Döttingen

Nach tödlichem Unglück: Behörden sehen an der Aare keinen Handlungsbedarf

Am Aaredamm in Döttingen liegen Blumen und brennen Kerzen in Gedenken an den verstorbenen E-Biker.

Am Aaredamm in Döttingen liegen Blumen und brennen Kerzen in Gedenken an den verstorbenen E-Biker.

Laut der Regionalpolizei Zurzibiet ist die Sicherheit entlang dem Aareufer und um den Klingnauer Stausee absolut ausreichend. In der Region sei es nicht gefährlicher als an anderen Gewässern auch.

Nach dem tödlichen Unglück am Aaredamm, bei dem in der Nacht auf Sonntag ein 54-jähriger E-Biker sein Leben verlor, stellt sich die Frage der Sicherheit rund um den Klingnauer Stausee.

Wie die az berichtete, ist es nicht das erste Mal, dass sich in dieser Gegend ein Unfall ereignet hat. Allerdings gingen die Unglücke in der Vergangenheit meist mehr oder weniger glimpflich aus.

René Lippuner, Kommandant der Regionalpolizei mit Sitz in Klingnau, sagt: «In der Region um den Stausee ist es nicht gefährlicher, als an anderen Gewässern auch.»

Und er fügt an: «Wenn man bedenkt, dass jeden Tag Hunderte Menschen teilweise mit Kindern am Aareufer unterwegs sind, passiert erstaunlich wenig.»

Die Regionalpolizei patrouilliert zwar öfter in der Gegend. Im Fokus steht aber nicht die Sicherheit. Es geht in erster Linie um Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Sitzbänke entlang dem Ufer sind bei Jugendlichen sehr beliebt.

Für bauliche Massnahmen, die die Sicherheit erhöhen, sieht Lippuner keine Notwendigkeit. Auch die Vorfälle aus der Vergangenheit hätten so kaum vermieden werden können.

Beim Dammweg, wo sich die Spur des jüngst verstorbenen E-Bikers verliert, befindet sich ein Fahrverbotsschild.

Einen Zaun, der vor möglichen Stürzen das Bord hinunter schützt, gibt es an dieser Stelle nicht. Geht man von der Aarebrücke weiter Aare abwärts, hat es indes einen Zaun. Allerdings weist dort der Weg auch ein stärkeres Gefälle auf.

«Tragisches Unglück»

Von der Idee, das Ufer einzuzäunen, hält Lippuner nicht viel. Es handle sich um ein Naherholungsgebiet, nicht um eine Sperrzone. Ähnlich sieht es auch Döttingens Gemeindeammann Peter Hirt. «Was passiert ist, ist ein tragisches Unglück. Es hat aber nichts mit mangelnder Sicherheit zu tun», sagt er, «es sei nicht Sache der Gemeinde, alles einzuzäunen.»

Bei den Parkplätzen der Döttinger Badi, wo am 31. Mai 2008 ein Auto in den Fluss fuhr, wurde dagegen die Sicherheit erhöht und ein Mäuerchen gebaut. Allerdings nicht als Folge des Zwischenfalls, sondern aufgrund von Hochwasserschutz-Massnahmen. Repol-Chef Lippuner appelliert in diesem Zusammenhang auch an die Eigenverantwortung der Leute. Beim Badi-Unglück 2008 legte die Fahrerin den Vor- statt den Rückwärtsgang ein.

Der Ort von Tragödien wird so auch immer wieder zur Geburtsstunde von Helden. Badmeister Peter Sibold rettete mit seinem beherzten Eingreifen die Frau aus der Aare. Später wurde er zum «Ritter der Strasse» ernannt. Die Aktion zeichnet seit 1969 Menschen in der Schweiz aus, die im Verkehr uneigennützig und zivilcouragiert anderen Menschen zu Hilfe kommen und dabei teilweise sogar ihr eigenes Leben riskieren.

Nur zwei Wochen später rettete ein 19-jähriger Fussgänger einen Velofahrer, der das Gleichgewicht verlor und die Dammböschung hinunter in den Fluss fiel. Im Juni 2011 holt eine Patrouille der Regionalpolizei Zurzibiet eine Frau aus dem Fluss, die 300 Meter unterhalb der Aarebrücke reglos im Wasser treibt. Und am Winzerfest musste auch schon ein Betrunkener aus dem Fluss gefischt werden.

Der 54-Jährige, der in der Nacht auf Sonntag nach einem Restaurantbesuch in Kleindöttingen mit dem E-Bike auf dem Heimweg nach Döttingen war, hatte nicht das Glück, auf einen Retter zu treffen.

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