Klingnau

Nach Grossbrand: Die Tage der Fischzucht sind gezählt

Nach dem Fischzucht-Grossbrand in Klingnau Anfang Jahr zieht sich die Firma Tegatec schrittweise aus ihrem Kerngeschäft zurück.

Den 10. Januar 2018 wird Bernhard Kaufmann mit Sicherheit nicht vergessen: An jenem Mittwoch stand seine Gewerbehalle im Klingnauer Industriegebiet Zelgli lichterloh in Flammen. Mit seiner Firma Tegatec betreibt er dort seit über 20 Jahren eine Fischzucht. Kaufmann gilt in der Schweiz quasi als Vorreiter mit der Zucht und dem Verkauf japanischer Koi-Fische und Zander.

Kaufmann hatte bei erster Betrachtung Glück im Unglück: Während die beiden Obergeschosse, in denen sich Werkstatt und Lagerhalle befanden, ein Raub der Flammen wurden, blieben die rund 10 000 Zander im Untergeschoss unversehrt. Die zuständige Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen inzwischen eingestellt. Ursache dürfte ein technischer Defekt gewesen sein.

Für den 67-jährigen Unternehmer aus Döttingen hatte der Brand wirtschaftlich dennoch nachhaltige Folgen. Die Aufträge brachen ein. «Die Kunden sind davon ausgegangen, dass wir nicht mehr liefern können», sagt Kaufmann. Die Bestellungen gingen daraufhin signifikant zurück. «Obwohl der Bereich der Zucht nicht betroffen war.»

Grosses Interesse von Firmen

Bernhard Kaufmann nimmt das Malheur nun zum Anlass, um sich unternehmerisch neu auszurichten und die entstandenen Ertragsausfälle aus der Fischzucht zu kompensieren. Die ersten Schritte hat er unterdessen eingeleitet. Seit Kurzem prangt über dem Eingangsbereich der Halle ein grosses Banner. Mit einem innovativen Konzept will er Flächen, sogenannte KMU-Boxen, Kleingewerblern zu einem attraktiven Preis vermieten. Kaufmann glaubt, dass solche Raumangebote bis 100 Quadratmeter einer zunehmenden Nachfrage entsprechen. Bereits hätten Firmen, querbeet durch verschiedenste Branchen, ihr Interesse angemeldet. Fünf Boxen bietet Kaufmann in einer ersten Etappe an. Weitere sollen folgen.

Grossbrand in Klingnauer Fischzucht

Grossbrand in Klingnauer Fischzucht

Am Mittwochabend, 10. Januar 2018, hat ein Grossbrand in der Klingnauer Fischzucht einen grossen Sachschaden verursacht. Die meisten der 10'000 Zander im Untergeschoss des Gewerbegebäudes allerdings überlebten das Inferno.

Der Zurzibieter Unternehmer plant nämlich, mittelfristig aus der Fischzucht auszusteigen. Er betont, dass noch nichts spruchreif sei, entsprechende Überlegungen seien aber vorhanden. Kaufmanns Entschluss hängt nicht zuletzt damit zusammen, weil in der Branche ein massives Überangebot bestehe. Als er vor mehr als 20 Jahren mit der Koi-Zucht begann, war er hierzulande der einzige, mittlerweile buhlen rund zwei Dutzend Anbieter um Kundschaft. «Der Markt ist im wahrsten Sinn des Wortes übersättigt», hat er festgestellt. Noch offen ist, ob Bernhard Kaufmann einen Nachfolger findet, der die Zanderzucht weiterführen möchte. Gespräche seien im Gang. Klar ist, dass es keine innerfamiliäre Lösung geben wird.

Sollte es zu keiner Übernahme kommen, könnte die frei werdende Fläche von 1000 Quadratmetern ebenfalls für KMU-Boxen genutzt werden. Bernhard Kaufmann würde so auf seine alten Tage vom Fischzüchter zum Immobilienverwalter. Und er käme seinem Wunsch, künftig mehr Zeit für die Familien zu haben, einen grossen Schritt näher.

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