Herr Schneider, wie viele Gläser Wein haben Sie am diesjährigen Winzerfest probiert?

Herbert Schneider: Drei bis vier (lacht). Vielleicht waren es auch ein paar mehr. Schliesslich muss ich als OK-Präsident bei allen Ständen vorbeischauen, Grüezi und Danke sagen und mit allen auf ein Gläsli anstossen.

Am Tag danach ging es ans Aufräumen. Da ist es bestimmt besser, wenn man keinen Brummschädel hat.

Von unserem Zurzibieter Wein gibt es kein Kopfweh, der hat eine hervorragende Qualität. Während der drei Festtage bin ich immer nüchtern gewesen, zwar nicht ganz bei 0 Promille, aber auch nicht bei 1,2. Wenn man am nächsten Tag aufräumen muss, ist es wirklich besser, keinen Brummschädel zu haben. Wir mussten schauen, dass am Montag um 17 Uhr der Verkehr wieder floss. 20 freiwillige Helfer sind im Einsatz, ihre Arbeit und ihr Herzblut ist extrem wertvoll.

So strahlen die Weinköniginnen am Winzerumzug in Döttingen

So strahlen die Weinköniginnen am Winzerumzug in Döttingen

Sehen Sie hier die strahlenden Weinköniginnen, die auf den Wagen die Blicke auf sich ziehen, sowie die Wykönigin und die Schlüsseljungfrau aus Tegerfelden, der Gastgemeinde am Winzerfest 2015.

Nacht acht Jahren als OK-Präsident war das Ihr letztes Fest. Kommt schon Wehmut auf?

Nein, irgendwann muss ich ja die Stabübergabe machen. Und wenn man, wie ich mit Otto Zimmermann, den richtigen Nachfolger gefunden hat, gibt es auch keinen Anlass zur Sorge. Wehmut verspüre ich nicht, weil für mich schon seit zwei, drei Jahren klar ist, dass ich nun abtrete.

Warum hören Sie als OK-Präsident auf?

Ich bin jetzt 68 Jahre alt. Das ist der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. Wir haben im Vorstand eine junge Equipe aufbauen können. Das stimmt mich zuversichtlich. Jetzt darf mal jemand anders die Verantwortung übernehmen. Und ich kann im nächsten Jahr, ganz ohne Verantwortung, auch ein fünftes Glas Wein trinken.

Impressionen vom Winzerumzug 2015 in Döttingen

Impressionen vom Winzerumzug 2015 in Döttingen

Man nennt Sie «Mister Winzerfest». Woher kommt der Spitzname?

Auf jeden Fall nicht von mir (lacht). Gewisse Kollegen im Vorstand nennen mich so. Dieser Spitzname ist aber erst in den letzten Jahren aufgekommen. Es liegt sicher auch daran, dass ich bereits im Alter von 16 Jahren den ersten Wagen fürs Winzerfest gebaut habe. Rund 20 Wagen habe ich insgesamt gebaut. Ich gehöre sozusagen zum Inventar des Fests.

Was stellen Sie nun mit der neu gewonnenen Freizeit an?

Ich werde sicher mehr Ferien machen. Ich bin viel im Wallis. In Crans-Montana haben wir ein Ferienhaus. Auch dort gibt es vorzüglichen Wein. Es freut mich einfach, dass ich mehr Zeit für anderes habe, zum Beispiel für meine sieben Grosskinder, dass ich nicht gebunden bin und die Zeit spontan einteilen kann.

Feuerwehrverein sorgt mit alter Wasserspritze für Abkühlung am Winzerumzug Döttingen

Feuerwehrverein sorgt mit alter Wasserspritze für Abkühlung am Winzerumzug Döttingen

Sie wurden sehr früh mit dem Winzerfest-Virus infiziert. Bereits 1950, bei der ersten Austragung, waren Sie dabei.

Ich war damals noch keine vier Jahre alt und stand schon auf einem der Umzugswagen. Vom Virus wurde ich dank meinen Eltern gepackt. An das erste Mal kann ich mich aber kaum noch erinnern. Von damals gibt es nur wenige Fotos, das war nicht so in Mode wie heute.

Was macht das Winzerfest so speziell?

Es ist ein Fest für alle Generationen. Egal ob jung, alt oder in der Mitte des Lebens: Die Leute begegnen sich. Solche Feste gibt es heutzutage nicht mehr viele. Und für jeden Geschmack wird etwas geboten.

Prächtige Stimmung am Winzerfest Döttingen

Prächtige Stimmung am Winzerfest Döttingen

Ihre schönste Erinnerung?

Ich habe natürlich unzählige Erinnerungen. Sehr speziell war der erste Wagen, den ich 1962 gebaut habe. Obendrauf war ein Helikopter, den ein Spengler-Kollege von meinem Vater angefertigt hat. Das war ein Riesenaufwand. Beim Umzug sass ich dann im Helikopter. In diesem Jahr hat mich das gute Wetter speziell gefreut. Das Fest ist jedes Jahr anders, aber sein Charakter bleibt immer der gleiche.

Wenn Sie auf Ihre Amtszeit zurückblicken: Was erfüllt Sie mit Stolz?

Wir haben das Niveau des Festes immer halten können, haben Kontinuität reingebracht. Das Fest war nicht einmal gut und dann schlecht. Das war für das OK eine echte Herausforderung. Das klappt nur, wenn man auf dem Boden bleibt.

Wo sehen Sie noch Potenzial?

Mit 50 000 bis 55 000 Besuchern sind wir an Grenzen gestossen. Ich glaube, das Fest sollte nicht grösser werden. Änderungen wird es immer geben, aber man muss nicht alles auf den Kopf stellen.

Welchen Tipp geben Sie Nachfolger Otto Zimmermann mit auf den Weg?

Er soll nichts überstürzen. Klar, er wird Änderungen vornehmen. Aber vielleicht ist es gut, wenn er nicht gleich alle im ersten Jahr einführt.

Wo trifft man Sie in einem Jahr?

Am selben Ort wie immer in den letzten Jahrzehnten: am Winzerfest. Beim einen oder anderen Stand werde ich vielleicht etwas länger verweilen als während meiner Zeit als Präsident. Ich habe dann ja die Freiheit, mir diese Zeit zu nehmen.

Quiz Döttinger Winzerfest 2015