Stars vor der Linse

Muhammad Ali, John Lennon & Co.: Dieser Aargauer Fotograf kam den Stars so nah wie kaum jemand

Eric Bachmann hat in seinem Leben fast alle grossen Persönlichkeiten fotografiert. In seinem Haus in Kaiserstuhl hortet er rund 200'000 Negative und Dias. Für die az erinnert sich der 76-Jährige an seine aufregenden Begegnungen mit den Stars zurück.

Eric Bachmann trägt ein T-Shirt, das ihm einst Muhammad Ali schenkte. Mit dem Box-Champion ging er auf dem Üetliberg joggen und fuhr ihn mit seinem kleinen Datsun nach Zürich, um neue Turnschuhe zu kaufen. «Seine eigenen hatten ein Loch», erinnert sich der Fotograf und lacht.

Der heute 76-Jährige hat fast alle grossen Stars fotografiert. Stundenlang kann er spannende Geschichten über Begegnungen mit Persönlichkeiten erzählen. Zum Beispiel, wie der Zöllner am Flughafen zwei Flaschen Whiskey konfiszierte, die John Lennon im Gepäck hatte. Oder wie der inzwischen verstorbene Alt-Bundesrat Kurt Furgler bei sich zu Hause ein Ständchen auf der Geige brachte.

In solchen Momenten drückte Bachmann auf den Auslöser. Diskret, mit dem absoluten Gespür für den richtigen Augenblick und einen scharfen Blick fürs Detail. Seine Aufnahmen strahlen oft eine Intimität aus, als ob er den Menschen direkt in die Seele schauen würde.

Ausser einer kurzen Anstellung beim SF DRS blieb er das ganze Leben selbstständig; verkaufte seine Bilder an Agenturen und Zeitschriften. Oder es entstanden Bildbände wie das Buch über Muhammad Ali und sein Werk «So isch es gsi» mit Fotos seiner Wahlheimat Kaiserstuhl. Frau und Kinder? «Dazu kam es nie. Ich war mit meinem Beruf verheiratet», erzählt der gebürtige Zürcher, dessen langjährige Lebenspartnerin am Genfersee wohnt.

Eric Bachmann auf der Rheinbrücke am Grenzstädtchen Kaiserstuhl. (Archiv)

Eric Bachmann auf der Rheinbrücke am Grenzstädtchen Kaiserstuhl. (Archiv)

Mit Fotos Menschen aufrütteln

Seit über 30 Jahren wohnt Bachmann in seinem Altstadthaus in Kaiserstuhl, das mit dem weissen Verputz ein wenig an eine spanische Finca erinnert. Den Weinkeller hat er zum Fotoarchiv umfunktioniert. Dort befinden sich geschätzte 200'000 Negative und Dias. Alphabetisch sortiert nach Namen oder nach Ländern.

Gabun, Israel, Pakistan, Paraguay … es gibt nur wenige Orte, die der Weltenbummler noch nicht bereist hat. Er erzählt Geschichten über das Begräbnis von Albert Schweitzer in Lambarene. Oder die zahlreichen Unterwasserexpeditionen im Roten Meer. Wie er in Burma fast verhaftet und in Rio ausgeraubt wurde.

Auch traurige Erlebnisse kommen zu Gehör. Bachmann erinnert sich an die Kinder, welche er beim Völkermord in Ruanda sterben sah. «Manchmal musste ich die Kamera weglegen, weil ich so betroffen war», sagt er dazu. Trotzdem wollte er mit seinen Bildern auch die dunklen Seiten des Lebens zeigen, um die Leute zum Nachdenken zu bringen.

Der Meister-Fotograf Eric Bachmann hat ein grosses Archiv. Er wohnt seit über 40 Jahren im Herzen des idyllischen Städtchens am Rhein. (Archiv)

Der Meister-Fotograf Eric Bachmann hat ein grosses Archiv. Er wohnt seit über 40 Jahren im Herzen des idyllischen Städtchens am Rhein. (Archiv)

Göttibub wird Nachlass verwalten

Ein schweres Krebsleiden macht dem agilen Mann zu schaffen. Er hat Schmerzen und nimmt starke Medikamente. Trotzdem bietet er der Krankheit die Stirn und will eine neue Therapie ausprobieren. «Noch mache ich alles im Haushalt alleine, und ins Altersheim gehe ich bestimmt nie», meint er entschlossen.

Bachmann hat mit Göttibub Dominik das Abkommen getroffen, seinen Nachlass zu verwalten. Er glaubt aber trotzdem, dass ein Grossteil der Bilder im «Nirwana» verschwindet. «Es ist irrsinnig zeitaufwendig und kostenintensiv, die unzähligen Aufnahmen zu sortieren und einzuscannen», gibt er sich pragmatisch.

Zu Weihnachten wird in der Edition Patrick Frey unter dem Titel «Il Baccio di Tosca» ein weiterer Bildband vom Ausnahme-Fotografen aus Kaiserstuhl erscheinen. Er hat vor Jahren die betagten Sängerinnen, Tänzer und Musiker abgelichtet, die im von Giuseppe Verdi gestifteten Altersheim «Casa Verdi» ihren Lebensabend verbringen – umgeben von Erinnerungen an glanzvolle Zeiten.

«Charlie Chaplin hätte ich sehr gerne mal vor der Linse gehabt», bekundet Eric Bachmann, wenn man ihn nach seinen Träumen fragt. Sein sehnlichster Wunsch ist aber «gesundheitlich wieder so auf dem Damm zu sein, dass ich die Zeit, die mir noch bleibt, geniessen und vielleicht sogar nochmals im Meer tauchen kann.»

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