Döttingen

Politisieren auf dem Hof: Passen die Aargauer Ständeratskandidaten den Bauern?

Die acht Ständeratskandidaten haben auf dem Sunnehof in Döttingen über Landwirtschaftspolitik diskutiert.

«Vo Buur zu Buur» war das Motto am Sonntag im Surb- und unteren Aaretal. Der Eichhof in Ehrendingen, der Loohof und der Früchtehof Keller in Endingen sowie der Weinhof Nyffenegger und der Sunnehof Döttingen hatten ihre Türen geöffnet.

In einem unterschied sich der Anlass auf dem Sunnehof von denjenigen auf den anderen Höfen: Hier ging es nicht nur um Landwirtschaft, sondern auch um Politik. Die Ständeratskandidatinnen und -kandidaten waren gekommen. Am Podiumsgespräch, unter der Leitung von Fabian Hägler (Stv. Chefredaktor der Aargauer Zeitung), diskutierten Maya Bally (BDP), Marianne Binder (CVP), Thierry Burkart (FDP), Beat Flach (GLP), Roland Frauchiger (EVP), Hansjörg Knecht (SVP), Ruth Müri (Grüne) und Cédric Wermuth (SP) über Landwirtschaftspolitik.

Bauern unterstützen – aber wie?

Einig waren sich die Kandidierenden darin, dass die Landwirtschaft ein sehr wichtiger Teil der Schweiz ist, der auf politischer Ebene gestützt werden soll. Wie das geschehen soll, da gingen die Meinungen auseinander. Binder sieht in der Lebensmittelproduktion durch Schweizer Bauern einen der grössten Beiträge gegen den Klimawandel. Knecht will vor allem die Familienbetriebe fördern und das bäuerliche Bodenrecht erhalten, denn: «Der Bauer ist in erster Linie Lebensmittelproduzent und nicht Landschaftsgärtner.»

Burkart bemängelte, dass die Landwirtschaft die am meisten administrierte Branche sei. Müri will die Nachhaltigkeit fördern und die Bauern mit Direktzahlungen unterstützten. Diese müssten, so Wermuth, anders verteilt werden. Ein zu grosser Teil ginge an Grossbetriebe. Frauchiger sieht das richtige Vorgehen in kleinen Schritten: «Wir dürfen die KMU, und das sind Bauern, nicht erdrücken.»

Kontrovers diskutiert wurden auch die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative. Beide Vorschläge würden die Landwirtschaft massiv treffen, so würde etwa der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eingeschränkt. Wermuth sieht das nicht so drastisch, denn «Initiativen werden nie wörtlich umgesetzt.» Ein Besucher, selber Landwirt, rief in Erinnerung, dass Bauern die vom Bund genehmigten Mittel sparsam einsetzten. Sie stellten einen beträchtlichen Bestandteil der Betriebskosten dar.

Frauchiger warnte vor den noch nicht bekannten Konsequenzen der beiden Initiativen. Er gab grundsätzlich zu bedenken: «Wir leben über unseren Verhältnissen.» Knecht verwies auf die bestehenden Aktionspläne der Landwirtschaft, um die Umwelt noch besser zu schützen. Dass diese Projekte weitergeführt werden, ist für Bally wichtig.

Mehrfach wurde bemängelt, dass die Landwirtschaftspolitik immer wieder ihre Richtung und damit die Vorschriften ändere. Für die Bauern erschwert dies zielgerichtetes, längerfristiges Handeln. Erfahrungsgemäss dauert es mehrere Jahre, bis die Ergebnisse von geänderten Vorschriften erkennbar werden.

Uneinigkeit beim Freihandelsabkommen

Zu reden gab auch das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Staaten (Mercosur). Müri will dieses nur unterzeichnen, wenn es auch bezüglich Umwelt und Sozialem fair ist. Was mit dem Abkommen importiert werde, müsse genau deklariert werden, sagte Knecht. Er habe auf einem Mastbetrieb in Argentinien erfahren, dass Schlachttiere für den Export ohne und solche für den Inlandverbrauch mit Hormonen gefüttert werden. Flach argumentiert, der Freihandel habe immer zu einer Steigerung der Standards geführt: «Die Armut ging zurück.» Frauchiger schränkte ein: «Wir können mit Freihandelsverträgen nicht andere Länder verändern.»

Binders Versuch, die Bäuerinnen zum Gesprächsthema zu machen, misslang angesichts der Diskussion über die Initiativen und den Freihandel. Später wurde aus der Versammlung gezielt dazu eine entsprechende Frage an Müri gestellt. «Die Frauen sollten im Hof angestellt werden, um ihre Altersvorsorge zu verbessern», führte sie aus. Die soziale Absicherung der Bäuerinnen ist auch für Bally ein Muss. Flach will ihre Stellung im bäuerlichen Bodenrecht verbessern. 

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