Bad Zurzach

La Tavolata: Geselligkeit und Gourmandisen à discrétion

Die Hitze konnte an den Spass den kulinarischen Freuden der Tavolata nicht verderben.

Sechs Schläge ertönen von der reformierten Kirche in Bad Zurzach. Der Glockenturm steht im gleissenden Sonnenlicht. Auf der im Schatten liegenden Schwertgasse und Hauptstrasse machen glühende Grills und dampfende Riesen-Pfannen der solar bedingten Hitze Konkurrenz. Noch tröpfeln die Gäste und so können die Indischen Nudeln aus dem Wok der Handballer an den langen Tischen noch mit Ellbogenfreiheit genossen werden. Scharf essen ist bei der gegenwärtigen Hitze besonders gesund, weil Schärfe die Poren öffnet, man – ergo – mehr schwitzt und so die Körpertemperatur sinkt. Aber wenn schon, denn schon: Auch warmen Tee trinken ist bei grosser Hitze bekanntlich empfehlenswert.

Ja schon, gerne – aber bitte nicht an der Tavolata. Outdoor-Tea-Rooms gibt es denn da auch nicht, aber tolle Bars. So ist die bereits traditionelle mitten auf der Kreuzung liegende Bar, in der angesagte Drinks so comme-il-faut wie in der Zürcher Kronenhalle-Bar serviert werden, durchwegs belagert. Ebenso die Wein-Bar der Familien Perlini und Vogler an der Schwertgasse. Kunststück – nicht nur der weisse Italiener und der rote Portugiese schmecken vorzüglich – auch das «avec» ist ein Hit: Gratis und franco werden Plättli mit Parmesan, Salami, Wildsauschinken und Brot – mmmhhh selbstgemacht von Corina Vogler – aufgetischt.

Wenig freie Sitzplätze

Als vom Kirchturm acht Schläge ertönten, ist es schon recht schwierig, einen freien Stuhl oder einen Platz auf einer Fest-Bank zu ergattern. Noch schwieriger wird der Entscheid, womit der knurrende Magen zur Ruhe gebracht werden soll. Mit grilliertem Fisch vom «Schwert» oder Wildsau-Spiess, allenfalls Rehcervelat, beim «Naturton»? Beides wird von Geniessern in höchsten Tönen gelobt.

Allein acht Kilo Reis, dazu Unmengen von Poulet- und Schweinefleisch, Crevetten, Seeteufel, Calamares und Venusmuscheln hat «el campéon de paella» Martin Steinmann zubereitet. Von Beruf nicht Koch, sondern Berufschullehrer, ist Paella seit 20 Jahren seine Leidenschaft und deren Fangemeinde inzwischen riesig. Als gegen 21.30 Uhr kein Reiskorn mehr in der riesigen Paellapfanne liegt, waren mehr als 100 Gourmets in den Genuss gekommen. Scotch und Irish Whisky ist das Hobby der «Alte Jungschar»-Gruppe, die es seit 1991 im Zurzibiet gibt: An 13 Sorten kann man sich auf der Schwertgasse delektieren; zum «Bödele» haben die «Alt-Jungschis» ausreichen Chili con Carne zubereitet. Irgendwie erstaunlich ist nur, dass keine Wienerli, Schweinswürstli oder etwas in der Art namens «Oktoberli» angeboten werden, ist der 20.10. doch sehr präsent. Selbstverständlich ist Thierry Burkart mit von der Partie. Allerdings nur in Plakatform, schliesslich soll er ja schlank bleiben. Am FDP-Tisch werden, wie auch schon an früheren Tavolatas, die Gäste zu Self-made-Pizzaiolos. Spitzenkandidatin der SP Zurzibiet, Elena Flach, lässt es sich nicht nehmen, Thai-Curry selbst zu schöpfen und selbstgemachten Mango-Passionsfrucht-Eistee auszuschenken.

Sehr hübsch und aufwändig geschmückt – hälftig blau und hälftig orange – ist eine sehr lange Tavola auf der Hauptstrasse, an der Spaghetti aufgetischt werden. Hinter dem blauen Teil mit Leuchttürmen, gläsernen Seesternen und Muscheln steckt das Vitalboutique Hotel Zurzacher Hof. In der anderen Hälfte hat sich die CVP niedergelassen: Nebst Orange Rosen und Filzsterne zierten Sonnencreme-Fläschchen mit oranger Beschriftung und ebensolchem Karabinerhaken den Tisch, wobei letztere zum Mitnehmen sind. Wer weiss, vielleicht bringen sie ebenso viel Erfolg, wie vor 13 Jahren das «Duschen mit Doris» Werbegeschenk.

Alles fliesst

Nicht nur Mineral und Bier, auch Wein und Drinks fliessen ebenso in Strömen, genau wie auch genussvoll gespachtelt, diskutiert, gelacht und gar getanzt wird. Als «Silvie» mit Mikrofon und Synthesizer beim Gemeindehaus Stellung bezieht und dem vorwiegend Deutschen Schlager huldigt, ist jedenfalls beim Nachwuchs kein Halten mehr: Im Rhythmus der Freude hopsen sie übermütig herum. Gemütlich hingegen lauschen eher gesetztere Herrschaften den Handorgelklängen vom 77-jährigen Gerard Bühlmann aus Rietheim, der mit 13 Jahren den ersten Unterricht beim heute 91-jährigen René Fluty sen. vom Musikhaus Kleindöttingen genossen hatte. Am Fenster vom Ming Dao zur Post schliesslich begeistert der studierte Saxophonist Franz Jaschonek aus Waldshut mit jazziger Tafelmusik.

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