Döttingen

Neuer Schwung dank Schweizer Tennisgrösse? Stefanie Vögele spielt neu für den TC Unteres Aaretal

Stefanie Vögele vor dem Clubhaus des TC Unteres Aaretal in Döttingen. «Die Anlage ist für mich die ideale Ergänzung.»

Stefanie Vögele vor dem Clubhaus des TC Unteres Aaretal in Döttingen. «Die Anlage ist für mich die ideale Ergänzung.»

Die Leuggermerin Stefanie Vögele ist neu Mitglied beim TC Unteres Aaretal. Die Weltnummer 109 trainiert seit Beginn der Coronakrise auf der Anlage des Tennisclubs in Döttingen. Der Verein hofft, den Mitgliederschwund damit zu bremsen.

Ihr letzter Ernstkampf auf der Profi-Tour liegt schon eine Weile zurück. Anfang März bestritt Stefanie Vögele im mexikanischen Monterrey gegen die Kanadierin Leyla Annie Fernandez ihre Erstrundenpartie. Danach folgte der Coronalockdown, der auch die 30-Jährige jäh bremste und zum Umplanen zwang. Statt French Open oder Wimbledon richtete sich die Leuggermerin in der heimischen Umgebung ein. «Das ging bisher zwar recht gut, aber der wettkampfmässige Einsatz kann damit nicht ersetzt werden», sagt Vögele.

Der Vorteil der Coronakrise lag immerhin darin, dass sie mehr Zeit als sonst üblich zu Hause in Leuggern verbringen konnte. Sie büffelt seither Kondition und sucht nach Sparingpartnern. Vögele hielt zudem Ausschau nach zusätzlichen Trainingsmöglichkeiten und wurde fündig: Auf der Anlage des Tennisclubs Unteres Aaretal in Döttingen findet sie mit den Teppichsandplätzen und in unmittelbarer Nähe zu ihrem Wohnort, wie sie sagt, perfekte Bedingungen vor.

«Es ist die ideale Ergänzung zu den Hartbelagplätzen in Leuggern.» Und um nicht nur als Gast die Courts zu benutzen, löste Vögele gleich Clubmitgliedschaft. «Ich wurde von Vereinspräsident Beda Mrose angefragt und habe gerne zugesagt.»

Seit ihrer Rückkehr in die Schweiz pendelt Vögele nun regelmässig zwischen Zürich, wo sie für die Grasshoppers ab Ende Juli Interclub spielt, dem Leistungszentrum von Swiss Tennis in Biel und eben Döttingen.

Dem Verein droht schleichende Überalterung

Was für die aktuelle Nummer 109 eine Herzensangelegenheit ist, könnte ihrem neuen Club einen wichtigen Impuls verleihen. Der TC Unteres Aaretal kämpft wie viele Vereine mit rückläufigen Mitgliederzahlen. «Es ist nicht dramatisch», sagt Clubpräsident Beda Mrose. «Aber wir kommen seit einigen Jahren nicht vom Fleck, und der Lockdown hat auch bei uns Spuren hinterlassen.» Man habe 2020 deutlich weniger Neumitglieder. «Das schwächt unsere bislang solide Basis mit rund 120 Aktiven und 40 Junioren.»

Insbesondere bei den Jugendlichen tue man sich schwer, neue Leute zu gewinnen. «Was zur Folge hat, dass es eine schleichende Überalterung gibt.» Mit diversen Aktionen habe man versucht, Tennisbegeisterten den Sport und den Club schmackhaft zu machen. «Man muss es aber so deutlich sagen: Der Rücklauf war bisher leider gleich null», sagt Mrose, der seit 18 Jahren den Verein präsidiert.

Dass man mit Stefanie Vögele nun eine Sportlerin mit Strahlkraft in den eigenen Reihen besitzt, bezeichnet Beda Mrose als Glücksfall. «Weil sie genau in dieses Alterssegment passt, das uns Sorge bereitet.» Sie sei zudem eine Sympathieträgerin, die mit ihrer bodenständigen Art bei den Leuten gut ankommt.

Grosses Fragezeichen, wie und wann es weitergeht

Mrose (56), von Beruf Wirtschaftsanwalt, bezeichnet das Timing ihres Beitritts als optimal. Im Bestreben, neue Spielerinnen und Spieler zu finden, veranstaltet der Verein im August einen Schnuppertag. «Wenn es Stefanies Turnierkalender zulässt, wird sie am Anlass teilnehmen.»

Wie Vögeles nahe Agenda aussieht, hängt nach wie vor von der Entwicklung der Coronapandemie ab. Vorgesehen sind als Nächstes Turniere Anfang August in Italien und Tschechien. Danach stünden die US Open (ab 31. August) in New York und die French Open (ab 20. September) in Paris auf dem Programm.

Ob sie tatsächlich bald wieder die grosse Tennisbühne betreten darf, ist derzeit mit Fragezeichen behaftet. «Es ist beispielsweise unklar, ob wir überhaupt in die Vereinigten Staaten einreisen dürfen.» Bis sie Gewissheit hat, wie, wann und wo es weitergeht, wird sie sich in der vertrauten Umgebung fit halten und Applaus in kleinem Rahmen erhalten – beispielsweise in Döttingen.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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