Surbtal

Jetzt gibts Mais: Im Surbtal knattern die Häcksler mit den ersten Sonnenstrahlen

Vom ersten Sonnenstrahl bis spät in die Nacht ist Richard Angst mit seinen Maschinen unterwegs – die Maisernte hat begonnen. Es gilt den Mais einzufahren, solange das Wetter gut ist. Mit Erfahrung ist der Hektik beizukommen.

Es herrscht noch tiefe Nacht in Lengnau, die ersten Sonnenstrahlen werden erst in knapp einer Stunde den Himmel erhellen. In der Ferne ist das Knattern von Motoren zu hören – die Maisernte hat begonnen und die Traktoren stehen abfahrtsbereit in der Scheune von Richard Angst.

Um Punkt 7 Uhr machen sich Angst und sein Häcksel-Team mit drei Traktoren und einem Feldhäcksler auf den Weg. Ihr Ziel: die Felder der Familie Zöbel auf dem Ruckfeld zwischen Tegerfelden und Würenlingen.

Vom Wetter abhängig

Ein langer Tag steht bevor. «Oft essen wir Sandwiches auf dem Feld», sagt Angst. Sonst würde wertvolle Arbeitszeit verloren gehen: «Ist in den nächsten Tagen Regen angesagt, fahren wir in Schichten – zum Teil bis nach Mitternacht.»

Angst und sein Team versuchen, möglichst nicht in der Nacht oder am Sonntag zu arbeiten. «Aber manchmal geht es nicht anders, denn wir sind vom Wetter abhängig.» Reklamiert habe bis jetzt niemand. «Das freut uns, denn es ist nicht selbstverständlich», sagt Angst.

Mais liegt in der Luft

Die Sonne ist unterdessen aufgegangen. Durch den dichten Hochnebel ist sie kaum sichtbar. Die Motoren brummen und es herrscht geschäftiges Treiben auf dem Ruckfeld. In der Luft liegt der eigentümliche Geruch von gehäckseltem Mais und feuchter Erde. «Wir brauchen eine Stunde, um ein Areal von der Grösse eines Fussballfeldes zu mähen», sagt Angst.

Acht Reihen kann der Häcksler mit seinem sechs Meter breiten Maisgebiss gleichzeitig ernten. «Das Gebiss zieht die Pflanze in die Trommel, in der mit 24 Messern die Maispflanze zerhackt wird», erklärt Angst. Mittels Beschleuniger landet das Erntegut im Anhänger, der neben dem Häcksler mitfährt. Am Steuer des Häckslers sitzt Mitarbeiter Rinaldo Jappert. «Es gibt Häcksler, die so breit sind, dass sie bis zu vierzehn Reihen gleichzeitig ernten können», erzählt Jappert.

Jetzt gibts Mais: Im Surbtal wird die Ernte eingefahren

Jetzt gibts Mais: Im Surbtal wird die Ernte eingefahren

Ab in den Silo damit

Für kurze Zeit wird es ruhiger auf dem Feld: Der Anhänger ist voll und der Häcksler unterbricht seine Fahrt. Der Traktor mit dem vollen Anhänger macht sich auf den Weg zum Wizacherhof in Tegerfelden, der seit mehreren Generationen von der Familie Zöbel geführt wird. Dort wird die Ernte mit einem Gebläse in die beiden 22 Meter hohen Silos katapultiert. Der breitere der beiden fasst 1000 Kubikmeter. «Darin hätte Erntegut von ungefähr 20 Fussballfeldern Platz», sagt Angst.

Im anderen Silo können 700 Kubikmeter gelagert werden. «Ist der Silo bis oben gefüllt, wird die Maissilage mit einer Presse verdichtet und dann luftdicht abgeschlossen», erklärt Ralf Hug, Angestellter der Familie Zöbel. So könne das Material gären, ohne zu verfaulen.

Zeit für eine Pause

Während der gehäckselte Mais in den Silo geblasen wird, haben die Fahrer Zeit für eine kleine Gipfelipause. Für einen dauert die Pause etwas länger: Sein Traktor hat eine Panne. «Vermutlich ist der Ölfilter verstopft», erklärt Richard Angst. So etwas könne immer wieder vorkommen. «Gestern hatten wir beispielsweise einen Platten bei einem der Anhänger.»

Das Feld ist nun abgeerntet und ein Teil des Häcksel-Teams fährt weiter nach Bad Zurzach. Der Mais auf diesem Feld wird nicht im Silo, sondern in Rundballen siliert. Das Pressen der Ballen übernimmt Mario Schneider aus Würenlingen – direkt auf dem Feld.

Millimeterarbeit der Fahrer

Die Fahrer leisten millimetergenaue Arbeit, wenn sie den vollen Anhänger neben die Ballenpresse fahren, um den gehäckselten Mais auf das Förderband entleeren zu können. Am anderen Ende der Maschine kommen die gehäckselten Maispflanzen als runde, 900 Kilogramm schwere Ballen heraus, die mit einer weissen Stretchfolie luftdicht verpackt werden. «Ist das Feld so gross wie ein Fussballfeld, können mit der Ernte ungefähr 50 Ballen gepresst werden», erklärt Angst.

Wenn die Felder gemäht sind, fährt das Häcksel-Team wieder nach Lengnau. Der Feierabend ist aber noch fern. «Nach jedem Arbeitstag müssen wir die Maschinen reinigen, schmieren und tanken», sagt Angst. «Nach all der Hektik wirkt das beruhigend.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1