Klingnau

«Mehr Umsatz als an Weihnachten»: Sein Onlinehandel läuft trotz Corona auf Hochtouren

Rick Bucher am neuen Ort in Klingnau: Im alten Lokal in Stilli wurde es langsam zu eng für alle Modelleisenbahnen und Zubehör.

Rick Bucher am neuen Ort in Klingnau: Im alten Lokal in Stilli wurde es langsam zu eng für alle Modelleisenbahnen und Zubehör.

Rick Bucher hat sein Geschäft für Modelleisenbahnen von Stilli nach Klingnau verlegt – während des Lockdowns lief sein Onlinehandel auf Hochtouren.

Es passiert nicht alle Tage, dass in der ruhigen Altstadt von Klingnau ein neues Geschäft eröffnet – und gleich sehr erfolgreich startet. Doch genau das ist Rick Bucher passiert. Der 54-Jährige verlegte Anfang Juli sein 2017 gegründetes Geschäft Swissbahn von Stilli hierher, nachdem er ganz zufällig auf das leerstehende Ladenlokal aufmerksam geworden war.

In Stilli war es langsam zu eng geworden. Trotz des Lockdowns brummte bei ihm der Onlinehandel auf vollen Touren: «Ich habe in dieser Zeit mehr Umsatz gemacht als an Weihnachten», sagt der frühere Informatiker. Schon kurz nachdem er das Ladenlokal an der Schattengasse 15 in Klingnau bezogen hatte, kam die Kundschaft in Scharen. «Ich habe ganz viele neue Gesichter gesehen im Laden.» Auch alle Stammkunden seien ihm gefolgt.

Wer nun denkt, dass der typische Modelleisenbahninteressierte männlich, eher älter und leicht kauzig ist, hat sich getäuscht: «Es kommen viele Familien mit Kindern, Jugendliche und auch Frauen», beschreibt Bucher den Kundenmix. Etwa die Hälfte des Umsatzes macht er mit Verkäufen im Laden. Beim Anblick der rund 10'000 Artikel hat schon so mancher Modellbahnfan feuchte Augen bekommen: Von Loks über Wagen und Schienenteilen bis hin zu Weichen, Steuergeräten und Ersatzteilen gibt es auch alles, was es für den Anlagenbau braucht.

Onlineshop mit 150'000 Artikeln

Und was nicht im Laden steht, findet der Kunde ziemlich sicher im rund 150'000 Artikel umfassenden Onlineshop. Die Zeit, in der das Geschäft nicht geöffnet hat, nutzt Rick Bucher, um die bestellten Waren zu verpacken, zur Post zu bringen oder gleich selber auszuliefern. Geordert wird aus aller Herren Ländern, Swissbahn-­Pakete werden nicht nur ins angrenzende Ausland verschickt, sondern auch nach Singapur, Hongkong oder Japan.

Rick Bucher in seinem Klingnauer Shop für Modelleisenbahnen. R

Rick Bucher in seinem Klingnauer Shop für Modelleisenbahnen. R

Aufgewachsen ist Rick Bucherin Würenlingen, zusammen mit sechs Geschwistern. Er erinnert sich noch genau an den Tag, an dem ihm seine Nachbarin eine Zwanzigernote zusteckte und er sich als Siebenjähriger seine erste Dampflok mit Schienen kaufte. Erst viel später kaufte ihm seine Mutter seine ersten beiden Märklin-Loks. «Ich wusste, dass in unserer Familie kein voriges Geld vorhanden ist», sagt er, der sich ab dann stundenlang mit den Zügen im Miniformat beschäftigt hatte.

Während seine Geschwister kein grosses Interesse zeigten, kam sein Vater ebenfalls auf den Geschmack. Zusammen bauten sie in stundenlanger Arbeit Modelleisenbahnanlagen im Keller. «Selbst wenn ein Mädchen an der Tür klingelte und mit mir ausgehen wollte, bevorzugte ich es, imKeller mit der Eisenbahn zu spielen.» Dann aber, als er mit 15 Jahren seine erste grosse Liebe traf, begannen Loks und Wagen nach und nach zu verstauben.

Vom DJ zum eigenen Laden für Modelleisenbahnen

Nach einer Lehre zum Carrosse­riespengler tourte Rick Bucher zehn Jahre lang als DJ Westside durch Clubs und Bars. Auf dem zweiten Bildungsweg liess er sich zum Informatiker ausbilden. Jahrelang blieb er diesem Beruf treu– bis ihn als 40-Jähriger das Modelleisenbahnfieber wieder befiel. Er begann, neue Sachen zu kaufen, musste aber aus Platzmangel einiges wieder loswerden und eröffnete deshalb einen Onlineshop.

Er sah, dass die Nachfrage gross ist, und beschloss, mit 50 eine ganz neue Richtung einzuschlagen, und machte ein Modelleisenbahngeschäft auf. «Ich verknüpfe damit viele Erinnerungen», erklärt Bucher seine Leidenschaft. «Es ist nicht nur die Modelleisenbahn, die mich schon als Kind faszinierte, sondern auch das soziale Zusammenspiel mit meinem Vater. Ich kann mich an keine glücklicheren Momente erinnern.»

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