Würenlingen

Politisches Beben nach Rücktritt des Ammanns – Vize-Ammann: «Ich hatte das Gefühl, wir finden uns wieder»

Keiner der Würenlinger Gemeinderäte war in Zoppis Pläne eingeweiht, alle wurden an der Gmeind überrumpelt.

Keiner der Würenlinger Gemeinderäte war in Zoppis Pläne eingeweiht, alle wurden an der Gmeind überrumpelt.

Der Interims-Ammann Meier will nicht Ammann von Würenlingen werden. Die SVP verlangt Transparenz über Vorkommnisse, die zu André Zoppis Rücktritt führten.

Der überraschende und sofortige Rücktritt des langjährigen Gemeindeammanns André Zoppi (FDP) an der Gmeind letzte Woche löst in Würenlingen ein politisches Beben aus. Die SVP Ortspartei stellt nun gar die Frage: «Ist der Gemeinderat für einen Gesamtrücktritt bereit, um das Vertrauen in die Kollegialitätsbehörde wieder herzustellen?»

Zoppis Rücktritt offenbare, wie schlecht es um das Klima im Gemeinderat bestellt sei, sagt René Gaufroid, Präsident der SVP Würenlingen. Keiner der Gemeinderäte war in Zoppis Pläne eingeweiht, alle wurden an der Gmeind überrumpelt. Langsam sickert auch durch, welches die Gründe für den Eklat sind. Es kam zu Grüppchenbildungen innerhalb des Gremiums bis hin zur Opposition gegen Zoppi. Die Ortsparteien vermuten bei einigen Gemeinderäten mangelnde Dossierkenntnis, was Perfektionist Zoppi nicht gepasst haben dürfte. Weiter soll das Kollegialitätsprinzip verletzt worden sein.

Der Gemeinderat von Würenlingen zu harmonischen Zeiten mit Gemeindeschreiber Patrick Sandmeier (links) - und weiter von links mit Bernhard Meier (CVP), Regula Schneider Frei (CVP), Patrick Zimmermann (FDP), André Zoppi (FDP), Roland Meier (parteilos).

Der Gemeinderat von Würenlingen zu harmonischen Zeiten mit Gemeindeschreiber Patrick Sandmeier (links) - und weiter von links mit Bernhard Meier (CVP), Regula Schneider Frei (CVP), Patrick Zimmermann (FDP), André Zoppi (FDP), Roland Meier (parteilos).

Dass Zoppi den Rat nicht einweihte, lässt tief blicken

Thomas Friedli, Präsident der FDP Würenlingen, sagt: «Wenn sich vier Gemeinderäte gegen einen starken Ammann verbünden, sagt das einiges über die vier aus.» Auch, dass Zoppi seine Ratskollegen nicht vorgängig informiert habe, lasse tief blicken. Friedli beschreibt Zoppi als Mann mit Ecken und Kanten, der fachlich stets auf der Höhe war und einen korrekten Umgang pflegte. Auch Gaufroid stellt Zoppi ein gutes Zeugnis aus: «Er verfügte über enorme Erfahrung, ein grosses Fachwissen und einen guten Umgang.»

Als potenzieller Nachfolger kommt für Gaufroid aus dem aktuellen Gemeinderat nur Roland Meier (parteilos) in Frage. Der bisherige Vizeammann hat interimistisch bereits Zoppis Erbe angetreten, winkt aber auf die Frage nach einer Ammann-Kandidatur ab: «Für mich ist das Amt mit Familie und Beruf nicht vereinbar.»

Meier sagt, er sei an der Gmeind aus allen Wolken gefallen, als Zoppi am Rednerpult seinen sofortigen Rücktritt verkündete. «Er war stets engagiert, es ist sehr schade, dass wir ihn verlieren. Dennoch habe ich kein Verständnis dafür, dass es so überraschend geschieht. Er lässt uns im Regen stehen.» Meier bestätigt, dass man auf Initiative Zoppis mit einem externen Mediator versucht habe, die Stimmung im Gemeinderat zu verbessern. Anfang Jahr habe man mit den Sitzungen begonnen und der Prozess war noch nicht abgeschlossen. «Ich hatte das Gefühl, wir finden uns wieder», sagt Meier, «die Stimmung war von Aufs und Abs geprägt.»

Meier bringt auch ein Stück weit Verständnis mit für Zoppi: «Der Aufwand als Ammann ist enorm, wenn man dann noch mit Gegenwind im Gremium zu kämpfen hat, ist es verständlich, dass man sich die Sinnfrage stellt.»

Gesprächsapéro kurzfristig abgesagt

Die Ersatzwahl findet voraussichtlich am 29. November statt. Der geplante Gesprächsapéro mit Gemeinderat und Bevölkerung vom 7. September wurde kurzfristig abgesagt. Dies führt zu scharfer Kritik seitens der SVP. «Dieser Anlass wäre die Möglichkeit gewesen, transparent und offen zu kommunizieren. Was hat der Gemeinderat demnach zu verbergen? Die SVP fordert eine transparente Information über die Vorkommnisse im Gemeinderat», sagt René Gaufroid. Das Kollegialitätsprinzip scheine groben Schaden genommen zu haben – was hinter vorgehaltener Hand im Dorf schon länger gemunkelt wurde.

Meier entgegnet, die Absage sei im Rat lange diskutiert worden. Man sei zum Schluss gekommen, dass es in der derzeitigen Lage andere Prioritäten gibt. Auf die SVP-Forderung nach einem Gesamtrücktritt tritt Meier nicht ein. «Mit einem solchen Vorgehen gewinnt die Gemeinde nichts», sagt er.

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