Leibstadt

Millionen trotz Corona: Kuratle Group investiert in die Zukunft – und der Patron übergibt den Kindern

Erfolgreiches Familienunternehmen: Corinne Kuratle, Patron George Kuratle, Fabian und Roger Kuratle.

Erfolgreiches Familienunternehmen: Corinne Kuratle, Patron George Kuratle, Fabian und Roger Kuratle.

Das Holzhandels- und Logistikunternehmen Kuratle Group erhält einen neuen CEO und stärkt seinen Hauptsitz in Leibstadt. Der Patron gtritt kürzer.

Vom Ein-Mann-Betrieb zu weltweit 750 Mitarbeitern: Von Leibstadt aus liefern das Familienunternehmen Kuratle Group und ihre Tochterunternehmen Holzprodukte in die ganze Welt. Spätestens seit der Alpinen Ski-WM in St.Moritz vor drei Jahren und dem 19 Meter hohen Maskottchen «Edy» ist das Holzhandels- und Logistikunternehmen mit Standorten in der Schweiz, Österreich, Deutschland, Tschechien, Schanghai und Südafrika dem breiten Publikum bekannt. Jetzt übergibt der Patron das Zepter an seine Kinder. Gleichzeitig investiert das Familienunternehmen 7,8 Millionen Franken in seinen Hauptsitz in Leibstadt. Und dies trotz Coronakrise.

George Kuratles Vater Alfred gründete die Kuratle AG 1955 in Laufenburg. «Als kleiner Bub roch ich bereits Holz, wenn ich mit meinem Vater im Lieferwagen mitfuhr», erinnert sich der Rheinfelder. «Ich wollte zuerst aber Buchhalter werden», ergänzt er mit einem Schmunzeln. Doch der Vater wollte in die Politik und hätte sein Geschäft verkauft. Also trat George Kuratle nach Absolvierung der Handelsschule und einem Auslandaufenthalt in London 1974 ins Unternehmen ein. Seit 1992 hat George Kuratle die Zügel in der Hand. 1994 weihte er in Leibstadt das Holzwerkstoffzentrum ein, seit 2005 befindet sich dort der Hauptsitz der Gruppe mit unterdessen 120 Mitarbeitenden. Heute werden in der Kuratle Gruppe im Schnitt 1800 Tonnen Holz- und Holzwerkstoffe pro Tag von der rund 80 Fahrzeug zählenden Flotte umgeschlagen.

Ein Patron im besten Sinne

Der Patron kann auf erfolgreiche vier Jahrzehnte im Unternehmen zurückblicken. Stolz machen ihn die Auszeichnungen. 2017 wurde die Kuratle Group AG mit dem Prix Nordschweiz des Swiss Venture Club für ihr innovatives Geschäftsmodell und überzeugenden Zukunftsaussichten gewürdigt. Von der Beraterfirma Ernst & Young wurde die Firma zum besten Unternehmen in der Kategorie «Family Business» ernannt. «Das ist eine Anerkennung für all die Arbeit, die wir in das Unternehmen gesteckt haben», sagt Kuratle.

Gefordert wurde der ganze Betrieb 2006. An einem Mittwoch im März gab es im Holzwerkstoffzentrum in Leibstadt einen lauten Knall: Die 120 Meter lange und 110 Meter breite Lagerhalle hielt den Schneemassen nicht mehr stand und brach ein. Kuratle erinnert sich: «Ich informierte gerade die Mitarbeiter über ein Erweiterungsprojekt über 12 Millionen Franken in Niederbipp, als ich die SMS mit der Meldung erhielt.»

Verletzt wurde niemand, doch der Sachschaden mit 9 Millionen Franken war beträchtlich, das Lager unbrauchbar. Von einem Tag auf den anderen konnte die Firma nicht mehr ausliefern. Doch dank der Eigeninitiative der Mitarbeiter sei die ganze Logistik innerhalb weniger Tage komplett umgestellt worden, sagt Kuratle stolz. Die Mitarbeiter haben einen grossen Stellenwert im Unternehmen. So gratuliert der Patron den Mitarbeitenden persönlich zum Geburtstag. «Nur zufriedene und motivierte Mitarbeiter können Höchstleistungen erbringen», sagt er. Seit 2015 bildet das Familienunternehmen rund 300 Mitarbeitende pro Jahr in der eigenen «Kuratle Academy» in Niederbipp aus und weiter − vom Chauffeur bis zu Führungspersonen. Aufgebaut wurde die Academy von Corinne Kuratle (32), der Tochter des Patrons. Sie und ihre beiden Brüder Roger (30) und Fabian (28) arbeiten alle in der Firmengruppe mit. «Schon als Kinder verdienten sie ihr Sackgeld im Betrieb», sagt Vater Kuratle.

Stabsübergabe: Sohn neu an der Firmenspitze

Seit kurzem hat er die Funktion als CEO der Gruppe an Sohn Roger übergeben, er bleibt aber Verwaltungsratspräsident. Roger wird einmal Hauptaktionär, Corinne und Fabian Kuratle Minderheitsaktionäre. «So hat Roger die Entscheidungsfreiheit», sagt George Kuratle. Ein Entschluss, der gemeinsam im Familienrat gefällt worden sei. Die Übergabe erfolgt Schritt für Schritt.

Finanziell spürt das Unternehmen die Coronakrise. Das Gesamtergebnis sei aber immer noch positiv, sagt George Kuratle und ergänzt: «Man kann auch mit weniger leben.» Mit der geplanten Investition von 7,8 Millionen Franken in den Ersatz der Lagerhallen in Leibstadt wolle man zeigen, dass man trotz allem an die Zukunft glaubt und ein Beispiel für andere ist, gerade in dieser aussergewöhnlichen Zeit zu investieren.

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