Zurzibiet

Kein Anschluss mehr unter dieser Nummer: 9 Telefonkabinen hat es noch – doch sie verschwinden

Keine Zukunft haben die Kabäuschen auch im Zurzibiet: Aktuell stehen noch neun Kabinen in der Region. (Symbolbild)

Keine Zukunft haben die Kabäuschen auch im Zurzibiet: Aktuell stehen noch neun Kabinen in der Region. (Symbolbild)

Die klassische Telefonkabine hat ausgedient – auch im Zurzibiet, wo dieses Jahr zwei weitere Zellen verschwinden.

In der Schweiz verschwinden nicht nur Poststellen und Kioske von der Bildfläche. Auch die Tage der einst beliebten Telefonkabinen, die jahrzehntelang die Dorfbilder prägten, sind gezählt. Vor gut 20 Jahren gab es landesweit noch fast 60'000 Zellen.

Heute betreibt die Swisscom noch rund 3000 öffentliche Publifone. Dazu kommen 2000 Anlagen, welche sie im Auftrag von Spitälern, Restaurants, Schulen und anderen Privaten betreibt.

Keine Zukunft haben die Kabäuschen auch im Zurzibiet. Aktuell stehen noch neun Kabinen in der Region (siehe Karte).

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Zwei davon werden im laufenden Jahr ausgemustert. Die Swisscom bestätigt auf Anfrage, dass die Zellen in Fisibach und Kaiserstuhl entfernt werden. Anders als bei den Schliessungen der Poststellen bleibt hier der Aufschrei aus der Bevölkerung aus.

Aus nachvollziehbarem Grund: «Publifone werden heute kaum mehr genutzt, da fast alle ein Handy besitzen», sagt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher. Darum erstaunt es nicht, dass in Fisibach die meisten Leute gar nicht wissen, wo die Kabine in ihrem Dorf steht, gleiches bekommt man im benachbarten Kaiserstuhl zu hören.

Verständnis und Kritik aus Fisibach

Fisibachs Ammann Roger Berglas bringt für den Entscheid der Swisscom Verständnis auf. Man habe im Gemeinderat in den letzen Jahren mehrmals über eine Aufhebung der Kabine diskutiert, den Gedanken aber im Sinne des Service public wieder verworfen. Wie in seiner Gemeinde sind die Gespräche in den öffentlichen Kabinen allgemein stark rückläufig.

Von 2004 bis 2016 ist die Anzahl Telefonate schweizweit um 95 Prozent gesunken. Bei den Kabinen der Grundversorgung ging alleine im Jahr 2016 die Anzahl Gespräche um 30 Prozent zurück. «Es gibt mehr als 1000 Kabinen, die über Tage hinweg unbenutzt bleiben», sagt Sabrina Hubacher. Politisch wurde diesen Entwicklungen Rechnung getragen: Gemäss Entscheid des Bundesrates sind Publifone ab diesem Jahr nicht mehr Teil der Grundversorgung.

Kritik an der Strategie der Swisscom äussert Roger Berglas gleichwohl. Es sei zu begrüssen, dass das Unternehmen in zeitgemässe und neue Technologien investiere. «Der Mobilempfang in Fisibach ist aber alles andere als zeitgemäss. Wir haben hier nicht einmal ein funktionierendes 3G-Netz. Und das 30 Kilometer von einer Weltstadt wie Zürich entfernt.»

Berglas steht mit der Swisscom diesbezüglich in Kontakt, ist aber bisher auf taube Ohren gestossen. Ähnlich verhält es sich mit den anderen Telekomanbietern (die AZ berichtete). Deshalb will er nun zusammen mit umliegenden Gemeinden den Druck erhöhen. Entsprechende Gespräche seien im Gang, bestätigt Roger Berglas.

Döttingen bestgenutzte Kabine

Wann die restlichen Kabinen im Bezirk verschwinden werden, steht laut Swisscom nicht genau fest. Mittelfristig – in den nächsten paar Jahren – werde das Publifon aber ganz verschwinden, heisst es. Neben Fisibach und Kaiserstuhl betreibt das Unternehmen momentan noch in Bad Zurzach, Döttingen, Endingen, Koblenz, Mellikon, Rümikon und Würenlingen Kabinen.

Die beste Auslastung hat dabei die Zelle am Bahnhof in Döttingen, die schlechteste die bei der Post in Mellikon. Sabrina Hubacher weist jedoch darauf hin, dass auch die meistgebrauchten Publifone nur noch selten genutzt würden.

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