Zurzibiet

Jetzt entscheidet der Kanton: Alle vier Bezirksschulen im Zurzibiet auf der Kippe

In Leuggern steht eine von vier Bezirksschulen im Zurzibiet. Ihre Zukunft ist nicht sicher.

In Leuggern steht eine von vier Bezirksschulen im Zurzibiet. Ihre Zukunft ist nicht sicher.

Das Zurzibiet kann sich nicht einigen, welche Bezirksschule geschlossen wird. Deshalb muss jetzt der Kanton ein Machtwort sprechen und entscheiden, welche Standorte von Leuggern, Klingnau, Bad Zurzach und Endingen erhalten bleiben.

Fakt ist: Eine der vier Zurzibieter Bezirksschulen Endingen, Klingnau, Leuggern oder Bad Zurzach schliesst auf August 2022. Ab dann können die vom Kanton geforderten Schülerzahlen nicht mehr gleichzeitig an allen vier Standorten erreicht werden. Nur: Welche Bez es trifft, ist noch immer unklar.

Im Juni stellte der Gemeindeverband Zurzibiet Regio drei Varianten vor. Sie alle haben gemeinsam, dass sowohl das Rheintal als auch das Surbtal und das Aaretal künftig eine komplette Oberstufe erhalten. Je nach Variante schliesst Klingnau oder Leuggern. Weder an der Abgeordnetenversammlung im Juni noch in der folgenden Vernehmlassung konnten sich die Zurzibieter Gemeinden einigen.

Die schlechte Nachricht: Jetzt muss der Kanton ein Machtwort sprechen, wie der Gemeindeverband in einer Mitteilung bekannt gibt. Die gute Nachricht: «Eine umfassende Oberstufe in jedem Tal im Zurzibiet ist weiterhin möglich.»

Felix Binder, Präsident von Zurzibiet Regio, ist nicht überrascht, dass sich die Gemeinden auch in der schriftlichen Vernehmlassung nicht auf eine Lösung festlegen konnten. «Es ist unbestritten: Eine Schule muss schliessen. Das ist immer mit Emotionen verbunden.»

Seit fünf Jahren sucht der Verband nach Lösungen. 2017 erlitt das Projekt Oberstufe Aaretal (OSA) Schiffbruch, das die Aaretaler Gemeinden entwickelt hatten: Fünf von acht Gemeinden sagten Nein zum geplanten Oberstufenverband OSA mit dem Bez-Standort in Kleindöttingen.

Immerhin schaffte es die von Zurzibiet Regio eingesetzte Arbeitsgruppe, im Juni drei Varianten zu präsentieren, die alle gesetzeskonform wären und umsetzten, was die Vision Zurzibiet von 2011 festhielt: eine Oberstufe mit Real-, Sekundar- und Bezirksschule in allen drei Tälern.

Kein klarer Favorit: Zurzibiet ist in der Standortfrage gespalten

Die Vernehmlassung zeigte, dass das Zurzibiet gespalten ist und die Gemeinden auch keinen klaren Favoriten haben. Den Vorwurf, dass jetzt die Entscheidung auf das Bildungsdepartement abgeschoben wird, lässt Binder aber nicht gelten. Der Gemeindeverband habe eine koordinierende Funktion, nicht eine entscheidende.

«Können sich die Gemeinden nicht einigen, bestimmt der Kanton. Das ist nach Gesetz so vorgegeben», sagt Binder und ergänzt: «Was mich aber mehr beschäftigt, dass wir überhaupt über die Schliessung von Schulstandorten diskutieren müssen – während andere Regionen zusätzliche Schulhäuser bauen.» Da das Zurzibiet im Gegensatz zu anderen Regionen kaum wachse, würden in Zukunft auch die Schülerzahlen fehlen.

Da jetzt der Kanton entscheidet, sind alle vier Standorte wieder offen, nicht nur Leuggern und Klingnau, sondern auch Bad Zurzach und Endingen kommen wieder ins Spiel – wobei der Surbtaler Standort der einzige ist, der die Schülerzahlen erreicht und somit die besten Karten hat. Binder erklärt: «Wir haben alle drei Varianten dem Kanton weitergeleitet, schlussendlich hat der Kanton aber Entscheidungsfreiheit.»

In den drei erarbeiteten Varianten steht eine Schliessung des Standortes im Bezirkshauptort nicht zur Debatte, damit eine komplette Oberstufe pro Tal möglich ist. Dafür werden die Döttinger und Klingnauer in zwei Varianten in unterschiedlichen Schulkreisen untergebracht. Obwohl Döttingen und Klingnau geografisch zusammengewachsen sind und gemäss Vision Zurzibiet einmal in einer Grossgemeinde aufgehen werden.

Binder sagt dazu: «Mit der Fusion der Rheintaler Gemeinden entsteht 2022 die erste von drei in der Vision skizzierten Grossgemeinden. Dass dies aber bald auch im Aaretal geschieht, ist unwahrscheinlich.» Insbesondere, da Döttingen 2013 eine Fusion mit Klingnau ablehnte.

In einem halben Jahr steht fest, welche Bez schliesst

Wie es jetzt im Zurzibieter Bez-Dilemma weitergeht, ist offen. Bis in einem halben Jahr wird das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) von Alex Hürzeler entscheiden. Der Regierungsrat wird alle Standorte begehen und dann nach Kriterien wie Schülerzahlen, Raumangebot oder Schulweg entscheiden.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Regierungsrat die Schliessung eines Bez-Standortes beschliesst: 2017 bestimmte der Kanton, dass im Seetal die Bez in Fahrwangen schliesst. Obwohl die Schülerzahlen wie in Seengen genügt hätten, während Seon die Mindestanforderung nicht erreichte.

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