Tegerfelden

Sagenhaftes Zurzibiet: Kutscherin Isabelle Schmid verzaubert Gäste mit Ausfahrten

Ein flottes Gespann am Ufer der Surb: Isabelle Schmid, ihr Pferd Apasz und die Viktoria-Kutsche aus dem Jahr 1850. Chris Iseli

Ein flottes Gespann am Ufer der Surb: Isabelle Schmid, ihr Pferd Apasz und die Viktoria-Kutsche aus dem Jahr 1850. Chris Iseli

Isabelle Schmid bietet Kutschenfahrten in die Vergangenheit an. Seit zwei Jahren führt die Zurzibieterin verschiedene Touren an die schönen Orte des Zurzibiets durch. Egal ob Romantiker oder Weinliebhaber - alle kommen auf Ihre Kosten.

Ein Thermalbad im Bezirkshauptort, Grenzübergänge und Atomkraftwerke – viel mehr ist Auswärtigen kaum bekannt. Das Zurzibiet, eine vernachlässigte und vernachlässigbare Randregion? Ein Beispiel: Im Herbst 2014 lancierte der Kanton eine Tourismuskampagne, bei der auf Signalisationstafeln entlang der Autobahnen Sehenswürdigkeiten des ganzen Kantons angepriesen werden – der Bezirk Zurzach ging leer aus. Kritische Stimmen wurden laut, wonach es das Zurzibiet mit dem historischen Marktflecken, dem Klingnauer Stausee und anderen Sehenswürdigkeiten verdient hätte, ebenfalls beworben zu werden.

Seit zwei Jahren macht Isabelle Schmid, was der Kanton entlang der Autobahnen versäumt hat: Sie bringt Interessierten das Zurzibiet näher, erzählt während der Fahrt auf dem Kutschbock die Sagen der Schlüsseljungfrau von Tegerfelden oder vom Lindegiger am Ruckfelde. Aber auch Romantiker oder Weinliebhaber können bei ihr Touren buchen.

Isabelle Schmid

Isabelle Schmid über ihre sagenhaften Kutschen-Fahrten

«Das Zurzibiet ist spannend wie ein Roman», findet Schmid. Wie eine Romanfigur kommt auch die Frau aus Tegerfelden daher. Ein Kostüm aus dem Jahre 1910, eine restaurierte Viktoria-Kutsche von 1850 und davor ihr Pferd Apasz, ein Warmblut aus Polen. Dazu ein Fundus an Sagen, Anekdoten und historischer Geschichten. «Ich biete Zeitreisen in die Vergangenheit an, Kutschenfahrten durch eine vielfältige und wunderschöne Landschaft», sagt die 52-Jährige.

Besonders angetan haben es Schmid die Geschichten aus der Vergangenheit. «In jeder Sage steckt auch ein Fünkchen Wahrheit», sagt sie. «Vor allem bei Kindern kommen sie gut an.» Ihre Leidenschaft für die regionalen und lokalen Überlieferungen hat sie 2013 entdeckt. An der 900-Jahr-Feier der Gemeinde Tegerfelden hat Schmid Veranstaltungen zu den reichhaltigen Sagen durchgeführt. Als Grundlage diente die Chronik der Gemeinde Tegerfelden von Karl Füllemann. «Die Vielfalt an Geschichten und Dramen, die sich auf diesem Boden abgespielt haben, fesseln mich», sagt Schmid.

So sehr, dass sie nach Wegen suchte, diese weiterzuerzählen. Die Mutter von drei Kindern entschloss sich, das Kutschenfahren zu lernen, Pferd und Wagen zu kaufen. 2014 hat Schmid das Fahrbrevet gemacht. Nun bietet sie ihre Touren an entlang der Surb, über die älteste Brücke des Kantons in Unterendingen, vorbei an Kirchen, Brunnen und Kapellen und geschichtsträchtigen Orten. «Es wäre schön, wenn es mir gelingt, das Zurzibiet bekannter zu machen», sagt Schmid. Sie ist überzeugt: Die Region hat Potenzial.

Auf der einen Seite die Landschaft. «Hier ist nicht alles verbaut wie in Spreitenbach oder Dietikon.» Auf der anderen Seite sei das Zurzibiet eine geschichtsträchtige Gegend, in der Adelige, Ritter und Freiherren hausten. «In der Schule wird uns die Geschichte Deutschlands oder Frankreichs beigebracht», sagt Schmid, «dabei gibt es vor der eigenen Haustüre so viel zu entdecken. Es wäre schade, wenn das in Vergessenheit geraten würde.» Überlegungen, mit Bad Zurzach Tourismus zusammenzuarbeiten, hat sie verworfen. «Es soll ein Hobby bleiben. Ich mache das aus Freude. Ein florierendes Geschäft daraus zu machen, wäre eine Illusion», sagt Schmid.

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