Unteres Aaretal

Megafusion am Klingnauer Stausee? Stadtrat bringt 16'000-Einwohner-Gemeinde ins Gespräch

Lange war es ruhig in Sachen Gemeindefusionen im Unteren Aaretal. Nun bringt der Klingnauer Stadtrat eine Grossgemeinde ins Gespräch. «Die Stadt Klingnau sieht sich langfristig als Teil einer Seestadt rund um den Klingnauer Stausee», so Stadtammann Reinhard Scherrer.

6,5 Jahre ist es nun her, seit Vertreter fast aller Gemeinden des Bezirks die Charta der «Vision Zurzibiet» unterzeichneten. Das Denken in Gemeindegrenzen überwinden, regionales Handeln in den Vordergrund stellen und sich für die positive Entwicklung der Region einsetzen – das waren die Ziele. Zudem einigten sich die Gemeinden darauf, dass sie langfristig die Konzentration auf drei Gemeinden anstreben wollen, sprich auf je eine im Unteren Aaretal, Rheintal-Studenland und Surbtal. Der Zeithorizont blieb offen.

Aktuell läuft das Projekt «Rheintal+», bei dem zehn Gemeinden den Zusammenschluss prüfen. Zuletzt hatten sich Endingen und Unterendingen vor fünf Jahren zusammengeschlossen. Im Unteren Aaretal war dagegen die Fusion von Döttingen und Klingnau gescheitert. Seitdem war es hier still geworden um das Thema.

Nun bringt der Klingnauer Stadtrat eine Megafusion im Unteren Aaretal ins Gespräch. «Die Stadt Klingnau sieht sich langfristig als Teil einer Seestadt rund um den Klingnauer Stausee.» Diesen Satz präsentierte Gemeindeammann Reinhard Scherrer am Samstag an der Informationsveranstaltung zu den Visionen und 15 Handlungsfeldern der Gemeinde. Und strich sogleich hervor, dass der Stadtrat bis dahin «eine Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden als unerlässlich halte. Diese solle eine nachhaltige zukunftsfähige Entwicklung ermöglichen.

"Mehr Gewicht im Kanton"

Gerade wegen der ungeklärten Frage der Oberstufen- und Bezirksschulstandorte im Zurzibiet steht das Untere Aaretal vor einer Zerreissprobe. Insofern war auch eine gewisse Vorsicht spürbar, mit der Scherrer das Thema ansprach. Weder nannte er andere Gemeindenamen noch einen Zeithorizont. Am Klingnauer Stausee liegen mit Döttingen, Klingnau, Koblenz, Böttstein und Leuggern fünf Gemeinden. Die Vision Zurzibiet zählt mit Full-Reuenthal und Leibstadt zwei weitere Zurzibieter Gemeinden zur Subregion.

Stattdessen unterstrich Scherrer, dass das Untere Aaretal mit 16'000 Einwohnern über ein politisches und wirtschaftliches Potenzial verfüge, um sich im wirtschaftlichen Umfeld des Kantons Aargau und der angrenzenden Regionen längs des Rheins positiv zu behaupten. Sein Wachstumspotenzial könne es nachhaltig ausschöpfen, wenn es geschlossen auftrete und als politische Einheit die gemeinsamen Interessen vertrete. «Als Seestadt wird das Untere Aaretal zu einem politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zentrum im Bezirk Zurzach und erhält damit mehr Gewicht und eine grössere Bedeutung im Kanton Aargau.»

In Sachen Oberstufe stellte sich der Stadtrat hinter das Konzept der Oberstufe Unteres Aaretal (OSUA), das Bezirks-, Sekundar- und Realschule unter einem Dach vorsieht. «Das wird auch vom Kanton angestrebt», sagte Gemeinderat Kuno Schumacher. Und damit könne man auch veränderte pädagogische Konzepte reagieren. Der Aargau ist schweizweit ein Ausnahmefall – die allermeisten kennen eine zweigliedrige Sekundarstufe. 

Starkes Bevölkerungswachstum

Klingnau erfährt zurzeit ein starkes Bevölkerungswachstum. In den letzten zwei Jahren ist die Gemeinde um 150 auf fast 3500 Einwohner gewachsen. Bis 2020 werden weitere 100 Einwohner erwartet. Im nächsten Schuljahr werden erstmals alle Primarschulklassen doppelt geführt. «Dieses Wachstum ist eine Herausforderung», sagte Scherrer. Deshalb läuft eine Verwaltungsanalyse. Sie soll aufzeigen, ob zusätzliche Stellenprozente nötig sind. Mit der laufenden Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung will der Stadtrat vorhandene Landreserven optimal aktivieren.

Die Jugendarbeit Aaretal/Kirchspiel steht vor der Auflösung. Böttstein hat an der Gmeind den Austritt beschlossen. Leibstadt dürfte folgen. Leuggern ist schon vor einigen Jahren ausgestiegen. Laut Gemeinderätin Elvira Mrose will Klingnau zusammen mit Döttingen etwas Neues probieren.

In den letzten Jahren haben sich die Klingnauer Gemeindevertreter als Gemeindeammann und Gemeinderäte bezeichnet. Nun kommt mit dem Bekenntnis zur Stadt zum bewussten Wechsel zu Stadtammann und Stadtrat. «Wir werden von Aussen immer so angesprochen», sagte Scherrer. «Die Stadträte werden deshalb aber nicht zehn Zentimeter grösser – und niemand verdient deswegen mehr», versicherte er.

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 Gemeindefusionen im Aargau seit 2002:

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