Würenlingen

Nach aufsehenerregendem Fall Horowitz: Medizinische Versorgung in Aargauer Gemeinde ist gerettet

Die Ärzte-Nachfolgersuche hat in Würenlingen ein Ende. (Symbolbild)

Die Ärzte-Nachfolgersuche hat in Würenlingen ein Ende. (Symbolbild)

Lange Zeit war unklar, ob es im 4700-Seelen-Dorf Würenlingen in Zukunft noch zwei Hausarztpraxen geben würde. Jetzt folgt die gute Nachricht: Im April eröffnet ein regionales Ärztezentrum, in dem bis zu fünf Ärzte praktizieren werden.

Zwei Hausarztpraxen gibt es heute in Würenlingen. Dass dies in Zukunft so bleibt, war mehrere Jahre ungewiss. Zu einem ist da der Fall des Hausarztes Peter Horowitz (71): Sieben Jahre dauerte es, bis er seine Praxis an der Dorfstrasse im vergangenen Herbst einem Nachfolger übergeben konnte (siehe Box).

Zum anderen ist da die Praxis von Maria-Pia und Rolf Mahler am Kaiserackerweg. Seit vier Jahren suchen sie einen Nachfolger für ihre Praxis, aber bisher erfolglos. Jetzt steht fest: Beide Arztpraxen ziehen auf April unter ein Dach in ein neues regionales Ärztezentrum neben dem Einkaufszentrum Aarepark. In Zukunft sollen auf 380 Quadratmetern vier bis fünf Ärzte praktizieren. Damit wird die medizinische Grundversorgung im Dorf gesichert.

Besitzer des neuen Ärztezentrums ist die Praxis Gruppe Schweiz AG. Das Unternehmen mit Sitz in Hünenberg (ZG) engagiert sich für Nachfolgeregelungen von Hausärztinnen und Hausärzten. Sie übernahm im Dezember 2018 Horowitz’ Praxis. Im vergangenen Oktober liess sich Peter Horowitz pensionieren und der 59-jährige Haidar Hojjat Shamamy trat seine Nachfolge an. Der Facharzt für Allgemeine Innere Medizin ist bei der Praxis Gruppe angestellt, die unterdessen 32 Arztpraxen in der Deutschschweiz betreibt. Das wird auch im neuen Ärztezentrum so bleiben – die neuen Ärzte werden bei der Praxis Gruppe angestellt sein, Rolf und Maria-Pia Mahler jedoch werden bis zu ihrer baldigen Pensionierung auf eigene Rechnung arbeiten. Bis jetzt hat das Unternehmen die Zusage einer weiteren Hausärztin im 50-Prozent-Pensum. Mit weiteren würden zurzeit Gespräche geführt, unter anderem mit einer Frauen- und einer Kinderärztin.

Ärztezentrum als Modell der Zukunft

Die Praxis Gruppe hat bereits ähnliche Projekt realisiert, beispielsweise in Brienz. «Doch die Dimension in Würenlingen ist für uns eine unternehmerische Herausforderung», sagt Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer. Denn auch für die Praxis Gruppe ist es nicht einfach, Hausärzte zu finden. Hausarztmedizin sei komplex, und immer mehr junge Ärztinnen und Ärzte würden nach Teilzeitstellen suchen. «Ein Ärztezentrum ist dafür ideal», sagt Rohrer. Die Ärzte könnten sich untereinander austauschen, und mit dem einheitlichen System, auf das alle Ärzte Zugriff haben, könnten Patienten in dringenden Fällen auch zu einem anderen Arzt. Rohrer stellt aber klar: «Die persönliche Beziehung zwischen Arzt und Patient ist uns wichtig – wir wollen kein Zentrum schaffen mit anonymen Ärzten.»

Von links nach rechts: Andrea Sprankel (CEO Praxis Gruppe Schweiz), Joseph Rohrer (VR-Präsident Praxis Gruppe), die Hausärzte Maria-Pia und Rolf Mahler und André Zoppi, Gemeindeammann von Würenlingen.

Von links nach rechts: Andrea Sprankel (CEO Praxis Gruppe Schweiz), Joseph Rohrer (VR-Präsident Praxis Gruppe), die Hausärzte Maria-Pia und Rolf Mahler und André Zoppi, Gemeindeammann von Würenlingen.

Ende März zieht Shamamy in das neue Ärztezentrum. Das Gebäude an der Wiesenstrasse wurde vor rund einem Jahr fertiggestellt und liegt neben dem Aarepark. Im Gebäude befinden sich auch ein Bettenfachgeschäft und ein Denner. Bis 14. April wollen auch Rolf und Maria-Pia Mahler ihre Praxis zügeln. Noch im vergangene Herbst hatten sie sich nach der erfolglosen Suche nach einem Nachfolger entschieden, ihre Praxis nach über 30 Jahren zu schliessen und in den Ruhestand zu gehen. «Die vergangenen vier Jahre waren eine emotionale Achterbahn für uns», sagt Maria-Pia Mahler. Immer wieder hätten Interessenten abgesagt. Auf das neue Ärztezentrum freuen sich die beiden. «Wir können ein spannendes Projekt aufgleisen und jüngeren Kollegen die Hausarztmedizin schmackhaft machen», sagt Rolf Mahler. Und mit der Praxis Gruppe habe man jetzt einen sicheren und professionellen Partner. Er plant, seine Patienten noch bis Ende Jahr zu betreuen und allenfalls danach das Pensum zu reduzieren – «wenn es weiterhin so Spass macht». Maria-Pia Mahler möchte nach wenigen Monaten in den Ruhestand. «Ich habe bereits zwei Bonusjahre gemacht», sagt sie.

Nur vier Monate Zeit für die Umsetzung

Ammann André Zoppi (FDP) freut sich, dass die medizinische Grundversorgung des 4700-Seelen-Dorfes sichergestellt ist. «Fast jede Gemeinde kämpft gegen Ärztemangel. Dass es nun gelungen ist, den Grundstein für ein Ärztezentrum zu legen, ist eine schöne Geschichte.» Vor einem Jahr rief die Gemeinde eine Arbeitsgruppe ins Leben. Sechsmal trafen sich Ressortvorsteherin Regula Schneider Frei (CVP), Ammann Zoppi, Maria-Pia und Rolf Mahler, Vertreter der Praxis Gruppe AG, Martin Weissen, Geschäftsführer des Alters- und Pflegezentrums Wirnavita, der frühere Gemeindeschreiber Andreas Senn und Paul Keller vom Seniorenrat. Erst im Dezember fiel der Entscheid, ein Ärztezentrum zu gründen. Danach ging es schnell: Die Bewilligungen des Kantons wurde eingeholt und jene für den Umbau der Räume erteilt, der zurzeit ausgeführt wird. Am 23. April findet die offizielle Eröffnung statt.

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