eidgenössischen Institut für Reaktorforschung EIR ein.

Er hatte die Vision, über die Teilchenphysik hinaus in der Schweiz ein Benutzerlabor für Natur- und Ingenieurwissenschaften zu schaffen, welches dafür einzigartige beschleunigerbasierte Forschungseinrichtungen entwickelt und betreibt. Anfang 1988 wurde sein Engagement belohnt. Jean-Pierre Blaser wurde der erste Direktor des neu gegründeten PSI, welches er bis zu seiner Pensionierung im März 1990 leitete.

PSI zu internationaler Anerkennung verholfen

Neben der Leitung des SIN und des PSI und seiner passionierten Vorlesungstätigkeit an der ETH Zürich förderte er insbesondere die Forschung in Pionen- und Myonenphysik, Myonen-Spin-Rotationen und medizinische Anwendungen von Teilchenstrahlen. Für sein Werk wurde er von den Universitäten Lausanne, Fribourg und Genf mit dem Ehrendoktorat ausgezeichnet.

Zudem erhielt er Preise der Schweizerischen Krebsliga und der Europäischen Organisation für Krebsforschung und Krebsbehandlung. Jean-Pierre Blaser vertrat die Schweiz zudem mehrere Jahre im Cern-Rat. Er war eine ausserordentliche Persönlichkeit in Wissenschaft und Hochschullehre in der Schweiz.

Dank seinen Visionen und seinem unermüdlichen und überzeugenden Einsatz legte er den Grundstein für das PSI und die Anerkennung, die unser Institut heute national und international erfährt. Jean-Pierre Blaser verstarb nach einem Leben geprägt von grosser Schaffenskraft am 29. August in seinem 97. Lebensjahr.

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