Grenzdorf

Koblenz stellt sich gegen Verkehrskonzept Oase − das hat mit den Staus am Grenzübergang zu tun

Zum Unmut des Koblenzer Gemeinderates ist der Grenzübergang seit 2015 nicht mehr Teil des Verkehrskonzepts Oase.

Zum Unmut des Koblenzer Gemeinderates ist der Grenzübergang seit 2015 nicht mehr Teil des Verkehrskonzepts Oase.

Der Widerstand im Zurzibiet gegen das Verkehrskonzept Oase wächst. Wegen fehlender flankierender Massnahmen ist der Gemeinderat von Koblenz dagegen.

Die Kritik aus dem Zurzibiet gegen das Gesamtverkehrskonzept für den Ostaargau, auch Oase genannt, wird immer lauter. Zuerst stellten sich die Surbtaler Ammänner gegen die vorgesehene Schliessung der Hochbrücke − auch wenn sie das regionale Verkehrskonzept wie der Gemeindeverband Zurzibiet Regio grundsätzlich begrüssen. Nun stellt sich der Koblenzer Gemeinderat mit klaren Worten gegen die Oase: «Solange die Früchte in erster Linie den Ortschaften Baden und Brugg zugutekommen, sagt er: Nein, danke!», schreibt das Gremium in seinem Mitteilungsblatt.

Mit der Oase ist vorgesehen, die beiden Zentren vom Verkehr zu entlasten sowie das Untere Aaretal besser an das Nationalstrassennetz anzubinden. Massnahmen sind beispielsweise in Baden die Sperrung der Hochbrücke für Autos und ein neuer Tunnel durch den Martinsberg sowie die Einführung eines 15-Minuten-Taktes der S-Bahn im Unteren Aaretal. «Eigentlich müssten wir die Oase wegen der besseren Anbindung an die Autobahnen begrüssen», sagt der Koblenzer Ammann An­dreas Wanzenried. «Aber nicht ohne einen konkreten Lösungsvorschlag, wie das Untere Aaretal vom Mehrverkehr entlastet werden soll.» Eines der grössten Sorgenkinder in Koblenz ist der Zollübergang. Auf beiden Seiten der Grenze kommt es regelmässig zu Stau. Der Grenzübergang wurde 2015 aber vom Regierungsrat bewusst aus dem Konzept Oase gekippt.

Das hat Folgen für das Untere Aaretal, denn die Oase ist darauf ausgelegt, auch die Fahrzeuge aus dem süddeutschen Raum besser um die Zentren Baden und Brugg zu verteilen. «Wenn die Umfahrungen per 2035 realisiert werden, sind aber gleichzeitig noch keine Lösungen umsetzbar, wie mit dem Mehrverkehr im Unteren Aaretal umgegangen werden soll», sagt Wanzenried. «Gerade der 15-Minuten-Takt der S-Bahn ist vor ein paar Jahren gekippt worden. Dieser wäre dann dringend notwendig.» Er rechnet mit einer Zunahme von 10 bis 20 Prozent durch Pendler und LKWs, nicht zuletzt auch wegen noch unüberbauter Industriegebiete wie dem Birrfeld. Hinzu komme der Einkaufstourismus, der durch die geplanten neuen Umfahrungsstrassen um Brugg und Baden gefördert werde. Das Resultat: noch mehr Stau im Unteren Aaretal und damit in der Zufahrt in Koblenz nach dem Zoll.

Im Verkehrskonzept Oase würden aber konkrete Verkehrslenkungsmassnahmen fehlen, die man schon heute ohne grössere Probleme und Kosten umsetzen könnte. Im Mitteilungsblatt fragt der Gemeinderat denn auch: «Wie soll man ein Konzept ernst nehmen, das einen wichtigen Bestandteil, nämlich die aktuellen Zahlen der Fahrzeuge, die aus verschiedenen Gründen die Koblenzer Zollbrücke passieren, einfach ausser Acht lässt?»

Es gelte ausserdem den Verkehr zu berücksichtigen, der von den Zentren Baden und Brugg das Aaretal abwärts in Richtung Grenzübergange Koblenz und Bad Zurzach fliesst. Der Stau auf der Schweizer Seite erschwere regelmässig die Erreichbarkeit der eigenen Wohnung im Unteren Aare- und Rheintal stark. «Dazu schweigt das Projekt Oase vornehm», so der Gemeinderat im Mitteilungsblatt. «Das Gefühl, im eigenen Dorf eingeschlossen zu sein, wird so massiv vergrössert», ergänzt der Gemeinderat und fragt rhetorisch: «Ist ein sogenanntes regionales Gesamtverkehrskonzept seinen Namen wert, das den wichtigsten Verkehrsträger im Ostaargau, das Einfallstor über das ­Aaretal, nicht berücksichtigt?»

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