Tegerfelden

Nach seiner Weltreise will der 67-jährige Ex-Ammann nochmals Ammann werden

Reto Merkli befindet sich gerade auf Weltreise (hier in Marseille).

Reto Merkli befindet sich gerade auf Weltreise (hier in Marseille).

Die Suche nach einem Gemeindevorsteher in Tegerfelden scheint gelöst: Der 67-jährige Reto Merkli kandidiert an der Ersatzwahl am 9. Februar. Und gibt damit ein Comeback.

Tegerfelden hat ein bewegtes Jahr hinter sich: Monatelang wurde nach einem neuen Ammann Ausschau gehalten, nachdem Lukas Baumgartner letzten März seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte. Die Suche nach einem offiziellen Kandidaten beziehungsweise einer offiziellen Kandidatin verlief ergebnislos.

Zu einer Belastungsprobe wurde Ende November zudem die Referendumsabstimmung zur Deponie Buchselhalde. Ein giftig geführter Abstimmungskampf teilte das Dorf in zwei Lager. Die gereizte Stimmung und das fehlende Interesse an einem Behördenamt waren auch Reto Merkli nicht entgangen.

Der 67-Jährige verfolgte das Geschehen, bis er schliesslich einen Entscheid fällte. Der Pensionär meldete seine Kandidatur für den Gemeinderat und das Amt des Ammanns nach zahlreichen Gesprächen an. Mit einer klaren Absicht: «Es ist an der Zeit, dass in Tegerfelden wieder Stabilität und Ruhe einkehren.»

Damit das gelingt, will der parteilose Merkli mit gutem Beispiel vorangehen. Das Dorf hatte in den letzten Jahren gleich mehrere Wechsel an der Spitze zu verzeichnen.

Gute Chancen

Vor Baumgartner traten schon Peter Hauenstein und Erwin Baumgartner wegen zeitlicher und beruflicher Überbelastung zurück. Merkli bringt die idealen Voraussetzungen für das Amt mit: Zeit hat er genug. Er ist seit kurzem im Ruhestand, und: Er kennt das Anforderungsprofil.

Reto Merkli stand bereits einmal an der Spitze der Tegerfelder ­Exekutive. Von 1988 bis 1998 führte er die Geschicke der Surbtaler Gemeinde. «Sollte ich gewählt werden, wäre es also ein Déjà-vu». Der ehemalige Kadermann eines grossen Unternehmens im Automobilgewerbe weiss, worauf er sich einlässt. Er weiss, wie die Tegerfelder ticken und umgekehrt.

Die älteren Semester im Dorf können abschätzen, was sie an Reto Merkli hätten. Die Chancen, dass er gewählt wird, stehen gut. Er geniesst im Ort breiten Zuspruch.

Weltreise auf einem Kreuzfahrtschiff

Offiziell unterstützt wird seine Kandidatur vom einflussreichen «Forum aktives Tegerfelden». Am Neujahrsapéro vergangenen Donnerstag erhielt Merkli zahlreiche Glückwünsche. «Mehrere Leute bedankten sich, dass ich mich für das Amt zur Verfügung stelle.»

Werbung in eigener Sache wird er in der verbleibenden Zeit indes nicht machen können. Der Apéro war sein einziger Auftritt vor der Wahl am 9. Februar. Merkli wird auch am Wahlsonntag nicht vor Ort sein. Mit seiner Lebenspartnerin machte er sich letzten Samstag auf Richtung Genua.

Die beiden unternehmen eine Weltreise auf einem Kreuzfahrtschiff und kehren erst Ende April wieder in die Schweiz zurück. «Das war die Bedingung für die Zusage», sagt Merkli. Im Falle seiner Wahl würde Vizeammann Pascal Zöbel bis zu seiner Rückkehr die Geschäfte weiterführen.

Zwei Frauen kämpfen um zweiten Gemeinderatssitz

Das Ergebnis wird Reto Merkli in der chilenischen Hafenstadt Valparaiso erfahren. Auch, wer den zweiten frei werdenden Sitz in der Tegerfelder Exekutive für den zurücktretenden Gemeinderat ­Riccardo Schena erben wird. Zur Wahl stehen Isabelle Schmid (55, parteilos) und Claudine Fäs (53, parteilos). Schena hatte seine Demission im Dezember aus beruflichen Gründen eingereicht.

Sowohl für Fäs, die als Pflegeassistentin im Alters- und Pflegeheim WirnaVita in Würenlingen arbeitet, wie auch für Schmid, die nebst der Haushaltführung sich in verschiedenen Kommissionen im Dorf und Surbtal engagiert und darüber hinaus Nostalgie-­Kutschenfahrten anbietet, wäre die Wahl in den Gemeinderat das erste politische Amt.

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Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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