Wahlen

Mellikon wird zur Hochburg der Grünen

Mellikon wählt und handelt ökologisch: Bei der Solarenergienutzung liegt die Gemeinde im Aargau auf Rang 1. Bild: Pirmin Kramer

Mellikon wählt und handelt ökologisch: Bei der Solarenergienutzung liegt die Gemeinde im Aargau auf Rang 1. Bild: Pirmin Kramer

In der Zurzibieter Gemeinde hat die Partei bei den Nationalratswahlen den höchsten Wähleranteil im ganzen Aargau erzielt.

Die Öko-Parteien sind die grossen Sieger der eidgenössischen Wahlen vom Sonntag. Grüne und Grünliberale kommen im Nationalrat auf 45 Sitze. Besonders der Erfolg der Grünen hat ein historisches Ausmass. Neu sind sie in 80 Schweizer Gemeinden die wählerstärkste Partei. Diese Zahl hat sich gegenüber 2015 mehr als verzehnfacht. Damals lag die Partei erst in sechs Gemeinden auf dem ersten Platz.

In der Deutschschweiz sind die Grünen neu in 16 Gemeinden die wählerstärkste Partei, Eine davon liegt im Aargau. In Mellikon sind die Grünen neu die Nummer 1. Im ansonsten stark bürgerlich geprägten Bezirk kam die Partei im Zurzibieter Ort auf einen Anteil von 22,82 Prozent und liess damit die SVP (22,23), die SP (17,68), die CVP (7,56) und die FDP (6,31) hinter sich. Beachtlich auch in Mellikon: Gegenüber den Wahlen vor vier Jahren hat sich der Stimmenanteil verdreifacht.

Ein Denkzettel an die Bürgerlichen

Wer sich in der Gemeinde am Rhein umhört und nach Erklärungen für den Rutsch ins grüne Lager sucht, erhält im Wesentlichen zwei Antworten: Mellikon sei für seine politisch sehr offene Haltung seit je bekannt. «Zum anderen habe man den Bürgerlichen wohl einen Denkzettel verpassen wollen, weil sie zu wenig in der Klimapolitik unternommen haben», vermutet Thomas Urfer.

Der 71-Jährige kennt das Innenleben der drittkleinsten Gemeinde im Kanton bestens. Urfer war von 1984 bis 1993 Ammann und hat eine hohe Affinität für Umweltthemen. Er war 23 Jahre im Vorstand von Pro Natura Aargau und davon 13 Jahre bis 2017 deren Präsident.

Dass die Melliker jetzt auf den grünen Zug aufgesprungen sind, kommt für Urfer nicht überraschend. «Zusammen mit Kaiserstuhl ist unsere Gemeinde die einzige im Zurzibiet, die traditionell über einen stabilen Anteil an linken Wählern verfügt und ökologischen Fragen fortschrittlich gegenübersteht.» Zur gleichen Erkenntnis kommt auch der amtierende Ammann Rolf Laube (parteilos).

Nachweisbar wird dieses Bewusstsein der Melliker in einer vor kurzem veröffentlichten Auswertung von Swiss Energy Planning. Die Untersuchung kam zwar zum Schluss, dass das Potenzial von Solarstrom im Aargau zu wenig genutzt wird. Eine Ausnahme bilde aber Mellikon. Die Gemeinde generiert bei der Solarenergienutzung rund 22 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit, was kantonsweit dem Spitzenwert entspricht. Gesamtschweizerisch liegt der Ort, gemäss WWF Schweiz, auf dem vierten Platz. «Die Leute machen sich hier nicht nur ernsthafte Gedanken, was sie den nächsten Generationen für eine Welt überlassen wollen, sie handeln auch», erklärt Thomas Urfer.

Schwung für eine grüne Sektion im Bezirk ausnutzen

Gleichwohl haben grüne Anliegen im Zurzibiet nach wie vor einen schweren Stand. Grund dafür ist die fehlende Basis. Die Partei verfügt im Bezirk über keine Sektion, und Ortsparteien sucht man ebenfalls vergeblich. Nach dem Wahlerfolg wäre nun der ideale Zeitpunkt, um dies zu ändern, sagt Hanspeter Meier.

Der Biobauer aus Full war bei den letzten Grossratwahlen der einzige Kandidat aus dem Bezirk, der auf der Liste der Grünen stand. Der Sieg vom Sonntag könnte nun eine Bewegung ins Rollen bringen. Dem Vernehmen nach haben erste Gespräche unter Exponenten stattgefunden.

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