Seit 1994 fahren zwischen Koblenz und Laufenburg keine Personenzüge mehr. Auf der Rheintalstrecke rollen zwar immer noch Güterzüge, die Gleise sind intakt. Aber wer als Passagier vom Zurzibiet ins Fricktal oder umgekehrt will, muss heute den Bus nehmen. Gleichzeitig stellt der Bund einen finanziellen Beitrag an die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke zwischen Schaffhausen und Basel in Aussicht, die jenseits des Rheins auf deutschem Boden verläuft.

Das könnte sich ändern, wenn es nach dem Leibstädter Nationalrat und Ständeratskandidaten Hansjörg Knecht (SVP) geht. Er hat im Juni im Parlament eine Interpellation eingereicht, in der er dem Stand der Dinge auf der Hochrheinstrecke auf den Zahn fühlt. Knecht möchte vom Bundesrat wissen, wie weit die Planung in Sachen Elektrifizierung zwischen Basel und Schaffhausen fortgeschritten ist. Aus früheren Antworten des Bundesrates und von den betroffenen Regionen in der Schweiz und in Deutschland könne man vernehmen, dass die Elektrifizierung und der damit verbundene Ausbau nur zögerlich bis gar nicht vorankomme. «Wo steht dieses Projekt heute?», fragt Knecht. Und: «Wie viel Geld und für welche Arbeiten konkret investierte die Schweiz (Bund, Kantone und Gemeinden) bisher in dieses Projekt?» Knecht sagt auf Nachfrage, es seien zwei Aspekte: «Einerseits hört man, wie schleppend die Planung auf deutscher Seite vorankommt. Seit bald 20 Jahren wird hier geplant – eine leidige Geschichte.»

Die Schweiz habe hier eine Mitfinanzierung in Aussicht gestellt, auch wenn der deutsche Staat den weitaus grösseren Anteil zahle. «Trotz der Diskussion über den Ausbau der Bahninfrastruktur 2035 im Parlament ist immer noch nicht klar, wie viel diese Mitfinanzierung kosten soll», so Knecht.

Er findet, statt das Geld für einen «Bundesbeitrag zur Finanzierung von grenzüberschreitenden Massnahmen» auszugeben, müsse man viel eher prüfen, die Rheintalstrecke auf Schweizer Seite wieder für den Personenverkehr auszubauen. «Das bräuchte zwar einen umfassenden Ausbau der Infrastruktur», sagt Knecht. «Aber davon würde nicht nur das Zurzibiet, sondern auch das Fricktal sehr stark profitieren.» Statt das Geld in Deutschland auszugeben, müsse man doch viel eher prioritär in die Schweizer Bahnverbindungen investieren. Es gehe darum, dass die Region nicht abgehängt werde und dass der Fokus des Bahnausbaus nicht nur auf die grossen Zentren und die Hauptachsen gelegt werde: «Die Regionen und Nebenachsen verlieren so an Attraktivität.» Für Bad Zurzach beispielsweise wäre ein Ausbau des Bahnverkehrs auch aus touristischer Sicht sehr attraktiv.

Eine ähnliche Anfrage hat im vergangenen Herbst schon Knechts Zürcher Nationalratskollege Thomas Hardegger (SP) eingereicht. Er forderte ebenfalls die Wiedereröffnung der Bahnlinie Winterthur-Bülach-Basel für den Personenverkehr. Bis 1990 verkehrten hier Schnellzüge, 1994 wurden auch die Regionalzüge eingestellt. Der Bundesrat antwortete jedoch auf Hardeggers Anfrage, die Linie sei «nicht Teil der Überlegungen zur Entwicklung des Fernverkehrsnetzes der Schweiz».

«Rückhalt aus der Region ist mir wichtig»

Knecht betont, er habe die Interpellation mit Rückendeckung des Planungsverbands Zurzibiet Regio eingereicht. Der Rückhalt aus der Region sei ihm wichtig. Bruno Hofer, Geschäftsführer von Zurzibiet Regio, teilt auf Anfrage mit: «Zurzibiet Regio unterstützt alle Aktivitäten, die dazu beitragen, die verkehrsmässige Erschliessung unserer Region weiter zu verbessern.» Dazu gehöre auch der Vorstoss von Hansjörg Knecht.

Mit Thomas Hardegger habe er sich nicht abgesprochen, aber man verfolge dasselbe Ziel, sagt Knecht. Er geht davon aus, dass seine Interpellation noch vor Beginn der Herbstsession des Parlaments im September vorliegt. Dann wolle er weitere Schritte prüfen.